Rückblick seit 2000


Veranstaltungen 2020

Datum/Zeit Veranstaltung
24/01/2020
19:00 - 21:00
Charlotte Wiedemann: Der lange Abschied von der weißen Dominanz
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/02/2020
20:00 - 22:00
Hommage an Ursula K. Le Guin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
13/03/2020
20:00 - 22:00
100 Jahre Kapp-Putsch
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
19/03/2020
20:00 - 22:00
ABGESAGT! P. M.: "Warum haben wir eigentlich immer noch Kapitalismus?"
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/03/2020
20:00 - 22:00
ABGESAGT Anarchistische Geographen? Reclus und Kropotkin und die Sache mit der Nation
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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24. Januar 2020

19:00 - 21:00
Charlotte Wiedemann: Der lange Abschied von der weißen Dominanz

Die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus spielt in der Tradition des deutschen Anarchismus selten eine Rolle. Besonders in der Weimarer Republik und zuvor wurde das Thema gern verdrängt. Die weitgereiste Journalistin und Buchautorin Charlotte Wiedemann befasst sich in ihrem neuen Buch mit dem kolonialen Erbe und den Privilegien des eigenen Weißseins. Sie stellt fest, dass eurozentrische Überlegenheitserzählungen von Fortschritt, Entwicklung oder Feminismus nicht mehr unwidersprochen stehen bleiben. Aktuelle Abwehrmechanismen lassen sich u.a. auch mit dem Paradox einer gelungenen Integrationspolitik erklären. Die Spuren der Einwanderung und Globalisierung verändern spürbar Identitätskonstruktionen und sie aktivieren die radikale Rechte. Die Autorin möchte uns ermutigen, den Bedeutungsverlust der weißen Dominanz konstruktiv zu gestalten.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

28. Februar 2020

20:00 - 22:00
Hommage an Ursula K. Le Guin

“Resistance and change often begin in art. Very often in our art, the art of words.” (“Widerstand und Veränderung beginnen oft in der Kunst. Sehr oft in unserer Kunst, der Kunst der Wörter.“)

Photo: Win Goodbody | www.wingoodbody.photography

Am 22.01.2018 verstarb mit Ursula K. Le Guin eine Grande Dame der fantastischen und Science-Fiction Literatur. Ihr Credo lässt sich umschreiben mit ihrem Zitat: “I too have crossed some genre barriers, in fact about as many as I could“ (“Ich habe auch einige Genre-Grenzen überschritten, tatsächlich so viele wie ich konnte.“). Nach heutigen Maßstäben ist sie eine Autorin und Feministin, die aktuelle Queertheorien mit ihrem Roman „The left Hand of Darkness“ („Die linke Hand der Dunkelheit“) 1969 vorwegnehmend imaginierte. Auch die anarchistische Utopie „The Dispossessed“ („Die Enteigneten“, auch: „Planet der Habenichtse“) (1974) überzeugte die männlich dominierte Science Fiction Szene, so dass sie, wie noch keine Frau vor ihr, den Hugo Award zweimal hintereinander gewann. Diese Veranstaltung soll als Ehrung und Hommage verstanden werden, Textstellen aus oben genannten Romanen werden in Form einer Lesung vorgetragen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

13. März 2020

20:00 - 22:00
100 Jahre Kapp-Putsch

ADN-ZB/Archiv

Der Generalstreik und der Kampf gegen den Kapp-Lüttwitz Putsch in Berlin 1920 geriet die junge Weimarer Republik in höchste Gefahr! Putschende Rechte versuchten mit militärischer Gewalt den Umsturz und besetzten das Berliner Regierungsviertel. Bis dahin hatten sich Ebert und Noske auf rechte Freikorpsverbände gestützt, um eine weitergehende Demokratisierung und Sozialisierung zu verhindern. Nun flüchteten sie in die deutsche Provinz und riefen die Arbeiterschaft zum Generalstreik auf, der die Putschisten zur  Aufgabe zwang. Aber zuletzt zahlten wohl über zweitausend  Arbeiter*innen ihr Eintreten für die Republik oder für eine  weitergehende Demokratisierung mit ihrem Leben. Doch dem Geschehen ging eine langjährige erbitterte Debatte um den Generalstreik voraus, der als anarcho-syndikalistische Praxis von der SPD stets abgelehnt wurde.

Wir versuchen neben einem kurzen Abriss der Ereignisse eine Einordnung in die Abläufe der Deutschen Revolutionen zwischen 1918 und 1923 zu geben und lassen die damaligen Anarchist*innen und Anarcho-Syndikalist*innen zu Wort kommen. Zuletzt werfen wir einen Blick auf den Zustand der Gräber der Opfer in Berlin, die bis heute kaum gewürdigt werden.

Ein Vortrag der Gustav Landauer Initiative

19. März 2020

20:00 - 22:00
ABGESAGT! P. M.: „Warum haben wir eigentlich immer noch Kapitalismus?“

ABGESAGT

Die Frage müssen wir uns stellen, denn dessen Überwindung ist einfacher als gedacht! Ihr könnt aufhören zu diskutieren, P.M. hat den definitiven Vorschlag, wie wir aus der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung (von einigen Scherzkeksen Kapitalismus genannt) herauskommen, weltweit, ökologisch und gemäss den neusten Rezepten der Glücksforschung. Wer jetzt nicht zugreift, verpasst sein Leben.

In seinem aktuellen Buch setzt der Schweizer Autor Hans Widmer aka P. M. fort, was ihn in den letzten 30 Jahren in seinem Werk mal in den intergalaktischen Raum, mal ins Mittelalter und mal in die Schweiz führte: der Weg des radikalen Umdenkens: „Alle reden von der nächsten Krise des gegenwärtigen Wirtschaftssystems… Wieder einmal stockt das Wachstum. Die Blase wird erneut gefüttert mit billigem Geld, Staatsschulden, Steuersenkungen. Was passiert, wenn sie platzt? Was, wenn Kapitalismus und Krise Synonyme sind? Der ewige Krisenparcours des Kapitalismus ist zerstörerisch, weil er nicht nachhaltig sein kann. Landschaften, Menschen,  gesellschaftlicher Zusammenhalt, das Klima, die Artenvielfalt werden beschädigt, um das Wachstum aufrechtzuerhalten, das notwendig ist, um 200 Billionen Dollar Schulden wenigstens theoretisch als bedienbar erscheinen zu lassen. Der Kapitalismus ist eine intrinsisch lebensfeindliche Maschinerie. Wir sind ein Teil davon. Aber wir können es ändern.“ Hier gibt es einen Vorschlag, der den Kapitalismus beenden kann!

Wie schon in dem 2019 erschienen Roman von P.M. „Das Gesicht des Hasen“ wird aufgezeigt, dass der Kapitalismus kein unüberwindbares Hindernis ist. Wir schmieden einfach eine „neue Allianz“.

20. März 2020

20:00 - 22:00
ABGESAGT Anarchistische Geographen? Reclus und Kropotkin und die Sache mit der Nation

Élisée Reclus und Pjotr Kropotkin waren beides: Anarchisten und Geographen. Vor allem Reclus‘ „Nouvelle géographie universelle“ (erschienen 1876-1894) wird als methodischer Vorläufer der heutigen Humangeographie angesehen. In ihrer Rolle als anerkannte Geographen und Wissenschaftler unterstützten und beeinflussten beide die Unabhängigkeit mancher Nationen und wirkten so auch an der Bildung neuer nationalstaatlicher Grenzen mit. Weder Kropotkin noch Reclus bezeichneten sich dabei als anarchistische Geographen. Anarchistische Geographie, in eben dieser Selbstbezeichnung, ist ein noch junges wissenschaftliches Feld – so gibt es beispielsweise erst seit 2017 die ‚International Conference of Anarchist Geographies and Geographers‘. Eine aktuelle Frage, die sich womöglich bereits Kropotkin und Reclus stellen mussten, lautet hier: Wie kann Raum möglichst ohne Staat gedacht und erforscht werden, wo doch gerade WissenschaftlerInnen auf staatliche oder institutionelle Anerkennung und Unterstützung angewiesen sind?

Der Vortrag von Anna möchte einen Überblick geben über frühe geographische Arbeiten, in denen anarchistische Ansätze erkennbar sind, aktuelle Konzepte vorstellen, sowie nationale Bestrebungen Reclus‘ und Kropotkins in den historischen Kontext des 19. Jahrhunderts stellen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

27. März 2020

20:00 - 22:00
ABGESAGT Ruhraufstand

Nachdem im März 1920 Kapp putschte, riefen alle linken Arbeiterorganisationen den Generalstreik aus und der rechte Putsch konnte abgewendet werden. Im Ruhrgebiet behalten die  Arbeiter*innen unter anderem in der anarchosyndikalistischen FAUD ihre Waffen und bildeten sogenannte Arbeiterwehren. Letztlich wurde der Ruhraufstand mit Hilfe von Freikorps zerschlagen. Hinter der Front passierte aber noch viel mehr.

Sind die Forderungen seiner Zeit heute noch aktuell?

3. April 2020

21:00 - 23:00
ABGESAGT Andreas Müller: Anarchisten in Dortmund, von 1919 – 1933

In der Weimarer Republik sind im Raum Dortmund bis zu 20000 registrierte Mitglieder in anarchistischen Vereinen aktiv gewesen. Inspiriert von den Reformbewegungen, gab es vielfältige Kulturvereine wie z.B. die freien Sängerbünde, Frauengruppen, die sich mit Sexualaufklärung, Verhütung aber auch freier Liebe beschäftigten, Kinder- und Jugendgruppen, freie Schulen, Individualanarchisten, bis hin zur erstarkten und in vielen Betrieben dominierenden FAUD, die noch bis 1926 oft die Mehrheit in den Betriebsräten stellte. Andreas Müller von der Geschichtswerkstatt Dortmund stellt die Hintergründe und die Breite der Bewegung dar, ihre Spaltungen, ausgelöst durch die Frage, was denn nun der „wahre“ Anarchismus sei, bis zur Auflösung durch den Faschismus.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

24. April 2020

21:00 - 23:00
ABGESAGT Jonathan Eibisch: Soziale Revolution als entscheidender Fluchtpunkt anarchistischen Denkens

Wovon reden Anarchist*innen eigentlich, wenn sie von „sozialer Revolution“ sprechen? Und ergibt es unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen denn überhaupt Sinn, noch solche großartigen Worte in den Mund zu nehmen? Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass sich im Anarchismus sozial-revolutionäre Vorstellungen in Abgrenzung zu „sozialer Evolution“, „politischer Revolution“ und politischen Reformen“ herausgebildet haben. Mit „sozialer Revolution“ wird einerseits ein ziemlich umfangreicher und vielschichtiger Prozess radikalen gesellschaftlichen Wandels beschrieben. Andererseits werden mit diesem anarchistischen Konzept recht konkrete Überlegungen zur Umstrukturierung der Gesellschaft verbunden. Um den Begriff zu aktualisieren, ist seine Entstehung und sein Gehalt zu rekonstruieren. Damit wird auch deutlich, dass sich neue linke Transformationstheorien nachweisbar auf anarchistische Vorstellungen beziehen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

8. Mai 2020

21:00 - 15:00
Lukrative Bodenschätz in der Tiefsee.

Es ist wie mit dem Wald. Im 18. Jh. wird in England der „unterirdische Wald“ mit seiner Kohle entdeckt. Die Industrialisierung beginnt. Mit dem Fortschritt der Technik werden zurzeit die Claims in der Tiefsee abgesteckt. Auf deren Oberfläche liegen „kartoffelgroße“ Mineralien, die die Profitbegierde von Konzernen wecken. Außerdem wurden vor etwa 20 Jahren die „Schwarzen Raucher“ entdeckt, Formationen, in deren Umfeld wertvolle Bodenschätze sind. Darunter befinden sich auch seltene Erden. Diese sind bedeutsam für Digitaltechnik und Rüstungsindustrie. Doch rätselt heute schon die Wissenschaft über die ökologischen Folgen eines umfangreichen Abbaus. Es droht sozusagen „Tiefsee-Extraktionismus“ pur. Erneut beginnt ein Wettrennen um Profit, Macht, Konsum, mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt. Welche Fragen stellen sich, aus libertärer, öko-sozialer Sicht? Am Nachfolgetag besuchen wir zum Thema das Berliner Naturkundemuseum (Eintrittspreis muss selbstständig bezahlt werden).
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

29. Mai 2020

21:00 - 23:00
Abgesagt: Hanna Poddig: „From Democracy to Freedom“ – Der Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung (CrimethInc.)

Demokratie ist das allgemeingültigste politische Ideal unserer Zeit. George Bush hat sich darauf berufen, um die Invasion in den Irak zu rechtfertigen; Barak Obama gratulierte den Rebell*innen vom Tahrir-Platz, weil sie Demokratie nach Ägypten gebracht hätten und „Occupy Wall Street“ war davon überzeugt, ihre reinste Form herausdestilliert zu haben. Von der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea bis zur autonomen Region Rojava nennt sich praktisch jede Regierung und jede Bewegung demokratisch. Aber was ist das Heilmittel für die Probleme der Demokratie? Alle sind sich einig: mehr Demokratie. Seit der Jahrtausendwende ist eine Vielzahl neuer Bewegungen entstanden, die versprachen, diesmal die echte Demokratie zu verwirklichen – im Gegensatz zu den nur scheinbar demokratischen Institutionen, die sich als ausschließend, einschränkend und entfremdend herausgestellt hätten. Gibt es einen roten Faden, der all diese verschiedenen Formen von Demokratie verbindet? Welche von ihnen ist die „wahre“ Demokratie? Kann eine von ihnen tatsächlich die Inklusivität und Freiheit bringen, die wir mit dem Wort verbinden? Das Buch von CrimethInc widmet sich diesen Fragen zunächst theoretisch anhand einer grundsätzlichen Kritik an Demokratie, um sich sodann anhand konkreter Erfahrungen aus Slowenien, Bosnien, Griechenland, Spanien und den USA der Frage zu stellen, was diese Kritik für unsere Organisierung bedeutet.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

12. Juni 2020

21:00 - 23:00
Abgesagt_ Maurice Schuhmann: 50 Jahre Ton Steine Scherben

„Schanzenfest“ by FOTOKIOSK is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

Rio Reiser, Kopf von der Agit-Prop-Band „Ton Steine Scherben“ (TSS), ist einer der einflussreichsten deutschen Musiker gewesen – und zudem auch Anarchist. Im Jahr 1970 erschien mit „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ ein Soundtrack für die Revolte der 70er und 80er Jahre; zwei Jahre später erschien das Doppelalbum „Keine Macht für Niemand!“, dessen Titel eine Anleihe an eine Überschrift aus einer Anarchopostille war.

TSS war aber keine „reine“ Anarchoband, sondern erfreute sich auch in anderen linken Kreisen hoher Beliebtheit – außer bei den moskautreuen Kommunisten, die ihnen ihren Anarchismus vorwarfen. In einem Vortrag soll das Wirken jener Band, die zwischen 1970 und 1985 existierte, gewürdigt werden.

(Vortrag mit anschließender Diskussion)

10. Juli 2020

21:00 - 23:00
Abgesagt! Maurice Schuhmann Anarchistische Perspektiven auf die franz. Revolution

Die Französische Revolution von 1789 dient vielen Sozialist*innen als Paradebeispiel für eine Revolution – und als ein Lehrstück. Auch im anarchistischen Diskurs und Geschichtsschreibung nimmt sie eine wichtige Stellung ein – u.a. in Bezug auf die Suche nach Vorläufer_innen der eigenen Bewegung. Neben der grundlegenden Studie von Kropotkin („Die Große Französische Revolution“) erschienen zwei wichtige Dokumentensammlungen – sowohl Landauers „Briefe der französischen Revolution“ als auch Stirners „Geschichte der Reaction“ – und eine Vielzahl von Untersuchungen, wie der von Bookchin über „The third Revolution“.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

25. September 2020

19:00 - 21:00
Maurice Schuhmann: 50 Jahre Ton Steine Scherben

„Schanzenfest“ by FOTOKIOSK is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

***Achtung! Anmeldung notwendig!***
Wir freuen uns die Veranstaltung die wir wegen Covid-19 absagen mussten nachzuholen. Es dürfen jedoch nur 20 Personen in den Veranstaltungsraum! Daher ist es notwendig, dass ihr euch unter DieFreien@BibliothekderFreien.de anmeldet. PGP-Key findet ihr hier. Wir bemühen uns die Veranstaltung aufzunehmen. Haltet euch auf unserer Website auf dem laufenden.

Rio Reiser, Kopf von der Agit-Prop-Band „Ton Steine Scherben“ (TSS), ist einer der einflussreichsten deutschen Musiker gewesen – und zudem auch Anarchist. Im Jahr 1970 erschien mit „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ ein Soundtrack für die Revolte der 70er und 80er Jahre; zwei Jahre später erschien das Doppelalbum „Keine Macht für Niemand!“, dessen Titel eine Anleihe an eine Überschrift aus einer Anarchopostille war.

TSS war aber keine „reine“ Anarchoband, sondern erfreute sich auch in anderen linken Kreisen hoher Beliebtheit – außer bei den moskautreuen Kommunisten, die ihnen ihren Anarchismus vorwarfen. In einem Vortrag soll das Wirken jener Band, die zwischen 1970 und 1985 existierte, gewürdigt werden.

(Vortrag mit anschließender Diskussion)

5. November 2020

19:00 - 21:00
Links der Linken Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung (Buchvorstellung)

Sam Dolgoff (1902-1990) war Malerarbeiter und Mitglied der Industrial Workers of the World (IWW), auch Wobblies genannt, von den frühen 1920er-Jahren bis zu seinem Tod. Zusammen mit seiner Ehefrau, Esther Dolgoff, stand er im Zentrum des US-amerikanischen Anarchismus, insbesondere des Anarchosyndikalismus. Ihr Sohn, Anatole Dolgoff (geb. 1937), zeichnet in diesem Buch nicht nur Sam Dolgoffs Leben nach, sondern schreibt gleichzeitig eine leidenschaftliche Geschichte der radikalen Arbeiterbewegung in den USA des 20. Jahrhunderts.

Anatole Dolgoff wuchs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mitten im Milieu der Wobblies sowie im jüdisch geprägten Milieu der aus der Immigration kommenden Arbeiter*innen New Yorks auf. Sein Buch erzählt von der Macht der Nachbarschafts-Solidarität unter den Arbeiter*innen, aber auch von proletarischen und kulturellen Spaltungslinien.

Nur kurze Zeit nach den US-Wahlen am 3. November ruft die Veranstaltung die unbekannte Geschichte der US-Arbeiterbewegung in Erinnerung und zeigt, dass integrierte Gewerkschaften mit schwarzen und weißen Arbeiter*innen schon ab den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts existierten. Gewerkschaftsaktivisten wie der afrikanische Amerikaner Ben Fletcher waren prägend für die IWW und werden im Buch ausführlich vorgestellt.

Buchvorstellung durch Lou Marin (Verlag Graswurzelrevolution)

Veranstaltungen 2019

Datum/Zeit Veranstaltung
25/01/2019
19:00 - 21:00
Lothar Binger: 68 – selbstorganisiert & antiautoritär
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
10/02/2019
14:00 - 16:00
Die Geschichte einer jungen Rebellin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
15/02/2019
19:00 - 21:00
Das Kiezhaus Agnes Reinhold stellt sich vor
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
01/03/2019
19:00 - 20:00
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
15/03/2019
19:00 - 21:00
1919–2019: 100 Jahre Revolution & die Münchener Räterepublik
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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25. Januar 2019

19:00 - 21:00
Lothar Binger: 68 – selbstorganisiert & antiautoritär

Der 68er-Aufbruch: Neue Vorstellungen von Erziehung, Sexualität, Beziehungen von Frauen und Männern und Versuche eines anderen Zusammenlebens in Kommunen und Wohngemeinschaften. Darüber berichtet Lothar Binger, Autor des Buches „68 selbstorganisiert & antiautoritär“.
Er wirkte in Westberlin in etlichen Initiativen mit, die es so zum ersten Mal gab. 1968 der erste Berliner Kinderladen, 1969 das Kinderladen INFO, 1968 die erste deutsche Undergroundzeitung Linkeck, 1970 die ersten linken Kinderbücher, 1970 Beginn der Stadtteilarbeit in Kreuzberg, Gründung des Lehrlingstheaters Rote Steine, Produktion der ersten „Ton Steine Scherben“-Single, 1971 die ersten erfolgreichen Berliner Hausbesetzungen des Jugendzentrums Kreuzberg und des Rauch-Hauses als Ergebnis der Jugendarbeit. 1972 startete mit der Gründung der GUM, dem GUM-INFO und 1974 mit dem Positionspapier der erste Versuch, die Undogmatische Linke auf ein theoretisches Fundament zu stellen und im Frühjahr 1974 entstand mit dem INFO BUG (Berliner Undogmatischer Gruppen) ein wöchentliches Kommunikationsorgan für die Sponti-Linke in Westberlin, das über vier Jahre Bestand hatte. Das alles unter der Devise: Selbstorganisiert, undogmatisch, antiautoritär und selbstverständlich antikapitalistisch.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

10. Februar 2019

14:00 - 16:00
Die Geschichte einer jungen Rebellin

Die Bibliothek öffnet an diesem Sonntag die Türen speziell für Kinder und wir möchten euch gerne die Geschichte einer jungen Rebellin erzählen, die sich mutig gegen eine Großmacht stellt. Es ist eine zeitlose Geschichte, die in diesen Zeiten voranschreitender Beschleunigung zum Innehalten anregt. Die Lesung wird musikalisch begleitet, und wir laden euch herzlich ein, Kekse, Tee oder Punsch mitzubringen. Bringt außerdem Decken und Kissen mit, damit ihr es euch gemütlich machen könnt. Bei Anmeldung gibt es weitere Infos. Wir freuen uns auf euer Kommen!
(Lesung für Kinder)

15. Februar 2019

19:00 - 21:00
Das Kiezhaus Agnes Reinhold stellt sich vor

Die Idee, einen Raum als Teil der kommunalen Struktur in der Nachbarschaft aufzubauen und gemeinsam zu verwalten, hat mit dem Bezug der Räumlichkeiten in der Afrikanischen Straße 74 im Berliner Stadtteil Wedding ein große Verwandlung in Richtung Wirklichkeit erfahren. Das Kiezhaus Agnes Reinhold soll einen Ort ermöglichen, um zusammenzutreffen und sich jenseits von kapitalistischer Verwertungspolitik und dem Joch von Nationalstaaten und Grenzen auszutauschen. Hiermit ist in Berlin ein neuer Freiraum geschaffen worden, während so viele andere schwinden.
An dem Abend stellen wir das Projekt vor, anschließend wird die Gustav-Landauer-Initiative vom Leben und Schaffen der Namenspatronin Agnes Reinhold, einer Kämpferin der frühen anarchistischen Bewegung in Berlin, erzählen. Zu ihrer Zeit war sie hochgeehrt als „anarchistische Louise Michel“ – heute ist sie ganz zu Unrecht vergessen. Unter hohem persönlichen Einsatz organisierte sie mit ihrer Gruppe „Autonomie“ den Schmuggel und die Verteilung von anarchistischen Zeitungen und Flugblättern in Berlin, baute ein Kontaktnetz der ersten Gruppen in Deutschland und den angrenzenden Ländern auf und rief gerade die Frauen zum politische Engagement. Als ihre Gruppe 1890 verhaftet wurde, nahm sie alle Schuld auf sich und erreichte Freisprüche für alle anderen Angeklagten – zu einem hohen Preis: 6 Jahre Zuchthaus in Einzelhaft. Nach der Entlassung machte sie ihre erschütternden Hafterfahrungen öffentlich und trat unerschrocken gegen ihre Peiniger auf.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

kiezhaus.org

1. März 2019

19:00 - 20:00
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

15. März 2019

19:00 - 21:00
1919–2019: 100 Jahre Revolution & die Münchener Räterepublik

Im Dezember 1919 wurde im Räte-Kongress mehrheitlich für die verfassungsgebende Nationalversammlung gestimmt. Dies war eine bittere Enttäuschung für die revolutionäre Linke und die Linksradikalen, eine Entscheidung für den Parlamentarismus statt einer freiheitlich-sozialistischen Räte-Republik. Zugleich war damit der Kapitalismus „gerettet“. Dies geschah aus der Not und dem sozialen Elend heraus. Gleichzeitig gab es neue Revolutionserwartungen. Es folgten Massen-Streiks, z.B. in Berlin und dem Ruhrgebiet. Im April 1919 wurde die Bairische Räterepublik ausgerufen. Mitten drin „Träumer“ und libertäre Denker, wie Landauer, Mühsam und Toller. Zur gleichen Zeit wuchs die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAUD massiv an. Eine Kommission mit Augustin Souchy wurde einberufen, sie wollte ein realistisches Selbstverwaltungsmodell kreieren – jenseits aller „Träumereien“. Die Veranstaltung soll ein libertärer Erinnerungsschub für die Zukunft sein, jenseits des Bildes eines kohleverschmierten Bergarbeiter-Kumpels.
(Vortrag mit anschließender Diskussion

25. März 2019

19:00 - 21:00
Lou Marin: Pazifismus oder gewaltfreier Anarchismus?

Achtung: Die Veranstaltung findet im BAIZ statt!

Pazifismus und gewaltfreier Anarchismus werden in der „Linken“ oftmals und fälschlicherweise als synonym verstanden. Manchmal wird der gewaltfreie Anarchismus auch gar nicht als solcher benannt, sondern es wird der Pazifismus (angeblich immer gegen Gewalt: falsch!) dem Anarchismus (angeblich immer für Gegengewalt: falsch!) gegenübergesetzt.
Doch im deutschsprachigen Raum existiert durch die lange Tradition und Praxis der Graswurzelrevolution (seit 1972) und ihr nahe stehender Aktionskampagnen (von Bauplatzbesetzungen in der Anti-AKW-Bewegung über antimilitaristische Manöverstörungen in den 80er-Jahren, über Blockaden der Castor-Transporte bis zu den jüngsten Kampagnen zivilen Ungehorsams der Klimabewegung) der gewaltfreie Anarchismus als eine – von vielen – Strömungen des Anarchismus. International ist diese Strömung in der antimilitaristischen Internationale der „War Resisters’ International“ (seit 1921) organisiert.
Der Pazifismus dagegen, als bürgerlicher und sozialdemokratischer Pazifismus, hat eine andere Geschichte. Sie ist zwar auch mit individueller Kriegsdienstverweigerung, aber vorwiegend mit parlamentarischen Friedenskonferenzen, internationalen Schiedsgerichten, der historischen Forderung nach einem Volksheer anstatt einem stehenden Heer, Appellen an die und Verhandlungen unter den Regierenden verknüpft. Der Pazifismus ist befriedend, der gewaltfreie Anarchismus revolutionär und befreiend.
Im Vortrag wird besonders auf die Darstellung der Unterschiede Wert gelegt, um die verbreitete Ineinssetzung von Pazifismus und gewaltfreiem Anarchismus zurückzuweisen.
(Vortrag mit Diskussion)

29. März 2019

19:00 - 21:00
Maurice Schuhmann: Spuren der Stirner- und Nietzsche-Rezeption im Werk von Ret Marut/B. Traven

„Wenn das Werk spricht, hat der Autor zu schweigen“ heißt es sinngemäß im Werk Friedrich Nietzsches. Wie kaum ein anderer Schriftsteller hat der Anarchist und Bestsellerautor B. Traven („Der Schatz der Sierra Madre“, „Das Totenschiff“), der am 26. März 1969 in Mexiko verstarb, versucht, das Postulat umzusetzen. Bei ihm trat der Autor hinter das Werk zurück – und damit machte er sich gleichzeitig so spannend für die literarische Öffentlichkeit, so dass es eine regelrechte Jagd auf das Phantom B. Traven gab. Besonders sein Frühwerk („Der Ziegelbrenner“), welches er unter dem Namen Ret Marut publizierte, ist geprägt von seiner Nietzsche- und Max Stirner-Rezeption, wie sie in der Epoche des I. Weltkrieges in libertären Kreisen häufig anzutreffen war.
Anlässlich seines 50. Todestages gilt es die Rezeption jener beiden Philosophen in seinem Gesamtwerk nachzugehen und die Besonderheiten jener Traven’schen Lesart im Kontext des zeitgenössischen anarchistischen Diskurses herauszuarbeiten.
(Vortrag mit Diskussion)

Nachtrag: Inzwischen ist das Manuskript veröffentlicht.

 

5. April 2019

19:00 - 21:00
DISRUPT! Autonomie und transformierte Herrschaft in Zeiten digitalisierter Fremdbestimmung

Mit „DISRUPT!“ beschreibt das Autor*innen-Kollektiv Capulcu die Versuche, das menschliche Dasein den Anforderungen einer reduktionistischen künstlichen Intelligenz zu unterwerfen. Der Anpassungsdruck des Menschen an die Maschine wirkt bereits jetzt – weit vor einer vollständigen Vernetzung aller mit allem. Capulcu dechiffriert diese „Entwicklung“ als Angriff auf unsere Autonomie und analysiert seine entsolidarisierende Wirkung. Denn Technologie ist nie neutral, sondern immanent politisch.
DELETE untersucht, wie sich Machtverhältnisse durch diesen technologischen Angriff verändern. Die klassischen politischen Institutionen erleiden einen Bedeutungsverlust während der Einfluss der Tech-Giganten über die Ökonomisierung der entlegensten Lebensbereiche weiter steigt. Soziale Punktesysteme verlängern mit ihrem permanenten „Rating“ und „Scoring“ die Reichweite der Disziplinierung weit über die direkte Ausbeutung im Arbeitsverhältnis hinaus. Wie verändert sich die Bedingungen für Autonomie und soziale Revolte in dieser zunehmenden Fremdbestimmung?
Capulcu hält einen Gegenangriff auf die Praxis und die Ideologie der totalen Erfassung, Bewertung und Lenkung für zwingend notwendig. Die Autor*innen plädieren für die Wiederbelebung einer praktischen Technologiekritik.
(Vortrag mit Diskussion)

capulcu.blackblogs.org

13. April 2019

13:30 - 17:00
Räte: Modell und Praxis

Zunächst stellen wir ein einfaches Modell einer Gesellschaft der Räte vor. Auch die CNT/FAI propagierte immer das Prinzip „vom Einfachen zum Komplexen“. Murray Bookchins Idee des libertären Kommunalismus folgt danach. Weiter geht es mit der Schweizer Anarchistin Clara Thalmann, die 1937 in einem Provinzdorf zur Praxis überging. Und ein weiteres praktisches Beispiel wird erläutert: Der katalanische Zugverkehr. Die beiden größten spanischen Gewerkschaften, die CNT und die sozialistische Gewerkschaft, machten sich vereint an die revolutionäre Umwälzung. Ein Workshop mit Raum fürs Nachdenken und die Diskussion. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten ein zusammenfassendes Paper.
(Workshop und Referat mit Bildern und Videos)

2. Mai 2019

19:00
Gustav Landauer zum 100. Todestag

Bis in den Mai hinein, über sechs Wochen hinweg, wird im Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg die umfassende Ausstellung „Anarchie ist das Leben der Menschen, die dem Joche entronnen sind. Gustav Landauer in Berlin (1889-1917)“ gezeigt. Geboren in Karlsruhe und ermordet in München schlägt die Ausstellung den Bogen und fokussiert dabei die Aktivitäten des freiheitlichen Sozialisten in Berlin. Anlässlich des 100. Todestages Landauers findet am 2. Mai die zentrale Veranstaltung im Rahmenprogramm der Ausstellung im Havemann-Saal statt. Der Abend wird eingeleitet mit einer szenischen Lesung. Danach wird es in kurzen Stellungnahmen und einer moderierten Podiumsdiskussion um das Unabgegoltene in Landauers Denken gehen, um heute noch – oder wieder – dringende Fragen von allgemeinem Interesse, aber auch um Gespräch, Anekdote und Unterhaltung.

„Gustav Landauer in Berlin“

Rahmenprogramm zur Ausstellung

weitere Infos: https://gustav-landauer.org/ausstellung

  • Gustav Landauer in seinen Briefen aus Krieg und Revolution

    Do., 11. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei

  • Gustav Landauer und die Anfänge der Reformpädagogik

    Do., 18. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei

  • Gustav Landauer und die Münchner Räterepublik

    Do., 25. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei

  • Gustav Landauer zum 100. Todestag

    Do., 2. Mai 2019, 20 Uhr: Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

  • „Sehr wertvoll sind darum die Vorschläge, die Silvio Gesell gemacht hat“. Die Freigeldtheorie damals und heute

    Fr., 3. Mai 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei

  • Siedlung, Landbau und Genossenschaft. Transformationspotenziale solidarischer Ökonomie

    Mo., 6. Mai 2019, 19 Uhr: Ex-Ableger, Oranienstraße 45, 10969 Berlin, barrierefrei

  • Zwischen Antisemitismus und Zionismus. Gustav Landauer und das Jüdische Volksheim

    Di., 7. Mai 2019, 19 Uhr: Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien, Sophienstr. 22a, 10178 Berlin, barrierefrei

10. Mai 2019

19:00 - 20:00
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

31. Mai 2019

19:00 - 21:00
Lothar Binger: Verstockte Welt – Stock-Geschichte im Patriarchat

Der Stock begleitete und prägte wie kein anderer Gegenstand die Menschheitsgeschichte als Werkzeug, Grabstock, Spindel, Waffe und für die Feuererzeugung. Als Trägermaterial von Werkzeugen wurde er unentbehrlich, so dass man die Steinzeit ebenso gut auch Stockzeit nennen könnte. Die ersten Bauwerke waren der schräg gestellte, aus Stöcken gefertigte, Windschutz und aus Zweigen gebaute Hütten. Der den Frauen zugeordnete Stock war, neben dem Grabstock, vor allem die Spindel, die der Herstellung der Kleidung diente. Seit der Prähistorie sicherten Männer mit dem Stock als Waffe die Gruppe. Als Herrscherstab verkörpert der Stock die Würde und als Prügelinstrument die Entwürdigung. Mit dem Stock verbinden sich Macht und Unterdrückung, Erziehung und Sexualität.
Warum greifen Jungen anders als Mädchen seit dem Kleinkindalter zum Stock? Warum werden in männlichen Händen Stöcke zu Waffen, zu Herrschaftsstäben und zu phallischen Symbolen des Patriarchats? Diesen Fragen geht das Buch ebenso nach wie den zahlreichen Anwendungen und Bedeutungen des Stockes im Handwerk, im religiösen und weltlichen Brauchtum, in der Mythologie, in der Musik, in der Vieh- und Landwirtschaft, im Haushalt sowie in Spiel und Sport. Als Pilger- und Wanderstock war der Stock ein wichtiges Hilfsmittel bei Reisen zu Fuß und in der Gegenwart hat sich der Walking stick als Sportinstrument hinzugesellt.

7. Juni 2019

19:00 - 20:00
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem

14. Juni 2019

19:00 - 21:00
Maurice Schumann: Anarchistische Perspektiven auf die frühe Kibbuzim-Bewegung

Unter den sozialistischen Siedlungsprojekten des langen 19. Jahrhunderts nimmt die frühe Kibbuzim-Bewegung eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu den meisten anderen Projekten, die nach wenigen Jahren wieder eingingen und weitestgehend in Vergessenheit geraten sind, kann die Kibbuzim-Bewegung auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken – wenn auch mit einigen Brüchen und Modifikationen der Ursprungskonzepte. Als Ursprünge werden allgemein der (politische) Zionismus und sozialistisches Gedankengut, d.h. konkret eine spezifisch jüdisch-nationale Spielart des Sozialismus (z.B. die Ideen von David Aaron Gordon), benannt. Die erste Generation jener Bewegung war aber z.T. auch noch stark von (libertär-)sozialistischem Gedankengut inspiriert – u.a. durch Kropotkin, dessen Abhandlung über die Landwirtschaft recht früh in jenen Kreisen auch ins Hebräische übersetzt wurde, und durch die Siedlungsideen von Gustav Landauer, die vor allem durch seinen engen Freund Martin Buber Eingang in den Diskursen fand. Der deutsche Anarcho-Syndikalist Augustin Souchy widmete der Kibbuzim-Bewegung nach dem 2. Weltkrieg eine enthusiastisch anmutende Broschüre – und übersah einige kritische Aspekte sowie Fehlentwicklungen, aber ihm ist hoch anzurechnen, dass er das – in jenen Kreisen bislang viel zu wenig rezipierte – Projekt wieder ins Blickfeld rückte.
Der Politikwissenschaftler Dr. Maurice Schumann beleuchtet die Ursprünge und ersten Jahrzehnte der Kibbuzim-Bewegung mit ihren sozialen bzw. politischen Experimenten und stellt die Lehren daraus zur gemeinsamen Diskussion.
(Vortrag mit Diskussion)

28. Juni 2019

19:00 - 21:00
Günter Gempp: „Gesellschaften ohne Staat und Modelle für Radikaldemokratie“

Anarchie wird häufig verstanden als Chaos und Unordnung, wir können diesen Begriff aber auch vielleicht besser verstehen: als eine Ordnung der Freiheitlichen in Freiheit. Der Staat ist schon im Grundsatz Verhinderung der Freiheit und Ursache von Kriegen. Kriege sind die extremen Formen der Unfreiheit.
Aber ein Großteil der Zeit, in der es Menschen gibt, lebten Menschen ohne Staat in Gemeinschaften und Verbindungen. Sie waren das dominierende Modell des Zusammenlebens. Die Regulierung von Konflikten erfolgte meist über Gespräch und Konsens. Die Alltagsgestaltung wurde reguliert über Bräuche und Regeln.
In diesem hier vorgestellten Vortrag (Workshop) wollen wir primär am Leben von Völkern im Goldenen Dreieck zeigen, dass es heute noch Formen des Zusammenlebens in akephalen, segmentären Gesellschaften gibt. Andere solche Modelle können wir in Afrika studieren oder aus Berichten geschichtlicher Herkunft entnehmen.
Wir wollen aber auch theoretisch die Merkmale solcher Modelle herausarbeiten und die Zusammenhänge auch aus dem Blickwinkel des Rechts im Spannungsfeld zwischen Gewohnheiten, Regeln und geschriebenem, kodifizierten Recht darstellen.
(Vortrag mit Diskussion)

5. Juli 2019

18:30 - 20:00
Bibliothek der Freien stellt sich vor

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

19:00 - 20:00
Bibliothek der Freien Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

12. Juli 2019

19:00 - 21:00
Solidarische Landwirtschaft, SoLaWi

Die solidarische Landwirtschaft, SoLaWi, strebt eine ökologische und gemeinschaftliche Produktion von Lebensmitteln an. Leider ist bei vielen Initiativen das Politische in den Hintergrund geraten, es geht vielen nur noch um gutes, gesundes Bio-Essen. Aber wie können Betriebe der solidarischen Landwirtschaft die Potenziale, die in dieser guten Idee stecken, zur antikapitalistischen Gesellschaftsveränderung und Aufklärung nutzen?
(Filmvorführung mit Diskussion)

3. September 2019

19:00 - 21:00
Prof. Dr. Ulrich Klemm: Mythos Schule – Warum Bildung entstaatlicht und entschult werden sollte

Klemms zentrale These ist, dass Bildung und Lernen nur dann wirklich gelingen können, wenn sie entstaatlicht und entschult werden. In den Mittelpunkt seiner Argumentation stellt er fünf traditionelle Vorstellungen von Schule, die er als Mythen bezeichnet:

  • Schule sichert Wissen
  • Schule schützt Kinder
  • Schule garantiert kulturellen Fortbestand
  • Schulreformen verbessern Schule
  • Heute wissen wir alles besser

Erst wenn wir es wagen, uns auf eine demokratische Vorstellung von Schule einzulassen und Bildung „vom Kinde aus“ denken, werden wir den Blick frei bekommen für eine freiheitliche und humane Veränderung unseres Bildungssystems.
(Vortrag mit Diskussion)

5. September 2019

20:00
Gedenklesung für Karin und Bernd Kramer: Die Freiheit wird nicht kommen, Freiheit wird sich rausgenommen

Unsere Wünsche sind Erinnerungen an die Zukunft. Erinnerungen an Karin und Bernd Kramer zum 5. Todestag von Bernd

Am 5. September 2014 starb der Anarchist, Verleger und Stammgast des goldenen Hahns Bernd Kramer. Seine Frau Karin verstarb bereits am 20. März 2014. Mit dieser Lesung möchten wir an die beiden erinnern, die immer noch schmerzlich vermißt werden.
Sie ritten auf dem Feuerstuhl, ihr anarchistischer Kleinverlag war legendär, als Experiment und gelebte Antiökonomie. Ihr Tod 2014 hinterließ eine Leerstelle, die schmerzt. Karin und Bernd Kramer waren Vertreter eines Freiheitsbegriffs jenseits von Anpassung und Zeitgeist. Der Kampf geht weiter!

Gedenklesung für Bernd und Karin Kramer im
Zum goldenen Hahn
Oranienstr. 14a
Beginn: 20 Uhr 30

Es lesen:

  • Einleitung: Jochen Knoblauch (Knobi)
  • 20:40 Uhr: Arndt Beck (& Tisch 1) lesen aus Bernd Kramers, „Mit dem Flachmann auf Tuchfühlung“
  • 21:00 Uhr: Matt Grau ???
  • 21:20 Uhr: Hermann Jan Oster liest aus Bernd Kramers „Das Gasthaus zum letzten Yeti“
  • 21:40 Uhr: Ralf G. Landmesser, „Von Seelöffeln und trüben Tassen – Prosaisches und Proetfisches“
  • 22:00 Uhr: Bert Papenfuß, „Du und Deins“ (Auszüge)
  • 22:20 Uhr: Erik Steffen, Der Dialog mit der Jugend! Die Kramers und Punk. Spokenword-Performance
  • + Überraschungsgäste

Eine Veranstaltung getragen vom Weltkulturerbe “Zum goldenen Hahn”, vom Freundeskreis Bernd und Karin Kramer [Verlag] und der Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie.

13. September 2019

19:00 - 21:00
Elisabeth Voß: Mit solidarischem Wirtschaften die Welt verändern?

Für ein gutes Leben für jede*n überall sind Kritik und Widerstand wichtig, aber ebenso der Aufbau wirtschaftlicher Alternativen. Zum Einstieg wird dieses Andere skizziert, und die transformatorischen Potenziale in der Vielfalt solcher Betriebe und Projekte. Diese alternativen Ideen und Praxen geraten sowohl von rechter als auch von neoliberaler Seite unter Druck, zum Beispiel indem Begriffe mit neuer Bedeutung belegt werden. Erschwernisse kommen jedoch nicht nur von außen, sondern die Solidarität untereinander ist ebenfalls sehr herausfordernd.
Danach gibt es Einblicke in Beispiele anderen Wirtschaftens, die über Nischen hinausweisen, zum Beispiel Solidarischen Handel; Ansätze munizipalistischer Bewegungen, Netzwerke selbstverwalteter Betriebe; Aufnahme von Geflüchteten in verlassenen Dörfern etc.
Elisabeth Voß schreibt, spricht und berät zu Selbstverwaltung und solidarischem Wirtschaften. Von 1993 bis 1996 hat sie im Projekt A in Neustadt/Weinstraße gelebt und in einem Kollektiv gearbeitet.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

www.elisabeth-voss.de

20. September 2019

19:00 - 22:00
Filmvorführung: Ostpunk! – Too much Future.

Dieser Film ist ebenso laut und authentisch wie das politische und ästhetische„Nein“ von Punk. Punk im Osten, das war Subkultur im anderen Deutschland, das war Tumult, das war totale Verweigerung. Die Punks in der DDR stießen an die Grenzen eines Systems, das seine Jugend steuern wollte. Im Konflikt zwischen Kollektiv und Individuum, Zukunftsnorm und Lebenslust schrieben sie ein bizarres Kapitel ostdeutscher Geschichte. Punkband wie Wutanfall, Schleimkeim, L‘Attentat, Betonromantik oder Planlos stemmen sich gegen einen verordneten Zukunftsoptimismus und eine soziale Überversorgung.
Im Anschluss Gespräch über den Film. Wir freuen uns wenn Besucher*innen ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen teilen möchten.

27. September 2019

19:00 - 21:00
Elisabeth Voß: Hierarchiefrei leben, ohne Chef und Staat?

Das Buch des anarchistischen Autors Horst Stowasser (1951 bis 2009): „Projekt A“, Erstauflage 1984, ist soeben neu erschienen. Darin wird eine Vision entwickelt von einer Welt, in der die Lebensbereiche Arbeit, Wohnen, politisches Engagement und Freizeit nicht mehr voneinander getrennt sind. Ausgehend von einer westdeutschen Kleinstadt soll dieser alternative Lebensentwurf eines Projektanarchismus so attraktiv werden, dass er sich nach und nach auf die ganze Welt ausdehnt.
In Neustadt/Weinstraße wurde ab 1989 versucht, dies umzusetzen: Die WESPE; weit mehr als 100 Leute waren an dem Projekt beteiligt. Die Idee und Erfahrungen werden – aus subjektiver Sicht der Vortragenden – dargestellt. Elisabeth Voß schreibt, spricht und berät zu Selbstverwaltung und solidarischem Wirtschaften. Von 1993 bis 1996 hat sie im Projekt A in Neustadt/Weinstraße gelebt und in einem Kollektiv gearbeitet.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

www.elisabeth-voss.de

Hinweis: Die Veranstaltung hat nichts mit dem Film „Projekt A“ zu tun.

1. Oktober 2019

19:00 - 21:00
Die Frauen der Solidarność — Solidarność według kobiet

Film im Rahmen der Themen-Woche 30 Jahre 89 – Keine Revolution ist auch keine Lösung!
Dokumentarfilm von Marta Dzido und Piotr Śliwowski. OmdU
„Die Geschichte dieser Frauen ist überwachsen mit Unkraut und Moos“

In den 1980ern hatte die unabhängige und selbstverwaltete polnische Gewerkschaft Solidarność über 10 Millionen Mitglieder – die Hälfte davon Frauen!
Aber ihr Beitrag, ihre jahrelange aktive Oppositionsarbeit, die maßgeblich zum Ende der Sowjetunion und einer neu gestalteten Welt beigetragen hat, wird in der aktuellen Geschichtspolitik fast vollständig ausgeblendet. Dabei waren diese Frauen in allen Bereichen vertreten: Sie waren in den Gremien aktiv, brachten Zeitungen heraus, arbeiteten konspirativ und übernahmen die Aufgaben der inhaftierten Genoss*innen — und das alles unter dem jahrelangen Verbot der Solidarność, der Kriminalisierung ihrer Arbeit und der Verhängung des Kriegsrechts über ihre Gewerkschaftstätigkeit.
Sie selbst und ihre Familien wurden als staatsfeindlich betrachtet und hatten unter Repressalien zu leiden. Und dennoch bewiesen sie den längeren Atem, teilweise auch länger als der ihrer männlichen Genossen:
„Als an einem Samstag im August 1980 die mit den Lohnerhöhungen zufriedenen Arbeiter ihren Streik beendeten und die Danziger Werft verlassen wollten, schlossen die Frauen die Werkstore und begannen einen Solidaritätsstreik. Ohne die Initiative dieser Handvoll entschlossener Frauen hätte es den gesellschaftlichen Umbruch in Polen womöglich nicht gegeben.“
Bei den Verhandlungen am Runden Tisch aber, waren sie nicht vertreten, bei der Übernahme wichtiger zukunftsweisender Posten spielten Frauen kaum eine Rolle.

Die notwendige feministische Perspektive auf die polnische Unabhängigkeitsbewegung

Wie konnten die Verdienste dieser Kämpferinnen für ein unabhängiges Polen so dermaßen in Vergessenheit geraten? Hier betreibt der Dokumentarfilm aktive Erinnerungs- und Verständnispolitik, zeichnet Wege und Entscheidungen nach, lässt Protagonist*innen zu Wort kommen und macht Entwicklungen nachvollziehbar. Dadurch arbeitet der Film auch die Vielschichtigkeit dieser politischen Frauen heraus. Ihre unterschiedlichen Beweggründe für ihr jeweiliges und gemeinsames politisches Engagement werden so deutlich. Dadurch erhält der Film eine ganz andere Form von Lebendigkeit und Relevanz — auch für unsere heutigen Kämpfe. Der Film ist im besten Sinne ein selbstreflektiertes Gegenstück zum oft ikonenhaft zitierten Mythos der Solidarność als Bewegung bärtiger Männer aus längst vergangenen Zeiten.
Denn die Frauen der Solidarność und ihr erfolgreicher Kampf müssen auf jeden Fall einen ganz neuen Platz im kulturellen Gedächtnis Europas erhalten – schließlich war es ihr Kampf, ihr Glaube an eine andere Welt, der unsere heutige Realität erst ermöglich hat!

Trailer: Die Frauen der Solidarność

4. Oktober 2019

19:00 - 21:00
Auf den Spuren von Kropotkin. Vor-Veranstaltung zur Exkursion nach Rüdersdorf

Kropotkins Werdegang über die Eiszeitforschung zum Anarchokommunismus. Sein damaliges Pendant aus dem höheren Adelsstand war hier in Berlin: Ferdinand von Richthofen. Als Geologe erforschte er im Fach Geomorphologie den Löß. Und war zugleich führendes Mitglied in der deutschen Kolonialgesellschaft. Was hat all dies mit der „imperialen Lebensweise“ zu tun? Der innovative „Öko“-Kapitalismus „fährt weiter“, das heißt, Elektromobilität ist jetzt angesagt.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

5. Oktober 2019

13:00 - 18:00
Exkursion nach Rüdersdorf: Kalkstein-Abbau, Zement und Alternativen

Was ist geologisch pikant am Rüdersdorfer Tagebau? Wie wäre es mit alternativen Natur-Baustoffen? Was bedeutet der Begriff: Extraktivismus? Was wäre die Alternative zum E-Mobil? Was lief in Rüdersdorf während des Nazi-Faschismus? Wie wäre es mit einer „glokalen“ Dezentralisierung? Sowohl für die Industrie und Energie, was seinerzeit schon Kropotkin beschrieb. Für einen libertären Kommunalismus!

Ab 13 Uhr S-Bahnhof Friedrichshagen dann mit der Tram 88 weiter bis zur Heinitz-Strasse, weiter zu Fuß zum Museum.
Auch bei Regen dann im Torell-Haus eventuell mit Regenschirm auf Schuster`s Rappen – ab in die ›Pampa‹.

11. Oktober 2019

19:00 - 21:00
30 Jahre telegraph – 30 Jahre linker Journalismus

Das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition wird 30 Jahre alt

Vor 30 Jahren, im Herbst 1989, bedurfte es schnellerer Reaktionen auf täglich neue Ereignisse. Zur Erinnerung: Bis 1989/90 wurde in der DDR laut ihrer Verfassung „Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens… gewährleistet“ (Artikel 27), tatsächlich wurden die Massenmedien durch die SED und die Blockparteien kontrolliert. Als Gegenöffentlichkeit gab es lediglich einige Samisdat-Veröffentlichungen und eine Reihe von „illegalen“ politischen und künstlerischen Publikationen, die Verbreitung war durch technische Möglichkeiten und staatliche Repression be-grenzt.
Als sich die Ereignisse im Herbst 1989 überschlugen, musste ein schnelleres Informations- und Diskussionsmedium her. In Berlin wurden Redakteure verschiedener Oppositionszeitschriften eingeladen, an der neu gegründeten und als Nachfolgezeitschrift der Umweltblätter geltende Zeitschrift telegraph mitzuarbeiten. Die erste Nummer erschien am 10. Oktober 1989. Seitdem sind über 130 Nummern und mehrere Sonderausgaben erschienen. Das wollen wir feiern und wir laden Dich / Euch dazu ein.
Wir sind das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition – und wir werden 30 Jahre alt. Das wollen wir gemeinsam feiern und wir laden Dich / Euch herzlich dazu ein.

Der Veranstalter ist der telegraph.
Das Programm und weiter Infos beim telegraph und im HdDM.

18. Oktober 2019

19:00 - 21:00
Gerhard Bauer: Zum Thema Glück

„Freiheit und Glück!“ so grüßten sich Libertäre und Anarchisten früher, einige tun es heute noch. Was zur Freiheit gehört, haben wir uns schon in mehreren Veranstaltungen vergegenwärtigt, bei Marx und Bakunin, bei Moses Hess, bei Landauer und noch bei heutigen Vorkämpfern der Anarchie. Aber das Glück, lässt sich das ebenso einfach fassen? Lässt es sich definieren? Was gehört dazu, dass wir uns von Glück erfüllt nennen können? Was richtet das Glück mit uns und in uns an?
Wir müssen das Glück nicht zerfasern, aber sichtlich gibt es ein geistliches Glück: „Halleluja“ in den höchsten Tönen, und gibt ein bourgeoises Glück: gelungene Geschäfte und Gemütlichkeit, dazu schon seit Aristoteles (und noch verschärft seit der Stoa) „Selbstgenügsamkeit“. Worin aber bestünde das Glück der vielen heutigen Bewohner dieses Landes und anderer Länder? Gab es Zeiten, in denen es das schon mal gegeben hat? Wie sähe es heute aus, und zwar besonders das kollektive und soziale Glücklichsein? „Glück ist eine Art Mut“, wird einer Schriftstellerin namens Johnson zugeschrieben.
Da ich Philologe bin, liegt es mir nahe, in den Tresoren der schönen Literatur, sagen wir der letzten zwei Jahrhunderte, nachzusehen, wie noch nicht befreite, doch um ihre Befreiung kämpfende Menschen, Publizisten, Poeten sich eine glückliche Menschheit in einer glücklichen Welt vorgestellt haben. Von Büchner und Heine über die ausdauernden „Könige der Landstraßen“ der vorigen Jahrhundertwende, über Erich Mühsam, Oskar Maria Graf, Else Lasker-Schüler bis zu Jurek Becker und Fred Wander haben Literaten selbst in finsteren Zeiten ausgeschaut nach Zuständen haltbaren Glücks. Und haben sich, ihr Denken, ihre Künste eingesetzt, einen solchen Zustand herbeizuführen. Der befreiten Menschheit soll das Glück nicht einfach in den Schoß fallen – erst wenn sie sich definitiv dafür bereit macht, wenn sie ihre Gedanken, ihre Kunst und ihre Künste, ihre Alltagsbemühungen jeden Tag darauf richtet, kann sie hoffen, zusammen mit der Freiheit auch das Glück zu erringen. Intensiv bei sich sein kann Glück bedeuten, aber das haltbarste, das beglückteste Glück stellt sich erst ein, wenn wir es schaffen, es mit anderen zu teilen. „Ausgeteilet erfreut solch Gut, und getauschet, mit Fremden, / Wird’s ein Jubel“ (Hölderlin). Achten wir hier darauf, dass Hölderlin die „Fremden“ als die eigentlichen Adressaten und Tauschpartner des Glücks ansetzt. Seine Meinung ist, dass glückliche Zeiten die Differenz zwischen eigen und „fremd“ überhaupt zum Verschwinden bringen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

25. Oktober 2019

19:00 - 21:00
Dietmar Wolf: Antifa-Gruppen in der DDR

Vor nunmehr drei Jahrzehnten gründeten sich die ersten unabhängigen Antifa-Gruppen in der DDR. Nach dem Angriff von Neonazis auf ein Punk-Konzert in der Berliner Zionskirche und angesichts eines zunehmenden Rassismus war ihr erklärtes Ziel, die Gesellschaft wachzurütteln und Selbstverteidigung zu organisieren.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

1. November 2019

19:00 - 21:00
Klaus Hugler: Wehrerziehung, Wehrdienstverweigerung, Totalverweigerung in der DDR

Es gab, kurzgefasst und auf einen Nenner gebracht, in der DDR nur die Möglichkeiten: „Dienen, bauen oder sitzen?“ Wer sich für einen antimilitaristischen Weg entschied und offen seinen Pazifismus zeigte, der bekam die unerbittlichen Repressionen der Staatsmacht zu spüren, bis zum Gefängnis.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

15. November 2019

19:00 - 21:00
Rolf Cantzen: Esoterische Biotope

Zur Satsang-Szene gehören im deutschsprachigen Raum etwa 200 „spirituelle Meister*innen“ – Tendenz steigend. Sie wollen den Menschen „Advaita“ nahe bringen, ein Einheitserlebnis, einen Zustand jenseits des Denkens und Fühlens, voller Liebe, Harmonie, Frieden und Glück. Der Haken an der Sache: Dieser Zustand kann nicht gezielt herbeigeführt werden. Er ist eigentlich nicht einmal benennbar. Denn Benennungen nimmt der „Mind“ vor, der Verstand, das Denken. Der Mind beurteilt, unterscheidet, kritisiert und erzeugt Zwiespalt. Er ist für alles Unglück verantwortlich. Der Mind ist der Feind. Er ist es auch, der den spirituellen Meister kritisiert.
Rolf Cantzen war in der Satsang-Szene unterwegs und hat Skurriles und Fragwürdiges zu berichten.
Der Autor Rolf Cantzen, geboren 1955, arbeitet als freier Autor und Hörfunkjournalist für das Feature-, Bildungs- und Wissenschaftsprogramm verschiedener Sender. 2014 erschien im Alibri Verlag sein spiritueller Ratgeber „Wiedergeboren werden – aber richtig.“
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

22. November 2019

19:00 - 21:00
Jonathan Eibisch: Das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft. Ein zentrales Spannungsfeldes im Anarchismus

Mit einem bestimmten Schema hat Jonathan Eibisch am Beispiel von zahlreichen anarchistischen Quellentexten untersucht, wie sich das spannungsvolle Verhältnis zwischen Kollektivismus und Individualismus im Anarchismus gestaltet. Wann gilt in diesen Kollektivität als Zwangsgemeinschaft? Welche Form des Individualismus beruht letztendlich nur auf einem bürgerlichen Verständnis?
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Nachtrag: Die Folien des Vortrags Folien des Vortrags wurden als PDF veröffentlicht.

29. November 2019

19:00 - 21:00
Mythos „Leseland DDR“. Subkulturelle Wege zu Wissen und Information unter der Zensur

Auf der Buchmesse in Leipzig zelebrierte sich die DDR als großes offenes Leseland. Dabei scheute man nicht den Systemvergleich mit der BRD und verwies auf beeindruckende Zahlen in den Bereichen: Lesefähigkeit (es gab offiziell keine Analphabeten in der DDR), Lesepensum, Bibliotheksdichte, Buchproduktion usw. Die alltägliche Wirklichkeit war eine ganz andere. Der totalitäre Staat beanspruchte die Denkhoheit über die Köpfe seiner Bürger.
(Erzählung, Vortrag und Diskussion)

30. November 2019

19:00 - 21:00
Maurice Schumann: Berlin – Philosophisch. Ein Reiseführer auf den Spuren der Philosophen

Durch Berlin auf den Spuren der großen Philosophen. Sehen wo sie gelebt hatten und wo sie begraben liegen, an ihre Wirkungsstätten gelangen (z.B. die Humboldt-Universität) und dabei kurzweilig und interessant unterhalten werden – das will dieser Reiseführer. Mit einem guten halben Dutzend Gängen durch Berlin wird der Leser, die Leserin in Schenken, auf Friedhöfe und vor historische Gebäude geführt.


Veranstaltungen 2018

Datum/Zeit Veranstaltung
26/01/2018
19:30 - 20:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung der Bibliothek
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
02/02/2018
20:00 - 22:00
Robert Kain: Otto Weidt - Anarchist und "Gerechter unter den Völkern"
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
23/02/2018
20:00 - 22:00
Anarchismus und Russische Revolution
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
02/03/2018
19:30 - 20:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
17/03/2018
0:00
Das Gehirn, die Gesellschaft und die Freiheit
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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26. Januar 2018

19:30 - 20:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung der Bibliothek

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

2. Februar 2018

20:00 - 22:00
Robert Kain: Otto Weidt – Anarchist und „Gerechter unter den Völkern“

Buchvorstellung durch den Autor

Otto Weidt steht bisher vor allem wegen seiner Hilfe für verfolgte jüdische Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus im Fokus der öffentlichen und historischen Betrachtung. Weniger bekannt ist dagegen ein früheres Kapitel im Leben Weidts: In der Kaiserzeit war er in der anarchistischen Arbeiterbewegung aktiv und wurde von der Politischen Polizei überwacht. Den Ideen und Idealen des Anarchismus blieb er auch in späteren Jahren verbunden. Zeitlebens war er demnach ein strikter Gegner des Militarismus, Nationalismus und staatlicher Bevormundung.
In seiner biographischen Studie nähert sich Robert Kain zunächst dem Anarchisten Weidt. Darüber hinaus werden dessen Militärdienstzeit, Ehen, Scheidungen und auch seine Erblindung um 1924 und der daraus resultierende Weg zum Bürstenmacher beleuchtet. Einen Schwerpunkt der Untersuchung stellen natürlich die Weidt’schen Hilfsaktionen für verfolgte jüdische Mitmenschen zu Beginn der 1940er Jahre dar. Hierbei bewegte sich Weidt in einem weit verzweigten Hilfsnetzwerk für NS-Verfolgte.
(Buchvorstellung durch den Autor, mit Diskussion)

Robert Kain: Otto Weidt. Anarchist und „Gerechter unter den Völkern“. Lukas Verlag, Berlin 2017. ISBN 978-3-86732-271-3. Ausgezeichnet von der Bibliothek der Freien als Buch des Jahres 2017

23. Februar 2018

20:00 - 22:00
Anarchismus und Russische Revolution

Vorstellung einer Neuerscheinung

Der 2017 von Philippe Kellermann herausgegebene Sammelband „Anarchismus und Russische Revolution“ hat zwei thematische Schwerpunkte: die Rolle der russischen anarchistischen Bewegung vor, während und nach der Revolution, und zum anderen die Reaktionen von Libertären in anderen Ländern (u.a. in Italien, der Schweiz, in Frankreich und Deutschland) auf die revolutionären Ereignisse in Russland. Exemplarisch werden die Wirrnisse von Fritz Brupbacher und Erich Mühsam herausgearbeitet, die sich erst spät vom „Roten Oktoberhimmel“ befreiten, während zum Beispiel Errico Malatesta und Rudolf Rocker relativ schnell Lenins Manipulation der Forderung „Alle Macht den Räten“ erkannten. Das Buch bietet eine spannende Lektüre, aus historischer und aktueller Sicht, und kann vermitteln, wie eine Revolution nicht gemacht wird.
(Buchvorstellung mit Diskussion)

Anarchismus und Russische Revolution. Hrsg. von Philippe Kellermann. Karl Dietz Verlag, Berlin 2017. ISBN: 978-3-320-02328-7. Ausgezeichnet von der Bibliothek der Freien als Buch des Jahres 2017.

2. März 2018

19:30 - 20:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

17. März 2018

0:00
Das Gehirn, die Gesellschaft und die Freiheit

Libertäre Perspektiven auf die Gehirnforschung

Wie frei kann der Mensch, wie frei kann die Gesellschaft sein? Fragen, die nicht nur den Anarchismus umtreiben, sondern auch die Wissenschaften des 21. Jahrhunderts. Die Gehirnforschung untersucht unter anderem mit bildgebenden Verfahren und theoretischen Arbeiten den Zusammenhang von Denken, Fühlen und Wollen mit der Organisation von Nervenzellen und ihrer elektrochemischen Verschaltung im Gesamtgefüge des Körpers. Damit konfrontiert sie gesellschaftliche Konventionen wie den „freien Willen“ und die „Verantwortung des/r Einzelnen“. Auch für Libertäre stellt sich die Frage nach der wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Ziele von Befreiung und herrschaftsloser Gesellschaft. Im Workshop sollen einige Ergebnisse der aktuellen Forschung und der Philosophie des Geistes („Philosophy of Mind“) vorgestellt und unter anarchistischen Gesichtspunkten diskutiert werden.

13. April 2018

20:00 - 22:00
Gerhard Bauer: Der Expressionist Ernst Toller und seine anarchistischen Facetten

Ernst Toller (1893-1939) war von Beginn an in guten Händen: Mit Gustav Landauer hat er korrespondiert, Kurt Eisner ist er nach München gefolgt. Die Münchner Räterepublik hatte keine Zeit für geduldigen Anarchismus, doch in fünf Jahren strenger Festungshaft konnte er ergründen, woran es der Räterepublik gefehlt hatte, an Selbstkritik der Revolutionäre, kritischer Prüfung jedes Schritts der Revolution. Als er endlich freigelassen wurde, war in Deutschland die Zeit für den Anarchismus abgelaufen. Seine Aufrufe und Aufrüttelungen brachten sie auch nicht wieder zurück, daran ist er, als noch das Exil dazu kam, zerbrochen. Sein höchst eigenwilliges anarchistisches Programm „Freiheit – Friede – Glück – Verantwortung – Schönheit“ ist dennoch der Beachtung wert.
(Vortrag mit Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht:  Der Expressionist Ernst Toller. Wie tauglich zum Anarchisten?

4. Mai 2018

20:30 - 21:30
Bibliothek der Freien. Vorstellung des Projekts

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

18. Mai 2018

21:00 - 23:00
Für eine libertäre Perspektiv-Diskussion

Weder der Turbo-Digital-Kapitalismus noch die kommunistische Diktatur über das Proletariat können heute eine Zukunftsvision sein, humane Utopien als Inspirationsquelle für politisches Handeln sind ohnehin rar, das kurdische Selbstverwaltungs-Projekt in Rojava ist militärisch und geostrategisch in Bedrängnis, Rechtspopulisten in den USA und Europa sind auf dem Vormarsch – kein Wunder, dass sich in der Linken Orientierungs- und Ratlosigkeit breitmacht.
Dabei gibt es anarchistische Zukunftsentwürfe, die eine nähere Betrachtung wert sind und einen radikalen Umbau unserer politischen und ökonomischen Verhältnisse mit einem emanzipatorischen Gesellschaftskonzept verbinden. Im Rahmen der Veranstaltung sollen zukunftsträchtige Diskussionsbeträge von Murray Bookchin, André Gorz und Carlos Taibo vorgestellt werden, die neue libertäre Perspektiven eröffnen können.
(Vortrag mit Diskussion)

25. Mai 2018

21:00 - 23:00
Thomas Weiß: Parecon – Das Konzept einer herrschaftsfreien Wirtschaft von Michael Albert

Viele kritisieren den Kapitalismus, aber wie könnte eine Alternative aussehen? Der kanadische Anarchist Michael Albert hat mit Parecon („participatory economy“, dt. partizipatorische Ökonomie) einen Entwurf verfasst und teilweise schon in die Praxis umgesetzt, wie herrschaftsfreies Wirtschaften aussehen könnte. Wer produziert wieviel und wie lange? Wer bestimmt über unseren Konsum? Ökologisches Wirtschaften, kann das funktionieren? Was passiert bei Interessenkonflikten? Wie geht Parecon vor, um die Wirtschaft „von unten“, demokratisch, über Räte- oder genossenschaftliche Strukturen, über Debatten und Verhandlungen herrschaftsfrei zu organisieren?
(Vortrag mit Diskussion)

22. Juni 2018

21:00 - 23:00
Marie Lührs: Milly Witkop-Rocker und Emma Goldman

Eine feministisch-jüdische „Wahlverwandtschaft“?

In den Biografien von Goldman und Witkop-Rocker lassen sich auf den ersten Blick viele Verbindungen finden: Beide stammten aus jüdischen Communities in Osteuropa, machten die Erfahrung früher (selbständiger) Migration und waren in jungen Jahren bereits zu Lohnarbeit gezwungen. Zudem waren sie internationalistisch, feministisch und vor allem anarchistisch. Inspiriert von Studien zu Gustav Landauer und Erich Mühsam, sollen die Ergebnisse vergleichender biographischer Forschung im Fall von Goldman und Witkop-Rocker vorgestellt werden.
(Vortrag mit Diskussion)

7. September 2018

21:00 - 23:00
“Wenn Du die Freiheit erkämpfen willst, mußt Du auch gefaßt sein, Dich dafür töten zu lassen.”

Berthold Cahn (1871-1938) – ein Leben für den Anarchismus

Cahn gehörte zu den beliebtesten Rednern bei anarchistischen Gruppen und Saalveranstaltungen in Berlin. Er war ein erbitterter Gegner des Krieges und des aufkommenden Nationalsozialismus und stand mit Emma Goldman und Rudolf Rocker auf der Rednertribüne – doch heute ist er kaum mehr dem Namen nach bekannt. Für seine anarchistische Bildungsarbeit musste Cahn lange Zeiten von Arbeitslosigkeit und zahlreiche Haftstrafen in Kauf nehmen, zeitweise lebte er am Existenzminimum. Er referierte für die FAUD, für die „Föderation kommunistischer Anarchisten“ oder die „Anarchistische Vereinigung“ um Erich Mühsam und wurde wie kaum ein anderer von allen Strömungen geschätzt. Höchste Zeit also für eine Wiederentdeckung – und für einen Stolperstein, denn Cahn wurde im Zuge der Pogromnacht am 9. November 1938 im Konzentrationslager von den Nationalsozialisten ermordet.
(Vortrag mit Diskussion)

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Gustav Landauer Denkmalinitiative. Vier Tage vor der Veranstaltung: Verlegung des Stolpersteins für Berthold Cahn durch den Kölner Künstler Gunter Demnig am Montag, 3. September 2018, um 11.30 Uhr an der Ecke Wadzekstraße / Alex-Wedding-Straße (nahe Alexanderplatz).

14. September 2018

21:00 - 23:00
Nick Brauns: Öcalans ‚Demokratischer Konföderalismus‘ – ein kurdischer Anarchismus?

An dem Ziel, eine freie Gesellschaft zu schaffen, sind sowohl der Realsozialismus als auch nationale Befreiungsbewegungen gescheitert. Vor diesem Hintergrund hat die einstmals marxistisch-leninistisch geprägte kurdische Freiheitsbewegung einen radikalen Wandel vollzogen: Statt der Errichtung eines sozialistischen Nationalstaates wird heute eine auf Rätestrukturen beruhende Selbstverwaltung angestrebt, die auf den Aufbau einer basisorientierten, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft abzielt.
Der inhaftierte Vordenker der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan ließ sich bei der Entwicklung des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ vor allem von den Konzepten des US-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin leiten, der klassische libertäre Ideen mit modernen Ansätzen eines ökologischen Kommunalismus verbunden hat. Diese Bezugnahme hat die Frage nach der anarchistischen Dimension des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ aufgeworfen. Der Referent Nick Brauns ist Historiker und Mitautor des Buches „PKK – Perspektiven des kurdischen Freiheitskampfes“. Neben theoretischen Aspekten des ‚Demokratischen Konföderalismus‘ wird er beleuchten, wie im Windschatten von Krieg und Bürgerkrieg in Nordsyrien (Rojava) versucht wird, diese Ideen in die Praxis umzusetzen.
(Vortrag mit Diskussion)

21. September 2018

21:00 - 23:00
Olaf Briese: Mit Männerkleidern und Zigarre. Die Anarchafeministin Louise Aston (1814-1871)

Louise Aston war eine frühe Berliner Anarchistin. Auf dem Höhepunkt ihres Wirkens (ca. 1845-1850) war der Anarchismus zwar als Begriff für eine politische Strömung noch unbekannt, dennoch kann sie gleich in zweifacher Hinsicht dem anarchoiden Spektrum zugerechnet werden: zum einen inhaltlich – in Romanen und einer libertären Programmschrift lehnte sie die Institution Ehe scharf ab, trat für Frauenemanzipation und Atheismus ein – zum andern praktisch: sie nahm Zigarre rauchend und in Männerkleidern an den Happenings der Berliner „Freien“ teil und wurde deshalb 1846 von der Polizei aus Berlin ausgewiesen. Der Vortrag stellt Leben und Werk dieser ungewöhnlichen Frau vor und weitet in einem Ausblick die Perspektive auf andere Vertreterinnen des Anarchafeminismus wie Louise Michel und Emma Goldman.
(Vortrag mit Diskussion)

28. September 2018

0:00
Perspektiven: Fotografien & Fragmente zu Revolution und Krieg in Spanien 1936-1939

Kuratorium: Ausstellungsgruppe „Tragödie der Freiheit“ und Hausverein Haus der Demokratie
Ort: Haus der Demokratie, 1. Hof, Erdgeschoss

5. Oktober 2018

21:00 - 23:00
Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg: Jaroslav Hašek – Anarchist, Biertrinker und Schriftsteller

Vorstellung einer Neuerscheinung durch die Autoren

Der Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ gehört zur Weltliteratur – sein Schöpfer, der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek (1883-1923), ist dagegen kaum bekannt. Er war zeitweise Anarchist, politischer Agitator und Gründer der „Partei für den gemäßigten Fortschritt im Rahmen des Gesetzes“, einer burlesken Protest-Partei, die wesentliche Elemente des Polit-Happenings vorwegnahm. Hašek schrieb zahllose Satiren und Kurzgeschichten und betrieb ein „kynologisches Institut“: erfundene Hunderassen mit fiktivem Stammbaum und gefärbtem Fell führten sowohl Zoologen wie wohlhabende Käufer aufs Glatteis. Im Ersten Weltkrieg wechselte er mehrmals das Lager und wurde zweimal zum Tode verurteilt – zurück in Prag schrieb er schließlich desillusioniert seinen „Schwejk“. Die von ihm beschriebene Großmäuligkeit der Herrschenden und ihre verkorksten Versuche ideologischer Sinnstiftung kennen wir bis heute – Hašek zerlegte sie höchst unterhaltsam und mit literarischer Souveränität, selbst dann, wenn die Verhältnisse ihn auszulöschen drohten.
(Buchvorstellung mit Diskussion)

Rolf Cantzen und Bodo Dringenberg: Biere, Tiere, Anarchie. Jaroslav Hašek – mehr als Schwejk. Launenweber Verlag, Köln 2018, 173 S., 22 EUR, ISBN 978-3-9817920-9-6

12. Oktober 2018

20:30 - 21:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.

30. Oktober 2018

20:00 - 22:00
Lou Marin: Im Kampf gegen die Tyrannei. Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften

Vorstellung einer Neuerscheinung durch den Co-Herausgeber

Die Kriege im Nahen Osten und in der afrikanischen Sahelzone treffen vor allem ZivilistInnen und zwingen Millionen von Menschen zur Flucht. Viele Medien stellen nur die bewaffneten Militärs und Milizen als Handelnde dar, denen eine angeblich passive, ihnen ausgelieferte Bevölkerung gegenübersteht. Dieses Bild lässt jedoch in Vergessenheit geraten, dass in den arabischen Aufständen des Jahres 2011 Militärdiktaturen auf gewaltfreie Weise gestürzt oder ins Wanken gebracht worden sind.
Das neu erschienene Buch über gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabisch-islamischen Ländern hat zwei Schwerpunkte: zum einen die syrische gewaltfreie Massenbewegung während der Jahre 2011 bis 2013 u.a. mit einer Darstellung der Freien Frauen Darayyas, des Mazaya-Frauenzentrums und des Einflusses des Anarchisten Omar Aziz auf die entstehende Rätebewegung in Stadtteilen und ganzen Regionen Syriens – diese sozialrevolutionären Ansätze wurden durch die Gründung der Freien Syrischen Armee (FSA), neue islamistische Tyranneien sowie Interventionskriege vernichtet. Den zweiten Schwerpunkt bildet die gewaltfreie Massenbewegung im Sudan von 1983 bis 1985. Sie wurde wesentlich durch den Sufi, Antikolonialisten und libertären Interpreten des Koran, Mahmud Taha, und seine Organisation Republikanische Brüder geprägt. Taha entwickelte ein föderalistisches Konzept, das den Krieg zwischen Nord- und Südsudan und den späteren Massenmord in Darfur hätte verhindern können. 1985 wurde er als „Ketzer“ hingerichtet.
(Buchvorstellung mit Diskussion)

Im Kampf gegen die Tyrannei. Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften. Der zivile Widerstand in Syrien 2011-2013 und die „Republikanischen Brüder“ im Sudan 1983-1985. Hrsg. von Guillaume Gamblin, Pierre Sommermeyer und Lou Marin. Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg 2018. 144 S., 13,90 EUR, ISBN 978-3-939045-34-2

16. November 2018

20:00 - 22:00
Aufstieg und Niedergang der Räte-Bewegung

Hundert Jahre Novemberrevolution 1918

Der 100. Jahrestag der Novemberrevolution bietet Anlass zu kritischer Reflexion und Erinnerung. Als Einstieg dient Pliviers dokumentarischer Roman ‚Der Kaiser ging, die Generäle blieben‘, in welchem der Ablauf der Ereignisse aus Sicht eines anarchistischen Matrosen geschildert wird. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht jedoch die Entwicklung der Arbeiter- und Soldaten-Räte, die einen Ausweg aus der Sackgasse sozialdemokratischer und kommunistischer Organisations-Konzepte boten. Warum sind die Räte dennoch gescheitert? Wurden sie verraten? Die Räte-Idee ist orthodoxen Linken bis heute ein Rätsel und Ärgernis geblieben – dabei ist es überaus lohnend, das historisch wie aktuell brisante Thema näher in Augenschein zu nehmen.
(Vortrag mit Diskussion)

23. November 2018

20:00 - 21:00
Günter Gempp: Freiheit und Wahrheit!

Anarchismus und die Bedeutung der Wahrheit

Wie wa(h)r es doch gleich? Die Geschichte ist voller Fragen und Behauptungen, oft wird sie uns als schier undurchdringlicher Wust  überliefert, verzerrt durch Angst, Scham, Interessen und Machtansprüche. Die Wahrheit ist oft darunter verschüttet und um sie zu bergen ist Neugier, Mut und Gerechtigkeitssinn nötig. Widerstand gegen Unmenschlichkeit ist stets mit der Frage nach Wahrheit verbunden – Täuschung, Lüge, Verharmlosung, „FakeNews“ usw. sind dagegen oft Fortsetzungen von Macht und Gewalt. Anarchismus und Wahrheit verlangen gleichermaßen nach Wissen und Entscheidungsfähigkeit, nach Überzeugungen und Werten, geprüft am Maßstab dessen, was wir über die Welt um uns herum wissen. Günter Gempp geht in seinem Vortrag von seiner eigenen Geschichte aus und wird unter anderem zeigen, dass Anarchismus als Idee und Praxis von Freiheit und Gerechtigkeit eine authentische, an Wahrheit und Wahrhaftigkeit orientierte Kommunikation erfordert. Er verknüpft dabei die philosophische Darstellung mit ethnologischen und historischen wie auch mit selbst erlebten Beispielen, wozu auch alle anderen Anwesenden eingeladen sind.
(Vortrag mit Diskussion)

7. Dezember 2018

20:00 - 22:00
Die Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin)

Projektvorstellung

Am 2. Mai 1919 wurde der Schriftsteller, Übersetzer, (Anti-)Politiker und libertäre Sozialist Gustav Landauer bei seiner Einlieferung ins Gefängnis Stadelheim (München) von Soldaten brutal ermordet. Die Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin) wurde im Januar 2015 gegründet; bis zu seinem 100. Todestag am 2. Mai 2019 will sie in Berlin – der über viele Jahre wichtigsten Stätte seines Wirkens – einen Ort schaffen, der an Landauer und die libertäre Bewegung seiner Zeit öffentlich und gut sichtbar erinnert. Zu diesem Zweck soll am 1. Mai 2019 in zentraler Lage ein Denkmal eingeweiht und so eine dauerhafte Markierung in der Erinnerungstopographie Berlins realisiert werden.

14. Dezember 2018

19:30 - 20:30
Bibliothek der Freien: Vorstellung des Projekts

Ein Mitarbeiter gibt allen Interessierten einen Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien usw.


Veranstaltungen 2017

Datum/Zeit Veranstaltung
20/01/2017
20:00 - 22:00
Beyond the red lines – Jenseits der roten Linien: Systemwandel statt Klimawandel
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
11/02/2017
0:00
Subversive Schätze von Edgar Bauer und Bakunin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
10/03/2017
20:00 - 22:00
1917–2017: 100 Jahre Russische Revolution
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
08/04/2017
16:00
Systemwandel statt Klimawandel
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/04/2017
20:00 - 22:00
Augustin Souchy
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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20. Januar 2017

20:00 - 22:00
Beyond the red lines – Jenseits der roten Linien: Systemwandel statt Klimawandel

Filmvorführung zu den Klimakämpfen mit Einführung und Diskussion

„Ob im rheinischen Braunkohlegebiet, am Hafen von Amsterdam oder auf den Straßen von Paris während des Weltklimagipfels, die Kämpfe für Klimagerechtigkeit werden an immer mehr Fronten geführt. Beyond the red lines (Jenseits der roten Linien) ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung, die ,Es reicht! Ende Gelände!‘ sagt, zivilen Ungehorsam leistet und die Transformation hin zu einer klimagerechten Gesellschaft selber in die Hand nimmt“ (aus der Filmbeschreibung).

Sind die Kämpfe für Klimagerechtigkeit ein neuer Impuls und ein neuer Ansatz in der anarchistischen Geschichte der Ideen und des Handelns? Dieser Dokumentarfilm inspiriert dazu, den Begriff „Utopie“ wieder positiv zu besetzen. Manche der Diskussionen der Aktiven erinnern an Theorie und Praxis des US-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin (1921-2006) und an seine Suche nach einer „Ökologie der Freiheit“. Der Film vertritt nur indirekt eine libertäre Position, dennoch ist er spannend zu sehen und eine lebendige Diskussion wert.
Vorweg gibt es einen einführenden Kurzvortrag zu Themen wie: Dezentrale Kraftwerke global und lokal – statt umweltzerstörender Atom-und Kohlekraftwerke, Lehm- und Holzhäuser – statt profitabler Betonburgen. (Filmvorführung mit Einführung und Diskussion)

11. Februar 2017

0:00
Subversive Schätze von Edgar Bauer und Bakunin

Ein Workshop aus der Reihe über hochkarätige anarchistische Bücher

Die anarchistische Literatur ist eine unermessliche Inspirationsquelle. Zum Ärger von Kleingeistern und Dogmatikern sind zahllose anarchistische Werke aktuell geblieben und bis heute in der Lage, neue Horizonte zu eröffnen. Libertäre aus vergangenen Zeiten haben damit Fundamente emanzipatorischen Denkens geschaffen, auf denen wir stehen, und ein Reflexions-Niveau erreicht, von dem wir nur profitieren können. Zwei dieser Schätze wollen wir in dem Workshop vorstellen und für heute nutzbar machen:

  • Edgar Bauers ‚Der Streit der Kritik mit Kirche und Staat‘
  • Bakunins ‚Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus‘

Begrenzte Anzahl von Plätzen. Anmeldung per E-Mail bis 3. Februar: workshop[at]bibliothekderfreien.de Die organisatorischen Details werden mit der Anmeldebestätigung übersandt. Die Teilnahme ist kostenfrei

10. März 2017

20:00 - 22:00
1917–2017: 100 Jahre Russische Revolution

Ein Versuch über libertäre Geschichte und aktuelle Erkenntnisse

Schon Michail Bakunin prophezeite im Streit mit den MarxistInnen seiner Zeit die üblen Folgen eines autoritären „Sozialismus“. Zeitzeugen der Russischen Revolution beobachteten später die neue „Sowjetgesellschaft“, so Emma Goldman, Alexander Berkman, Volin, Augustin Souchy und Rudolf Rocker.
1920 schon verfasste Rudolf Rocker seine Broschüre „Der Bankerott des russischen Staatskommunismus“. Was wurde aus der Forderung „alle Macht den Räten“ im kommunistischen Staat? Wieso kam es im Frühjahr 1920 in Petrograd zu einem heimlichen Treffen der AnarchistInnen? Weshalb schrieb Berkman im französischen Exil ein Buch mit dem Titel „Der Bolschewistische Mythos“? Der Vortrag bietet eine kompakte Darstellung brisanter Wahrheiten rund um die Revolution in Russland, aus denen auch heute noch zu lernen ist. (Vortrag und Diskussion)

8. April 2017

16:00
Systemwandel statt Klimawandel

Workshop zum Film „Beyond the red lines“

Nachdem wir im Januar den Film „Beyond the red lines“ in der Bibliothek gezeigt haben, soll nun im Rahmen eines Workshops profunder auf die Thematik eingegangen werden. Dabei werden unter anderem folgende Themenbereiche eine Rolle spielen: Gefahren des Öko-Kapitalismus – Grundlagen eines anarchistischen Rätemodells (lokal und global), das den Kapitalismus überwinden kann – technologische Lösungen für eine sozial-ökologische Anarchie – wie ein Solarherd in der Nacht funktioniert – Kombination aus Stirlingmotor, Windanlagen und Biogas für ein dezentrales Energiemanagement – wie die Kugel-Lager „länger laufen lernten“ und vieles mehr.

28. April 2017

20:00 - 22:00
Augustin Souchy

Anarchistischer Sozialismus

Der deutsche Anarchosyndikalist Augustin Souchy (1892-1984), der sich selbst als „Student der Revolution“ bezeichnete, war in vielen Ländern aktiv. 1939 erlebte er die Niederlage der spanischen Revolution, Anfang der 1960er Jahre bereiste er Cuba: „Leider enden auch siegreiche Befreiungsrevolutionen oft mit einem neuen Unterdrückungsregime, wie die Geschichte von Robespierre bis Fidel Castro lehrt.“ Im Aufbruch-Jahr 1968 sah Souchy, wie sich die verbürgerlichten Kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien gegen die Revolution wandten und wie die Mehrheit der Arbeiter_innen eher vom Konsumismus als vom Kommunismus träumte. Trotzdem hielt er an einem revolutionären Emanzipations-Ideal fest: Selbstverwaltung statt Kommandowirtschaft, anarchistische Rätestruktur statt Verstaatlichung und Monopol-Partei. Souchy empfahl, sich kritisch mit den Revolutionen des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen, denn diese können uns „zur Lehre dienen, um Irrtümer zu vermeiden, Fehler zu unterlassen und neue Wege zu beschreiten.“ (Vortrag mit Diskussion)

12. Mai 2017

20:00 - 22:00
Europa zwischen Totalitarismus und Demokratie

Vor 80 Jahren wurde Camillo Berneri in Barcelona von der kommunistischen Geheimpolizei ermordet.

Im zweiten Jahr des Spanischen Bürgerkriegs nahmen die Spannungen innerhalb des antifaschistischen Lagers rasant zu und erreichten während der „Maitage“ (1937) vor 80 Jahren ihren Höhepunkt: Die bewaffneten Zusammenstöße in Barcelona zwischen kommunistischen und anarchistischen Einheiten markieren dabei ein einschneidendes Ereignis in der Linken Geschichte: Antifaschisten töten Antifaschisten. Mit der Durchsetzung des kommunistischen Machtanspruchs wurde die Soziale Revolution und der Verteidigungswillen der Spanischen Republik gebrochen. Der Sieg Francos war nur noch eine Frage der Zeit, Hitler und Stalin gingen als Sieger aus dem Spanien-Konflikt hervor.

Camillo Berneri (1897-1937) war ein scharfsinniger Beobachter dieser Entwicklung. Er hatte bereits in Italien gegen den aufkommenden Faschismus gekämpft, floh ins französische Exil und eilte nach Spanien, als 1936 die Revolution ausbrach. Er kämpfte mit der Waffe an der Aragon-Front und mit der Schreibmaschine für die Ideen der Sozialen Revolution und gegen die Stalinisierung des Antifaschismus. Während der Maitage 1937 wurde Berneri, der intellektuelle und organisatorische Kopf der kämpfenden italienischen Anarchisten in Spanien, von einem kommunistischen Todeskommando aus seiner Wohnung entführt und zusammen mit seinem Genossen Francesco Barbieri erschossen. Mit der Veranstaltung wollen wir an Berneri als aufrechten hellsichtigen Revolutionär erinnern, dessen Schriften noch heute lesens- und nachdenkenswert sind. (Vortrag und Diskussion)

19. Mai 2017

20:00 - 22:00
Dominique Miething: »Unser Wille zur Macht werde Protest gegen alle Formen der Unterdrückung …«

Zur Rezeption von Friedrich Nietzsche im Anarchismus Vorstellung einer Neuerscheinung.

Als der libertäre Arzt Fritz Brupbacher (1874-1945) den im Titel genannten Aufruf 1943 formulierte, war es bereits zu spät. Totalitäre Herrschaftsformen hatten sich um seine schweizerische Heimat herum etabliert. Bedrückt von diesem Zustand verfasste Brupbacher Dutzende Aphorismen, in denen er versuchte, psychologische Mechanismen zu beschreiben, mit denen Menschen in Zukunft dem Autoritarismus widerstehen könnten. Dabei berief er sich auch auf den Gedanken vom „Willen zur Macht“ aus der Philosophie Nietzsches, ebenso wie es vor ihm viele andere Anarchistinnen und Anarchisten aus Brupbachers Generation getan hatten. (Buchvorstellung durch den Autor)

Dominique F. Miething: Anarchistische Deutungen der Philosophie Friedrich Nietzsches. Deutschland, Großbritannien, USA (1890-1947). Nomos, Baden-Baden 2016, 533 S., 99 EUR, ISBN 978-3-8487-3711-6

16. Juni 2017

20:00 - 22:00
Jonathan Eibisch: Wozu Postanarchismus?

Neues zur anarchistischen Theorieentwicklung

Seit den 2000ern wird vor allem im englischsprachigen Raum systematisch eine Verbindung zwischen poststrukturalistischem Denken und anarchistischen Gesellschaftstheorien betrieben, die langsam aber stetig vorangebracht wird. Schnittpunkte wurden von Anarchist_innen gleichwohl schon viel früher ausgemacht, wobei die Erneuerung des Anarchismus eine Infragestellung seiner klassischen Annahmen beinhaltet – dies betrifft beispielsweise Menschenbilder, Ideen der Aufklärung oder das Geschichtsverständnis. Postanarchismus beschreibt jedoch keine „neue“ anarchistische Strömung, sondern stellt einen Versuch zur Selbstreflexion dar. Der Vortrag führt in postanarchistische Grundgedanken ein, um ihre Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die postanarchistische Perspektive wird insbesondere anhand der Begriffe Subjekt, Widerstand, Emanzipation, Staat, Hegemonie und (Anti-)Politik entfaltet, um sie anschließend gemeinsam zu diskutieren. (Vortrag mit Diskussion)

17. Juni 2017

20:00 - 22:00
Anarchistisches Radio Berlin

Ist Utopie kommunizierbar? Oder warum reden wir nur darüber, wie schlecht es überall läuft? Das Anarchistische Radio Berlin stellt sich und seine Arbeit vor und diskutiert mit euch über Anarchie, Medienwandel und Revolution. (Vorstellung und Diskussion)

24. Juni 2017

15:00 - 18:00
Sichere E-Mailkommunikation

Workshop zur E-Mailverschlüsselung mit PGP für Einsteiger

Pretty Good Privacy (PGP) ist der Standard zur E-Mailverschlüsselung schlechthin. Im Jahr 1991 entwickelt, hat er den Test der Zeit bis heute bestanden, gerade im Bereich der Kryptographie eine nicht zu unterschätzende Leistung. Im Rahmen des Workshops werden kurz die zugrunde liegenden Prinzipien erklärt, hauptsächlich soll es aber um die PGP-Einrichtung und dann um das verschlüsselte Kommunizieren selbst gehen. Wir sind auf Windows und Linux vorbereitet, bringt eure Laptops und Kuchen oder Kekse mit! Einen Windows-Laptop stellen wir zur Verfügung, Kaffee und Tee haben wir vor Ort.

25. Juni 2017

0:00
Anarchismus heute – Forschungsansätze und -innovationen „Anarchismus in den Terrorist Studies“ von Hartmut Rübner

Workshop zu einem bemerkenswerten Text

Im Jahre 2014 entwickelte sich – weitgehend unbemerkt in Europa – eine Diskussion unter US-Historikern, ob es eine Parallele zwischen Strömungen im historischen Anarchismus und dem religiös motivierten Terrorismus von heute gebe. Die Hypothese blieb letztlich unbegründet, die Debatte förderte aber interessante Details zur Anarchismusforschung zutage, die auf dem Workshop diskutiert werden sollen.
Freier Download: Rübner- Anarchismus in den „Terrorist Studies“

Anmeldung per E-Mail bis 16. Juni: workshop[at]bibliothekderfreien.de Die organisatorischen Details werden mit der Anmeldebestätigung übersandt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

1. Juli 2017

20:00 - 22:00
66 Jahre bis zur Anarchie

Die Vorgeschichte der spanischen Revolution 1936

Über den Anarchismus während des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) liegen zahlreiche Darstellungen vor – seltener wird jedoch an die 66jährige Vorgeschichte und die kulturelle Verwurzelung der libertären Ideen in Spanien erinnert, obwohl ohne diese die Soziale Revolution 1936 nicht denkbar gewesen wäre. Der Zeitraum von 1900 bis Februar 1936 steht daher im Zentrum des Vortrags, der folgenden Fragen nachgeht: Wie kam es zur Gründung der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT 1910 und der Federación Anarquista Ibérica (FAI) 1927? Worin bestand die Massenbasis der CNT? Weshalb zählte Andalusien zu den Zentren des Agrar-Anarchismus? Warum wurde Katalonien zur Hochburg der CNT? Weshalb gab es in der spanischen Arbeiter*innenbewegung eine sozialdemokratisch orientierte Gewerkschaft (UGT) aber keine Arbeiter-Aristokratie? Wie kam es, dass die CNT den Wahlboykott propagierte, im Februar 1936 aber die Wahl der Volksfront ermöglichte? Welche Gegensätze bestanden zwischen der deutschen und spanischen Arbeiter*innen-Bewegung? (Vortrag mit Diskussion)

4. Juli 2017

19:00 - 21:00
„Kein Gott, kein Herr!“ Eine Geschichte der Anarchie

Ein ARTE-Dokumentarfilm von Tancrède Ramonet

Auf zahlreiche Original-Dokumente wie Wochenschauen, Fotos und Zeitungen gestützt, erzählt Tancrède Ramonet die spannende Geschichte der anarchistischen Ideen von ihren Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg. Eine reich bebilderte Zeitreise von Proudhon über die mexikanische Revolution bis zu Durruti im Spanischen Bürgerkrieg. Das historische Fresko reicht von Russland und Japan über Spanien und die USA bis nach Frankreich und Argentinien und hat seit der deutschen Erstausstrahlung im April 2017 vielfaches Echo in der Öffentlichkeit gefunden. Nach dem Film sollen die Ergebnisse und Grenzen der Darstellung diskutiert werden.
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Bibliothek der Freien mit dem Lichtblick-Kino (Filmvorführung mit Diskussion)

F 2016. Zweiteiliger Dokumentarfilm, 142 min. Regie: Tancrède Ramonet
Veranstaltungsort: Lichtblick-Kino, Kastanienallee 77, 10435 Berlin (Prenzlauer Berg)
Eintritt: 7 € (5,50 €) | Ticket-VVK

8. September 2017

20:00 - 22:00
Köbis, Reichpietsch und die Matrosenrevolte 1917

Zwei vergessene Sozialrevolutionäre – erschossen am 5. September 1917

Albin Köbis und Max Reichpietsch arbeiteten als Heizer und Matrose auf Linienschiffen der deutschen Kriegsflotte. Im Sommer 1917 koordinierten sie diverse Anti-Kriegs-Aktionen wie Sabotage und Befehlsverweigerung in der Marine. Sie wurden verhaftet, als “Rädelsführer” der Matrosenrevolte zum Tode verurteilt und am 5. September 1917 hingerichtet – ihre Rebellion blieb aber lebendig und bereitete ein Jahr später der Novemberrevolution 1918 den Weg. In den Folgejahren galten Köbis und Reichpietsch als revolutionäre Symbolfiguren: Ernst Tollers Drama ‘Feuer aus dem Kessel’ ist ihnen ebenso gewidmet wie Pliviers erster Roman ‘Des Kaisers Kuli’. In der DDR wurde das Andenken der beiden Sozialrevolutionäre dann instrumentalisiert: Die Namen der beiden Kriegsgegner zierten DDR-Kriegsschiffe und -Kasernen. Wer waren Köbis und Reichpietsch, die mitten im Ersten Weltkrieg den Mut hatten, gegen die Kriegsmaschinerie aufzustehen? Was waren die Auslöser, die zur ersten Matrosenrevolte in der Kaiserlichen Marine führten? Im Rahmen der Veranstaltung soll ein authentischer Blick hinter die brüchigen Geschichtskulissen geworfen werden. (Vortrag mit Diskussion)

27. Oktober 2017

20:00 - 22:00
Olaf Briese: Anarchismus im 21. Jahrhundert

Ausgewählte Probleme und Perspektiven

Anarchismus führt als theoretische Strömung ein Schattendasein – allerdings nur im deutschsprachigen Raum und nur was die akademische Sphäre betrifft. International gesehen gibt es rege Forschungsdiskussionen, hierzulande konzentriert sich der Diskurs auf den außerinstitutionellen Bereich. Der Vortrag zeichnet ausgewählte Debattenschwerpunkte der letzten zwei Jahrzehnte nach, arbeitet heraus, inwiefern sich neue Entwicklungen ergeben haben, und macht binnenanarchistische Streitpunkte kenntlich (unter anderem zu Begriffsbesetzung; Religion; Utopie). Insbesondere verdeutlicht er den Unterschied zwischen ‘klassischen’ und ‘modernen’ Anarchismen und hebt hervor, wie sich letztere nicht mehr nur auf Staatskritik konzentrieren, sondern in erweiterter Perspektive auf Herrschaftskritik. (Vortrag mit Diskussion)

3. November 2017

21:00 - 23:00
Kropotkin und die Imperiale Lebensweise

Im Frühjahr 2017 erschien das Buch “Imperiale Lebensweise” von Ulrich Brand und Markus Wissen, in dem die zerstörerische Wirkung des modernen Kolonialismus beleuchtet wird, die Ausbeutung ökologischer und sozialer Ressourcen des Südens zugunsten unseres Lebensstandards. An dieser Situation hat auch eine “ökologische” Politik nichts geändert, zu der sich inzwischen alle Parteien bekennen – der Kapitalismus hat sich bereits bestens damit arrangiert. Die Autoren des Buchs “Imperiale Lebensweise” plädieren daher für einen radikalen Umbau unserer politischen und ökonomischen Verhältnisse und knüpfen mit ihren Thesen an eine Ideentradition an, die mehr als hundert Jahre alt ist: Kropotkins Vision eines ökologischen Anarchismus. Er entwickelte bereits 1899 seine Vision von Kleinbetrieben inmitten von Feldern, getragen von emanzipatorischen Gemeinschaftsformen. Lange Zeit verketzert, erweisen sich ökologisch-anarchistische Konzeptionen bis heute als Inspirationsquelle und können auch den aktuellen Debatten um Post-Wachstum, Imperiale Lebensweise, Selbstorganisation usw. neue Perspektiven eröffnen. (Vortrag mit Diskussion)

9. Dezember 2017

0:00
Das Gehirn, die Gesellschaft und die Freiheit

Libertäre Perspektiven auf die Gehirnforschung

Wie frei kann der Mensch, wie frei kann die Gesellschaft sein? Fragen, die nicht nur den Anarchismus umtreiben, sondern auch die Wissenschaften des 21. Jahrhunderts. Die Gehirnforschung untersucht unter anderem mit bildgebenden Verfahren und theoretischen Arbeiten den Zusammenhang von Denken, Fühlen und Wollen mit der Organisation von Nervenzellen und ihrer elektrochemischen Verschaltung im Gesamtgefüge des Körpers. Damit konfrontiert sie gesellschaftliche Konventionen wie den “freien Willen” und die “Verantwortung des/r Einzelnen”. Auch für Libertäre stellt sich die Frage nach der wissenschaftlichen Untermauerung ihrer Ziele von Befreiung und herrschaftsloser Gesellschaft. Im Workshop sollen einige Ergebnisse der aktuellen Forschung und der Philosophie des Geistes (“Philosophy of Mind”) vorgestellt und unter anarchistischen Gesichtspunkten diskutiert werden.

Anmeldung per Mail bis 25. November 2017 an die E-Mail-Adresse workshop[at]bibliothekderfreien.de. Es werden vorweg eine Textsammlung versandt und organisatorische Details mitgeteilt.


Veranstaltungen 2016

Datum/Zeit Veranstaltung
29/01/2016
20:00 - 22:00
Stichwort: Postwachstum Anarchistische Analysen und Alternativen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
05/02/2016
20:00 - 22:00
Dada oder der Sinn im Chaos. Zum 100. Geburtstag des Dadaismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
27/02/2016
0:00
Subversive Schätze von Hölderlin und Carl Einstein
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
11/03/2016
20:00 - 22:00
Die Temporäre Autonome Zone
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
15/04/2016
20:00 - 22:00
Freie Software
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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29. Januar 2016

20:00 - 22:00
Stichwort: Postwachstum Anarchistische Analysen und Alternativen

Was wäre, wenn auf der ganzen Welt so viele Waren konsumiert würden wie in Deutschland? Wir bräuchten 21,5 Planeten Erde. Allein in Deutschland wird so viel Energie verbraucht wie auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Trotz dieser Widersprüche sollen ökonomische Wachstumsprozesse noch beschleunigt werden, statt jene zerstörerische Dynamik zu stoppen, die uns die Zukunft kosten kann. Aber heizen wir als KonsumentInnen die Dynamik nicht noch an? Schnell mal mit dem LastMinute-Ticket nach Spanien zum Ökologie-Kongress, mit SmartPhones und Laptops, die dank Coltan funktionieren, einem Erz aus der kongolesischen Bürgerkriegs-, Hungerlohn- und Kinderzwangsarbeit-Zone. Wer zieht also die Wachstumsbremse? Welche Alternativen gäbe es zum herrschenden Umgang mit Energie, Konsum, Produktion und Mobilität? Auf der Veranstaltung sollen anarchistische Antworten auf diese Fragen skizziert und diskutiert werden.

5. Februar 2016

20:00 - 22:00
Dada oder der Sinn im Chaos. Zum 100. Geburtstag des Dadaismus

Am Abend des 5. Februar 1916 trat in einer Züricher Kneipe zum ersten mal das ‚Cabaret Voltaire‘ auf: Tristan Tzara, Hans Arp, Hugo Ball, Emmy Hennings, Marcel Janco, Sophie Taeuber und Richard Huelsenbeck röhrten, schnalzten, sangen und tanzten „Dada Dada“. Ein Teil der Aktions-Künstler war vor dem Ersten Weltkrieg in die Schweiz geflohen, ihr Aufschrei war gegen die Sinnlosigkeit des Weltkriegs, gegen das Giftgas und das Massensterben gerichtet. Dada wollte die herrschenden politischen Ideologien entlarven, Vaterlandsliebe, Nationalismus und Militarismus sollten der Lächerlichkeit preisgegeben werden.

Die politische Revolte, die den Anfang von Dada charakterisierte, wird heute großenteils ausgeblendet; viele beteiligte Künstler waren vom Anarchismus geprägt und sympathisierten mit libertären Ideen. Im Vortrag soll die politische Entwicklung des Dadaismus nachgezeichnet werden, ohne die andere politisch-künstlerische Protestbewegungen wie Surrealismus, Pop Art, Fluxus, Mail Art oder Punk nicht denkbar gewesen wären. (Vortrag mit Diskussion)

27. Februar 2016

0:00
Subversive Schätze von Hölderlin und Carl Einstein

Ein Workshop aus der Reihe über hochkarätige anarchistische Bücher

Die anarchistische Literatur ist eine unermeßliche Inspirationsquelle. Zum Ärger von Kleingeistern und Dogmatikern sind zahllose anarchistische Werke aktuell geblieben und bis heute in der Lage, neue Horizonte zu eröffnen. Libertäre aus vergangenen Zeiten haben damit Fundamente emanzipatorischen Denkens geschaffen, auf denen wir stehen, und ein Reflexions-Niveau erreicht, von dem wir nur profitieren können. Zwei dieser Schätze wollen wir in dem Workshop vorstellen und für heute nutzbar machen: Hölderlins ‚Tod des Empedokles‘ und Carl Einsteins ‚Die Fabrikation der Fiktionen‘.

Anmeldung per E-Mail bis 19. Februar: workshop[at]bibliothekderfreien.de Die organisatorischen Details werden mit der Anmeldebestätigung übersandt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

11. März 2016

20:00 - 22:00
Die Temporäre Autonome Zone

Untersuchung des Verhältnisses von Zeit und Autonomie nach dem Buch von Hakim Bey

In seiner programmatischen Schrift „Die Temporäre Autonome Zone“ präsentiert Hakim Bey seine Auffassung von zeitlich beschränkten Freiräumen. Darin wird untersucht, ob das Ausleben voller Autonomie im Alltagsleben Bestand haben kann oder ob es vielmehr notwendig temporär bleiben muss. Diese und andere Fragen des „Ontologischen Anarchismus“ sollen anhand der Ideen von Hakim Bey und anderen analysiert werden. (Vortrag mit Diskussion)

15. April 2016

20:00 - 22:00
Freie Software

Richard Stallman, die GNU Public Licence und das Internet

Als Richard Stallman die GNU Public Licence entwickelte, leiteten ihn im Grunde libertäre Motive: Software sollte nicht der industriellen Verwertungslogik und künstlichen Verknappungsstrategien anheimfallen, sondern frei getauscht und weiterentwickelt werden können.

Aber was ist Software eigentlich und wie würde Softwareentwicklung in einer freien Gesellschaft aussehen? Welche Relevanz hat Freie Software dagegen in Zeiten von Five Eyes, Google und Facebook? Ist das Internet mittlerweile die umkämpfte Zone, so dass Freie Software kein emanzipatorisches Potenzial mehr hat? (Vortrag mit Diskussion)

20. Mai 2016

20:00 - 22:00
Murray Bookchin: Die nächste Revolution. Libertärer Kommunalismus und die Zukunft der Linke

Vorstellung einer Neuerscheinung

Das Buch enthält brisante Artikel und Diskussionsbeiträge des US-amerikanischen Anarchisten Murray Bookchin (1921-2006) aus den letzten Jahrzehnten, unter anderem zu den Themen: Das kommunalistische Projekt, Umweltkrise, Konföderalismus, Libertärer Munizipalismus, Nationalismus und „nationale Frage“, Anarchismus und Macht während der Spanischen Revolution und last not least: Die Zukunft der Linken. Bookchins Beiträge werfen interessante Fragen auf und laden zu kontroversen Debatten ein. Im Rahmen der Veranstaltung sollen anhand seiner Vorstellungen zu Dezentralisierung und Konföderation als dualer Gegenmacht libertäre Visionen für das 21. Jahrhundert entwickelt werden. (Buchvorstellung mit Diskussion)
Murray Bookchin: Die nächste Revolution. Libertärer Kommunalismus und die Zukunft der Linken.
Hrsg. von Debbie Bookchin und Blair Taylor. Unrast Verlag, Münster 2015, 224 S., 16 EUR, ISBN 978-3-89771-594-3

8. Juli 2016

0:00 - 21:00
Bibliothek der Freien Bibliothekseinführung für Skeptiker

Der Anarchismus bietet Einsichten, keine Erlösung. Er verlangt Rückgrat, keine Repression. Er schafft Gemeinschaften, keine Gefängnisse. Die Bibliothek der Freien ist seit 23 Jahren im anarchistischen Entwicklungsland Deutschland aktiv und bietet substanzielle Informationen über den Anarchismus. Ein Mitarbeiter präsentiert unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und stellt sich allen Interessierten, die mehr Fragen haben als Antworten, an der Freiheit (ver)zweifeln oder über diese unterschätzte Idee einfach mehr wissen wollen.

22. Juli 2016

20:00 - 22:00
Die CNT im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) – Soziale Revolution und Regierungsbeteiligung

Einen „kurzen Sommer der Anarchie“ nannte Hans Magnus Enzensberger die ersten Monate nach der spanischen Revolution im Juli 1936. Danach geriet die anarchosyndikalistische Gewerkschaft CNT mit ihren zwei Millionen Mitgliedern in den „Staats-Strudel“ der Republik. Was war geschehen? Gegen den Militärputsch von General Franco hatte sich die CNT mit diversen linken Gruppierungen zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das nach wenigen Monaten in die Bildung einer gemeinsamen Regierung mündete. Auf einmal gab es anarchistische Minister*innen! Ein Kompromiss folgte dem anderen: Die Milizen sollten gezwungen werden, sich in das autoritäre Militärsystem zu integrieren. Stalins Waffenlieferungen erreichten keine der CNT-Kolonnen. Im Mai 1937 spitzte sich die Situation dramatisch zu, beinahe kam es zum Bürgerkrieg im Bürgerkrieg. In der Folge besetzten kommunistische Funktionäre die Schaltstellen im Polizeiapparat und in der Geheimpolizei, Libertäre wurden massiv verfolgt. Die Tragödie in Spanien war nach den Worten Rudolf Rockers aber auch eine des freiheitlichen Kommunismus, neben historischen Erkenntnissen stehen daher auch aktuelle Fragen zur Diskussion an. Welche Lehren können Anarchist*innen aus den Geschehnissen ziehen? (Vortrag und Diskussion)

3. September 2016

20:00 - 22:00
„Anarchismus bedeutet, dass niemand dein Leben besser bestimmen kann als du selbst“

Einführung in eine unterschätzte Idee

Vortrag der Bibliothek im Rahmen der Ausstellung „Baby, I’m an Anarchist. Eine Info-Ausstellung zu Anarchismus und Anarchie“.

Veranstaltungsort: Zukunft am Ostkreuz, Laskerstr. 5, 10245 Berlin Friedrichshain

20. Oktober 2016

20:00
„Tragödie der Freiheit“ – Revolution und Krieg in Spanien (1936-1939): Ausstellungseröffnung mit Kurzvortrag

Die Tafelausstellung behandelt verschiedene Einzelaspekte des Bürgerkriegs: Biographien, die Kollektivierungsfrage, die Politik der CNT, Erinnerungspolitik, die Internationalen Brigaden, die „Maiereignisse 1937“ u.a. Die Ausstellung wurde erarbeitet von Mitgliedern der Redaktion der Zeitschrift „telegraph“, der Bibliothek der Freien, des Prometheus Antiquariats und von Einzelpersonen. Eröffnungsveranstaltung im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Foyer des Robert-Havemann-Saals.

Ausstellung läuft bis 1.12.2016, Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17 Uhr, So 14-18 Uhr

29. Oktober 2016

12:00 - 19:00
Ungarn 1956 – Die Aktualität der Revolution

„Die erste totale Revolution gegen den totalen bürokratischen Kapitalismus“ (Cornelius Castoriadis)

Ab dem 23. Oktober 1956 setzen in Budapest Massendemonstrationen und Streiks eine unvorhergesehene revolutionäre Dynamik in Gang: Staats- und Parteiapparat werden pulverisiert, überall entstehen spontan Revolutions- und Arbeiterräte, die das Rückgrat des militärischen wie politischen Widerstands gegen die russische Intervention und eines beginnenden demokratischen Neuaufbaus der Gesellschaft bilden. Aber die Dynamik wird von außen gewaltsam gestoppt: Die sowjetische Armee schlägt die Revolution nach kurzer Zeit blutig nieder.
Die Veranstaltung gibt eine Übersicht über die politische Vorgeschichte und die revolutionären Geschehnisse sowie die Verbindungen mit weiteren oppositionellen Bewegungen im restlichen von der UdSSR beherrschten Osteuropa.
Einen Schwerpunkt bildet die Vorstellung der zeitgenössischen Interpretation der Ereignisse durch die französische Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ und Cornelius Castoriadis. Ausgehend von dieser Interpretation und vom Lehrstück „Ungarn 1956“ soll schließlich auch über die Aktualität dieser Revolution und die Inhalte einer radikaldemokratischen sozialen Erneuerung heute diskutiert werden.

Mit Beiträgen von Andrea Gabler, Bernd Gehrke, Matthias István Köhler, Harald Wolf und anderen.

Programm auf www.autonomieentwurf.de. Die Teilnahme ist kostenlos.
Bitte anmelden bis 15.10.2016 bei Harald Wolf, E-Mail: hwolf1[at]gwdg.de
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Bibliothek der Freien mit dem Verein für das Studium und die Förderung der Autonomie (VSFA), Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

9. November 2016

21:00 - 23:00
Helios Gómez – Künstler und Kämpfer. Vortrag von Ursula Tjaden

Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Tragödie der Freiheit“ – Revolution und Krieg in Spanien 1936-39. Fragmente.

Helios Gómez (Sevilla 1905 – Barcelona 1956) war Lehrling in einer Keramikfabrik, aber er wollte Künstler werden. Sein technisches Mittel war von Anfang an die schwarze Tusche auf weißem Papier. Sehr früh befasste er sich mit den unterschiedlichsten Strömungen der künstlerischen Avantgarde. Er lebte in mehreren Ländern und ließ sich von deren Kunstszene inspirieren. Bereits in den 1920er Jahren machte er Ausstellungen, die von der Kritik sehr beachtet wurden. Und doch entwickelte er sich auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens – in Berlin – zu einem politischen Künstler, dessen zentrales Medium nicht mehr das Original, sondern die Reproduktion in den Massenmedien werden sollte, da er mit seiner Botschaft das Volk erreichen wollte. Die wesentliche Leistung von Helios Gómez bestand darin, die stilistischen Mittel der Moderne mit der politischen Aussage verbunden zu haben.

17. November 2016

21:00 - 23:00
Der Spanische Bürgerkrieg – eine „Tragödie der Freiheit“?

Diskussion mit Werner Abel und Dieter Nelles im Rahmen der Ausstellung „Tragödie der Freiheit“ – Revolution und Krieg in Spanien 1936-39. Fragmente.

Oder war es eine „Tragödie der Linken“? Ein „Bruderkampf“ wegen der Frage Soziale Revolution vs. breites antifaschistisches Bündnis? Oder sind die erzielten Erfolge wichtiger als die letztliche Niederlage? 80 Jahre nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs wollen wir über Perspektiven, Bewertungen und die aktuelle Bedeutung der Ereignisse sprechen. Werner Abel und Dieter Nelles, beides politisch engagierte Wissenschaftler und Experten in der Sache, werden den Abend mit Eingangsstatements eröffnen und dann gemeinsam mit den Anwesenden diskutieren.

25. November 2016

20:00 - 22:00
„Wir tragen eine neue Welt in unseren Herzen“

Buenaventura Durruti zum 80. Todestag

Vor 80 Jahren, am 20. November 1936, kam der spanische Anarchist und Revolutionär Buenaventura Durruti in Madrid ums Leben. Im Rückblick erscheint er als eine der herausragenden Figuren des Spanischen Bürgerkriegs, zugleich aber auch als Sinnbild für die „Tragödie der Freiheit“, für den letztlich gescheiterten Versuch, eine libertäre Gesellschaft aufzubauen. Internationale Verbreitung erreichten zwei Bücher über Durruti: Der dokumentarische Roman „Der kurze Sommer der Anarchie“ von Hans Magnus Enzensberger (Frankfurt 1972, in viele Sprachen übersetzt) und die monumentale Durruti-Biographie von Abel Paz (Barcelona 1986; dt. Hamburg 1994). Trotz einer gewissen Verklärung, der Legendenbildung um seinen mysteriösen Tod usw., bleibt festzuhalten: Die Faszination, die von seinem Leben ausgeht, ist die eines integren Revolutionärs und nicht die einer Pop-Ikone, die auf Zigarettenpackungen klebt; für die Welt der totalen Vermarktung ist er völlig unbrauchbar.
Wir wollen mit einem Kurzreferat und dem Film „Durruti in der spanischen Revolution“ (von Paco Rios und Abel Paz, 1998) an diesen authentischen Revolutionär erinnern. (Kurzvortrag, Filmvorführung und Diskussion)


Veranstaltungen 2015

Datum/Zeit Veranstaltung
23/01/2015
0:00
Bo. Krämer: »Wollt ihr Kommunisten bleiben oder Revolutionäre sein«?!
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
31/01/2015
0:00
Die Eroberung des Brotes. Dezentrale und ökosoziale Landwirtschaft heute
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
06/02/2015
0:00
Olaf Briese: Aufklärerischer Anarchismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/02/2015
0:00
Nicht für Google, Facebook oder NSA, sondern für unser Leben surfen wir
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
27/02/2015
0:00
Gerhard Bauer: Anarchismus im Leben und Werk Tolstois. Ein Streifzug
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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23. Januar 2015

0:00
Bo. Krämer: »Wollt ihr Kommunisten bleiben oder Revolutionäre sein«?!

Eine kurze Einführung in das libertäre Denken von Cornelius Castoriadis

Das Referat versucht die Entwicklung von Castoriadis in ihrer Gesamtheit in den Blick zu nehmen: Das von ihm verfolgte »Revolutionäre Projekt« hat einen Transformationsprozess seines Denkens in Gang gesetzt, der in dem libertären Entwurf einer »Autonomen Gesellschaft« ohne Herrschaft und Hierarchie mündete. Mit Hilfe wissenssoziologischer Methoden wird die hier umrissene libertäre Wissensentwicklung verständlich nachgezeichnet. (Vortrag und Diskussion)

31. Januar 2015

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Die Eroberung des Brotes. Dezentrale und ökosoziale Landwirtschaft heute

Vortrag und Filmvorführung: ›Über den Tellerrand. Ernährungssouveränität in Zeiten des Klimawandels‹

Kropotkins Werk ›Die Eroberung des Brotes‹ ist nicht nur ein Klassiker des kommunistischen Anarchismus, sondern liefert auch Beiträge zur Beantwortung aktueller Fragestellungen: Zwischen den Sehnsüchten und Forderungen von Zapatistas, Landlosenbewegungen usw. und den Ideen Kropotkins besteht ein überraschender Zusammenhang, der in dem Vortrag herausgearbeitet werden soll. Im anschließenden Film ›Über den Tellerrand‹ wird am Beispiel von Bangladesch die Situation moderner agrarischer Emanzipationsbewegungen aufgezeigt: Nicht nur durch die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels und die Kapitalisierung des Agrarsektors sind die Lebensgrundlagen von Kleinbäuerinnen und -bauern in Bangladesch bedroht, sondern auch durch Saatgut- und Chemiekonzerne wie Bayer, die Millionengewinne erzielen und kontaminierte Ackerböden und verschuldete Farmer zurücklassen. Kleinbäuerliche Bewegungen besetzen daher Land und bewirtschaften es in Eigenregie. Sie fordern Ernährungssouveränität, also selbstbestimmte Agrarproduktion und Landumverteilung. (Vortrag, Filmvorführung und Diskussion)

6. Februar 2015

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Olaf Briese: Aufklärerischer Anarchismus

Die verdrängte Tradition des 18. Jahrhunderts

Dem, was man als Anarchismusverdikt bzw. als Anarchismusverdrängung bezeichnen kann, ist es geschuldet, dass die breite anarchistische Tradition innerhalb der deutschen Aufklärung heute weitgehend vergessen ist. Auch eine ›demokatisierende‹ Lesart, die die generelle aufklärerische Staatskritik auf das Format einer Absolutismuskritik schrumpfen ließ, trug dazu bei. Der Vortrag umreißt in einem ersten Teil Hauptlinien des anarchistischen Denkens der deutschen Aufklärung (Naturrecht, Diskurs über »Gute Wilde«, Staatsromane). In einem zweiten Teil widmet er sich einer originellen literarisch-anarchistischen Nordamerika-Utopie: David Christoph Seybolds Roman ›Reitzenstein. Die Geschichte eines deutschen Offiziers‹ (1778/79). (Vortrag und Diskussion)

20. Februar 2015

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Nicht für Google, Facebook oder NSA, sondern für unser Leben surfen wir

In der »Reihe zur libertären Medienkompetenz«

Wie kann zwischen und trotz umfassender Überwachung, uns algorithmisch zum leichten Konsum vorgesetzter Information und im pausenlosen Echtzeitstrom der Social Media nach permanenter Aufmerksamkeit verlangenden Kommunikation eine anarchistische Internetnutzung aussehen? Möglichkeiten eines kritischen und emanzipatorischen Umgangs mit digitalen Medien bei Informierung, Kommunikation und Organisierung sollen dafür vorgestellt und diskutiert werden. (Vortrag und Diskussion)

27. Februar 2015

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Gerhard Bauer: Anarchismus im Leben und Werk Tolstois. Ein Streifzug

Die äußerliche Etikettierung »Anarchist« passt bei unserem Autor leider gar nicht – dennoch kreiste sein Denken und Schreiben um die Gewinnung von Selbständigkeit. Er selbst hatte Militärdienst geleistet; später wünschte er sich, dass kein Mensch mehr dienen müsse. Keine Steuern! Wenn Leute was glauben (wollen), dann ist das bitt-schön ihre Sache, aber bitte ohne kirchliche Anleitung. Widerstand? Wo es lohnt, wo genügend freie Menschen zusammenkommen. Jeder stehe für sich ein, ob Graf oder Knecht. So komisch konnte es in seinem Heiligen Russland zugehen. Eine Lehre gibt es nicht. Wenn Leute ihn unbedingt zum Vorbild erheben müssen, ist das ihre Sache. Er hat viel geschrieben – dummes Zeug! Der ›Vaterländische Krieg‹ gegen Napoleon dient zum Lehrstück: Keiner gewinnt irgendeinen Durchblick. Höchstens was ein Knecht zu sagen hat, könnte ein paar Worte wert sein: »Ob es ihm dort, wo er nach diesem wirklichen Tod erwachte, besser oder schlechter erging? – Das werden wir alle bald erfahren.« (Vortrag und Diskussion)

6. März 2015

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Nosotros del B.A.U.E.N.

Großhotel in Arbeiterhand im Zentrum von Buenos Aires

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 mit staatlichen Krediten erbaut, galt das B.A.U.E.N. einst als Luxushotel. Im Zuge des argentinischen Staatsbankrotts 2001 gingen die ehemaligen Besitzer des Hotels pleite, die gesamte Belegschaft wurde entlassen und das Hotel geschlossen. Daraufhin ergriffen die ArbeiterInnen selbst die Initiative, besetzten das Hotel und betreiben es nun seit 11 Jahren als Kooperative.

Der Dokumentarfilm zeichnet anhand der Geschehnisse um das Hotel Argentiniens jüngste Geschichte nach – von der Militärdiktatur, über die neoliberale Politik der 1990er bis zur Staatskrise und ihren Folgen. Die 130 HotelbesitzerInnen werden in ihrem Arbeitsalltag begleitet, inklusive juristischer und politischer Kämpfe, und äußern sich zu den Herausforderungen und Chancen der Selbstverwaltung ihres Betriebes.

Die Instandbesetzung des B.A.U.E.N. gilt als bemerkenswertes Beispiel für die emanzipatorischen Aktionen von ArbeiternInnen infolge der argentinischen Staatskrise. Das einzigartige Engagement seiner BesitzerInnen ermutigt zur Nachahmung. (Filmvorführung und Diskussion)

Für die kostenlose Bereitstellung danken wir Dynamo Production. Regie: Didier Zyserman, Frankreich 2010, 95 Min, span. OV, dt. UT.

10. April 2015

0:00
Robert Kindler: Stalins Nomaden

Der sowjetische Terror gegen die Völker Kasachstans in den 1930er Jahren. Buchvorstellung durch den Autor

In Stalins Sowjetunion durfte es keine Nomaden geben: Sie wurden als rückständig diffamiert, vor allem aber waren sie politisch und ökonomisch schwer zu kontrollieren und entzogen sich damit dem Herrschaftsanspruch des kommunistischen Parteiapparats. Deshalb begannen die Bolschewiki Ende der 1920er Jahre damit, die multiethnische Bevölkerung Kasachstans mittels Sesshaftmachung und Kollektivierung, also durch Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu unterwerfen. Auf Befehl Stalins wurden die 4,5 Millionen kasachischen Nomaden gezwungen, Häuser zu bauen, Ackerbau zu treiben und festgelegte Quoten an Getreide abzuliefern. Die Viehherden mussten verkauft werden oder wurden gleich beschlagnahmt. Nach vier Jahren Kollektivierung waren fast 90 Prozent der kasachischen Viehherden verendet oder abtransportiert, die Ökonomie der Steppe brach zusammen, der Hungergenozid begann. Wer das geforderte Getreide nicht liefern konnte oder sonst als verdächtig galt, war darüber hinaus staatlichen Terrormaßnahmen ausgesetzt. Historiker schätzen, dass mehr als 1,5 Millionen Menschen in Kasachstan dem Hunger- oder Terror-Regime zum Opfer fielen. (Buchvorstellung und Diskussion)

Robert Kindler: Stalins Nomaden. Herrschaft und Hunger in Kasachstan. Hamburger Edition, Hamburg 2014, 381 S., 28 EUR, ISBN 978-3-86854-277-6

24. April 2015

0:00
Armin T. Wegner (1886-1978)

Pazifist, Anarchist, Zeuge des Genozids an den Armeniern

Im Ersten Weltkrieg leistete Armin T. Wegner zunächst Dienst als Krankenpfleger. 1916 kam er als Sanitätsoffizier nach Ost-Anatolien, wo er Augenzeuge des Völkermords an den Armeniern wurde. Das Geschehen hat er fotografisch und literarisch festgehalten und versuchte damit das Bewußtsein der Weltöffentlichkeit wachzurütteln. Während der Revolution von 1918/19 beteiligte er sich an Kurt Hillers ›Politischem Rat geistiger Arbeiter‹ und in der ›Gruppe revolutionärer Pazifisten‹. Seine flammenden Kampfartikel gegen soziale und politische Mißstände, gegen Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg erschienen 1921 gesammelt unter dem Titel »Der Ankläger – Aufrufe zur Revolution« im Verlag ›Der Syndikalist‹. Sein Eintreten für alle Verfolgten gegen jede Art politischer Gewaltherrschaft brachte ihn später auf Konfrontationskurs sowohl mit der Sowjetunion als auch mit Nazi-Deutschland. Im Vortrag wird Armin T. Wegners Augenzeugenbericht »Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste« vorgestellt und sein politischer Lebensweg nachgezeichnet. (Vortrag mit Diskussion)

Armin T. Wegner: Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste. Hrsg. von Andreas Meier. Wallstein Verlag, Göttingen 2011, 215 S., 103 Abb., 24 EUR, ISBN 978-3-89244-800-6

29. April 2015

20:00 - 22:00
Gerhard Senft: »Warnung an die Eigentümer!«

Pierre-Joseph Proudhon

Ökonomische Kritik und Anarchismus bei Pierre-Joseph Proudhon

Pierre-Joseph Proudhon [1809-1865] war einer der ersten unter den Vertretern des Sozialismus, der das Schlagwort »Anarchie« aufgriff und weiterverbreitete. Mit dem Satz »Eigentum ist Diebstahl« verwarf Proudhon die bürgerlich-kapitalistische Eigentumsordnung und propagierte eine Sozialverfassung der »gegenseitigen Hilfe« [Mutualismus]. Durch das von ihm ersonnene Tauschbankensystem sollten ein die Wirtschaft belebender Warentausch sowie verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu Krediten sichergestellt werden. Nach anfänglich positivem Verhältnis zu Marx gerieten die beiden zueinander in gravierende inhaltliche Gegensätze. (Vortrag und Diskussion)

22. Mai 2015

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Stadtluft macht frei!?

Kleine Geschichte des Berliner Häuserkampfs

Per Film und Buchvorstellung werden im Rahmen der Veranstaltung die Motive und politischen Ziele der BesetzerInnen dargestellt. Einen Schwerpunkt bilden die dabei entwickelten emanzipatorischen Lebensformen. (Filmvorführung und Buchvorstellung mit Diskussion)

amantine: »Die Häuser denen, die drin wohnen!« Kleine Geschichte der Häuserkämpfe in Deutschland. Unrast Verlag, Münster 2012, 88 S., 7.80 EUR, ISBN 978-3-89771-115-0

12. Juni 2015

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Anatole Lucet: Zur Rezeption Gustav Landauers in Frankreich

Schon Gustav Landauer selbst bedauerte die geringe Verbreitung seiner Auffassungen außerhalb Deutschlands. Ein Jahrhundert später ist die Lage in Frankreich kaum besser. Der größere Teil seiner Texte bleibt unverfügbar, und vereinzelten Studien gelingt es oft nicht, die Komplexität seines politisch-philosophischen Beitrags zu vermitteln. Vergangene und gegenwärtige Richtungen der schwierigen französischen Rezeption werden analysiert und diskutiert. (Vortrag mit Diskussion)

20. Juni 2015

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Anarchismus. Ein Einführungs-Workshop mit befreiendem Anspruch

»Es gibt keine Alternative«, behaupten die Herrschenden – wir dagegen sehen eine solche im Anarchismus und möchten die Aktualität dieses emanzipatorischen Gesellschaftsentwurfs aufzeigen. Auf der Suche nach gerechten und selbstbestimmten Lebensformen wollen wir mit euch zusammen über verschiedene Zugänge ein plurales Verständnis von Anarchismus erarbeiten.

Anmeldung per E-Mail bis 31. Mai: anarchismus_workshop@bibliothekderfreien.de. Die organisatorischen Details werden mit der Anmeldebestätigung übersandt.

26. Juni 2015

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Eva von Redecker: Die stille Revolution Gustav Landauers

In einem Brief an einen Freund bekannte Gustav Landauer einmal auf die Frage nach dem ihm Wichtigsten hin: »das Unheroische, das ganz Stille, Schlichte, Geräuschlose, der Beginn der rechten Wirtschaft. (…) Die heroische Lebensauffassung erwächst auf einer Lüge«. Der Vortrag wird die in dieser Formulierung umrissene Revolutionskonzeption rekonstruieren. Sie verdankt sich, wie zu zeigen sein wird, einer dreifachen Kritik, die Landauer um die vorige Jahrhundertwende an Politik und Revolutionsbegriff der Sozialdemokrat*innen und Kommunis*innen übte. Landauer weist nämlich nicht nur die den orthodoxen Marxismus prägende Vorstellung einer teleologischen Geschichtsentwicklung zurück, sondern auch die Hoffnung auf einen spontanen, ereignishaften Umbruch. Hinzu tritt eine Abwendung von »heroischen« Politikformen, die er sowohl in kriegerischen wie märtyrerhaften Akten ausmacht. Positiv ergibt sich daraus eine Situierung der revolutionären Praxis im Alltagsgeschehen, wie sie auch feministische Strategien und die anarchistische »präfigurative Politik« insgesamt prägt. (Vortrag mit Diskussion)

10. Juli 2015

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Die anarchistische Monatszeitschrift Gai Dao der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

›Gai Dao‹ ist die Monatszeitschrift der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) und bietet bereits seit über 50 Ausgaben einen monatichen Querschnitt von Theorie und Praxis der anarchistischen und ihr nahestehender Bewegungen auf lokaler und internationaler Ebene. Mitarbeiter*innen stellen Inhalt und Arbeitsweise der Zeitschrift vor und informieren über die FdA/IFA. (Vortrag und Diskussion)

24. Juli 2015

0:00
Schauprozesse in Osteuropa 1948-1954

Innerparteiliche Säuberungen und politische Schauprozesse zählten zu den zentralen Terror- und Herrschaftsinstrumenten des Stalinismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dieses Instrument in den osteuropäischen Ländern zur Anwendung, um die ›Sowjetisierung‹ der »befreiten Länder« rasch voranzutreiben und ihre Unterwerfung unter die Befehlsgewalt Stalins zu zementieren. Zugleich bot es den aus dem Moskauer Exil zurückgekehrten kommunistischen Parteiführern die Möglichkeit, konkurrierende Gruppen innerhalb des Parteiapparates und jedwede Opposition auszuschalten. Ein großer Teil der Opfer waren Parteimitglieder, die die Nazi-Okkupation oder die Vernichtungslager überlebt hatten. Einen Höhepunkt erreichte die Repressions-Welle beim Slánský-Prozess im November 1952 in Prag, bei dem die Anklage unter anderem auf »Zionismus« lautete, worunter die Ankläger das »Weltjudentum« verstanden. Drehbuch und Verlauf des Slánský-Prozesses dienten zugleich der Vorbereitung von Verfahren mit antisemitischer Tendenz in Rumänien, Polen und der DDR. (Vortrag mit Diskussion)

18. September 2015

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Helge Meves: Libertalia – die utopische Piratenrepublik

Vorstellung einer Neuerscheinung

Jeder kennt die Welt der Piraten als abenteuerliches Universum aus Holzbein, Säbelkampf und Totenkopfflagge – verwegene Gestalten schillernd zwischen edlen Helden und brutalen Räubern. Doch nur wenige wissen, dass viele Seeräuber radikaldemokratische, auf Freiheit und Gleichheit zielende Ideen vertraten. Diese spiegeln sich auch in Daniel Defoes 1728 erschienenem Bericht über die Piratenrepublik Libertalia auf Madagaskar wider, der jetzt in deutscher Erstausgabe vorliegt. Im Anschluss an eine Lesung aus der Neuerscheinung skizziert der Herausgeber das in Kunst und Literatur widersprüchlich überlieferte Verständnis der Piraten als Sozialrebellen, als gewöhnliche Kriminelle oder als Anarchisten mit Verfassung. (Buchvorstellung durch den Herausgeber)
Daniel Defoe: Libertalia – die utopische Piratenrepublik. Hrsg. von Helge Meves. Matthes & Seitz, Berlin 2015, 238 S., 22,90 EUR, ISBN 978-3-95757-000-0

17. Oktober 2015

0:00
Subversive Schätze

Ein Workshop über hochkarätige anarchistische Bücher

Die anarchistische Literatur ist eine unermeßliche Inspirationsquelle. Zum Ärger von Kleingeistern und Dogmatikern sind zahllose anarchistische Werke aktuell geblieben und bis heute in der Lage, neue Horizonte zu eröffnen. Libertäre aus vergangenen Zeiten haben damit Fundamente emanzipatorischen Denkens geschaffen, auf denen wir stehen, und ein Reflexions-Niveau erreicht, von dem wir nur profitieren können. Drei dieser Schätze wollen wir in dem Workshop vorstellen und für heute nutzbar machen:

  • Bakunins Spätwerk ‚Staatlichkeit und Anarchie
  • ‚Schwarz-Rot-Buch‘ der Gruppe Deutsche Anarcho-Syndikalisten im Spanischen Bürgerkrie

30. Oktober 2015

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Johann Thun: Friedrich Hölderlin als Dichter der Anarchie

Im Vortrag werden anarchistische Tendenzen im Werk des Dichters Friedrich Hölderlin (1770-1843) herausgearbeitet und zur Diskussion gestellt. Auszüge aus seinen Werken werden hierbei als herrschafts-und staatskritische Texte gelesen, unter anderem das kollektiv verfasste ‚Systemprogramm des deutschen Idealismus‘, der Briefroman ‚Hyperion‘, das Dramenfragment ‚Der Tod des Empedokles‘ und verschiedene Gedichte des Autors. Darüber hinaus wird die libertäre Hölderlin-Rezeption dargestellt am Beispiel von Gustav Landauers Vortrag ‚Friedrich Hölderlin in seinen Gedichten‘ (1921) und D.E. Sattlers ‚Frankfurter Hölderlinausgabe‘, welche diesen auch zu dem Essay ‚Thesen zur Staatenlosigkeit‘ inspirierte. (Vortrag mit Diskussion)

13. November 2015

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„Ordnung muss sein, sprach der Anarchist“

Günter Bruno Fuchs und die Kreuzberger Boheme der 50er und 60er Jahre. Kleine vergessene Kulturgeschichte des Ungehorsams

In den 1950er Jahren entstand in Kreuzberg ein Künstler-Milieu, das schnell als Bürgerschreck verschrien war. Die „Bösen Buben, unakademischen Marodeure, Störenfriede“ (R.W. Schnell) hausten in zusammengeflickten Ruinen, ihre Bilder und Verse hingen an Brandmauern und ihre Hilfsmittel waren alte Handpressen und rumpelnde Druckmaschinen. Den West-Berliner Bürgern der aufstrebenden Wirtschaftswunder-Zeit war dieses Milieu geniale Überlebenskünstler suspekt. Im Gegensatz zur Idylle aus heiler Welt und Heimatfilm-Ästhetik spiegelten sie eine gesellschaftliche Wirklichkeit, mit der sie die Wut der Spießer und die Repression der Polizei auf sich zogen. Am Beispiel von Günter Bruno Fuchs und seinen Freunden soll an die Kreuzberger Nachkriegs-Boheme erinnert werden, aus der später der Mythos Kreuzberg entstanden ist, während die Verdrängung von Freiräumen bis heute unvermindert anhält. (Vortrag und Diskussion)

27. November 2015

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Erinnerung an Karin und Bernd Kramer

Der Karin Kramer Verlag ist der traditionsreichste Verlag des deutschsprachigen Anarchismus. Sein ‚Geheimnis‘ ist die einzigartige Kombination zweier Verlegerpersönlichkeiten: Karin und Bernd Kramer. Mit ihrem Verlag wirkten sie nicht nur über Jahre hinweg als anarchistische Inspirationsquelle und Gravitationszentrum für politische Dissidenz – ihnen ist es auch gelungen, trotz scharfer politischer Anfeindungen und wirtschaftlicher Bedrängnisse den Verlag immer wieder um die harten Klippen des Überlebens zu navigieren. Mit Erinnerungen und Texten soll an einen anarchistischen Verlag erinnert werden, der uns über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden war. (Beiträge und Diskussion)

11. Dezember 2015

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Der widerspenstige Held.

Arbeiterproteste in der Sowjetunion

Der „sozialistische Held der Arbeit“ war die ideologische Leitfigur des Staatskommunismus: Er sollte das Unmögliche leisten und die Produktion auf über 300% Prozent steigern. Adolf Hennecke in der DDR und Alexej Stachanow in der Sowjetunion wurden zu solchen „Helden der Arbeit“ stilisiert, welche die Fabrik zum Kriegsschauplatz erklärten und durch NormÜbererfüllung „Produktionsschlachten“ schlugen. Hintergrund der Propaganda bildete die Einführung militarisierter Arbeits- und Produktionsmethoden, mit denen das brutale Fabrik-Regime des Kapitalismus auf die Spitze getrieben wurde. Statt ökonomischer Befreiung im Sozialismus sah sich die arbeitende Bevölkerung einem Terror aus entfesselter Fabrikproduktion, Normerhöhungen und Repression ausgesetzt, dem viele Menschen zum Opfer fielen. Gerade in der Sowjetunion kam es immer wieder zu spontanen Aufständen gegen die menschenverachtenden Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Am Beispiel des Streiks von Nowotscherkask im Jahre 1962, der in einen Aufstand mündete, erinnert die Veranstaltung an die vergessenen Revolten in der Sowjetunion und an ihre Akteure, die wahren „Helden“ ihrer Epoche. (Vortrag mit Diskussion)


Veranstaltungen 2014

Datum/Zeit Veranstaltung
10/01/2014
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Marinus van der Lubbe (1909-1934) – eine Erinnerung jenseits von roten und braunen Denunziationen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
31/01/2014
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Wenn das Land zur Ware wird
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/02/2014
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»Ich revoltiere, also sind wir«. Albert Camus und der Anarchismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
14/03/2014
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Volins "Die unbekannte Revolution"
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
04/04/2014
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Vantiê Clínio Carvalho de Oliveira: Anarchistische Protestbewegungen in Brasilien
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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10. Januar 2014

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Marinus van der Lubbe (1909-1934) – eine Erinnerung jenseits von roten und braunen Denunziationen

Buchvorstellung

Ausgehend von ›Marinus von der Lubbe und der Reichstagsbrand. Das Rotbuch‹ (Edition Nautilus) wird der Lebensweg des holländischen Rätekommunisten nachgezeichnet, seine Abwendung vom Stalinismus, aber auch seine Fehleinschätzung der Lage in Deutschland. Während der Haft gehörte er zu den am meisten diffamierten Nazi-Gegnern – auch SPD und KPD diente er als Sündenbock, um das eigene Versagen zu kaschieren. Der Justiz-Mord an ihm jährt sich am 10. Januar zum 80. Mal, das zugrunde liegende Urteil wurde erst im Jahre 2010 aufgehoben. (Vortrag mit Diskussion)

Marinus von der Lubbe und der Reichstagsbrand. Das Rotbuch. Aus dem Niederländischen übersetzt und herausgegeben von Josh van Soer. Aktualisierte Neuauflage. Edition Nautilus, Hamburg 2013. 192 S., 16.90 EUR, ISBN 978-3-89401-776-7

31. Januar 2014

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Wenn das Land zur Ware wird

Die Zerstörung der indigenen Selbstorganisation und ihrer Lebensgrundlagen in Südmexiko – ein Dokumentarfilm

Das Filmprojekt ›Wenn das Land zur Ware wird‹ (Vertrieb: Zwischenzeit) behandelt die Bedrohung der indigenen Gemeinden in Südmexiko durch Monokulturen, Infrastrukturausbau, Tourismusprojekte und Repression. Die kleinbäuerlichen Dorfgemeinschaften funktionieren bis heute auf der Basis von traditioneller Versammlungskultur, Selbstorganisation, Gemeinschaftsarbeit und Subsistenzwirtschaft zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln. Das Land, das in der Weltsicht der indigenen Bevölkerungsgruppen als ›Mutter Erde‹ verstanden wird, gerät jedoch zunehmend ins Visier von Politik und Wirtschaft: Die Gemeindeländereien werden zunehmend in eine Ware verwandelt – in aller Regel ohne die betroffenen Menschen zuvor überhaupt zu informieren.

Neben dem friedlichen Widerstand der betroffenen Bevölkerungsgruppen, die für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen, thematisiert das Projekt auch die Verbindungslinien zu urbanen Regionen im Norden, denn die Nachfrage nach Palmfett, Biosprit und komfortabel-exotischem Tourismus wächst weiterhin. (Teil 3 unserer Reihe über den Jahrestag der zapatistische Revolte von 1994, Filmvorführung und Diskussion)

Trailer zum Film

28. Februar 2014

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»Ich revoltiere, also sind wir«. Albert Camus und der Anarchismus

Häufig wissen nur Insider: Albert Camus (1913-1960) war ein unbestechlicher libertärer Denker. »Die Macht macht denjenigen verrückt, der sie besitzt«, konstatierte der Autor von Klassikern wie ›Der Fremde‹, ›Die Pest‹ oder ›Der Mensch in der Revolte‹ Gerade in Deutschland werden seine vielfältigen Beziehungen zur anarchistischen und revolutionär-syndikalistischen Bewegung oft unterschlagen. Die Hälfte des Preisgeldes, das er für den Literatur-Nobelpreis 1957 erhielt, spendete er anarchosyndikalistischen Flüchtlingen aus Spanien, die in Frankreich Schutz vor der Franco-Diktatur gesucht hatten. Die Neuerscheinung ›Camus – Libertäre Schriften‹ dokumentiert seine Kontakte in anarchistischen Milieus und seine Mitarbeit an libertären Zeitschriften. (Buchvorstellung mit Diskussion)

Albert Camus: Libertäre Schriften (1948-1960). Hrsg. von Lou Marin. Laika-Verlag, Hamburg 2013. 384 S., 24.90 EUR, ISBN: 978-3-942281-56-0

14. März 2014

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Volins „Die unbekannte Revolution“

Anarchismus und Marxismus in der Russischen Revolution – Vorstellung einer Neuerscheinung

Das mit der Oktoberrevolution 1917 begonnene Revolutions-Experiment der Bolschewiki war nur machtpolitisch erfolgreich: Die rote Diktatur konnte sich dank eines ungeheuren Repressionsapparats an der Macht festsetzen, während das Emanzipationsversprechen der Revolution abgewürgt wurde. Um die Ursachen für das Scheitern der Bolschewiki zu begreifen, ist Volins Buch ›Die unbekannte Revolution‹ noch immer eine unverzichtbare Quelle. Volin als Zeitzeuge, Anarchist und Revolutionär der ersten Stunde analysiert die Vorgeschichte und den Ablauf der Russischen Revolution, widerlegt mittels Dokumenten bis heute verbreitete Mythen über den Aufstand von Kronstadt und öffnet den Blick für die kaum bekannten Bauernkämpfe in der Ukraine. Sein Grundlagenwerk liefert eine Geschichte der Revolution aus dem ›Gedächtnis der Besiegten‹ und macht eines begreifbar: Nicht erst der Stalinismus, sondern schon Bolschewismus, Leninismus und andere marxistische Revolutionskonzepte stellen eine existenzielle Bedrohung für sozial-emanzipatorische Revolutionsbewegungen dar. (Buchvorstellung mit Diskussion)

Volin: Die unbekannte Revolution. Die Buchmacherei, Berlin 2013. 671 S., 23.50 EUR, ISBN 978-3-00-043057-2

4. April 2014

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Vantiê Clínio Carvalho de Oliveira: Anarchistische Protestbewegungen in Brasilien

Vortrag in portugiesischer Sprache mit englischer Übersetzung

Die Protestwelle, die Brasilien gerade durchzogen hat, ist vor zehn Jahren aus Demonstrationen gegen ein Gesetz über Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr entstanden. Im Jahre 2005 entwickelte sich hieraus die Bewegung zur Einführung des Nulltarifs (Movimento Passe Livre – MPL), die noch überwiegend von jungen StudentInnen getragen wurde. Die anarchistischen Wurzeln der Bewegung sind klar an ihren Aktionsformen und Organisationsmethoden erkennbar: Entscheidungen werden nicht hierarchisch getroffen, sondern auf Vollversammlungen; die direkte Aktion ermöglicht die Teilhabe aller Interessierten zugunsten ihrer eigenen Interessen ohne autoritäre Vermittlung von Institutionen und deren Vertretern. Ein weiterer charakteristischer Aspekt ist der Widerstand gegen jeden Versuch einer Einmischung von Seiten politischer Parteien. Auf diese Weise versucht die Bewegung eine Art freies Spiel der Kräfte zu initiieren, bei dem alle teilnehmen können und für Fraktionen oder Führer mit ihren Anhängern keine Vorrechte gelten. Der Referent, der Studien zum Anarcho-Punk und zur Geschichte des Anarchismus in Brasilien veröffentlicht hat, gibt einen Überblick über Geschichte und Gegenwart der anarchistischen Protestbewegung und versucht einen Ausblick in die Zukunft.

19. April 2014

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Filmkollektiv KoLibrI: Somos viento

Grüne Grossprojekte und indigener Widerstand in Oaxaca (Chiapas) – ein Dokumentarfilm

Zahlreiche Grossprojekte werden im südmexikanischen Oaxaca mit Beteiligung europäischer Firmen vorangetrieben, darunter Windenergieparks, Staudämme, Bergbauprojekte. Viele dieser Projekte werden als grüne Entwicklung verkauft, während sie in Wirklichkeit massive soziale und ökologische Auswirkungen auf die lokale indigene Bevölkerung haben.

Im Konflikt um den Windpark am Isthmus von Tehuantepec spitzt sich im Jahre 2012 die Situation zu: Mehrere Gemeinden verschiedener indigener Völker vereinen sich im Widerstand gegen dieses Megaprojekt. Der Dokumentarfilm zeigt die Widersprüche des vermeintlichen Entwicklungsprojekts und gibt den betroffenen BewohnerInnen das Wort, die in den Massenmedien totgeschwiegen werden. Gleichzeitig wird der Diskurs der »grünen Energie« und der »nachhaltigen Entwicklung« kritisch hinterfragt, um die Logik und Funktionsweise der Megaprojekte im Kontext des globalen Kapitalismus aufzuzeigen. (Filmvorführung und Diskussion)

28. April 2014

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Schwarze Flamme – Revolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus und Syndikalismus

Vorstellung einer Neuerscheinung

›Schwarze Flamme‹ ist eine Geschichte der Gegenmacht. Lucien van der Walt und Michael Schmidt entwerfen eine umfassende Systematik und internationale Geschichte des Anarchismus und setzen sich mit Kernfragen wie Organisierung und Strategie auseinander. Der Übersetzer Andreas Förster präsentiert das im Herbst 2013 auf Deutsch erschienene Buch und stellt dessen Hauptthesen zur Diskussion.

Lucien van der Walt und Michael Schmidt: Schwarze Flamme. Revolutionäre Klassenpolitik im Anarchismus und Syndikalismus. Aus dem Englischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Andreas Förster und Holger Marcks. Edition Nautilus, Hamburg 2013, 560 S., 39.90 EUR, ISBN 978-3-89401-783-5

9. Mai 2014

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›A las Barricadas‹ Die Gruppe ›Deutsche Anarchosyndikalisten‹ in der spanischen Revolution

Anarchistische Flüchtlinge aus Deutschland schlossen sich Mitte der 1930er Jahre in Spanien zur Gruppe DAS (Deutsche Anarchosyndikalisten) zusammen. Nach dem 19. Juli 1936 kämpften sie inmitten von Revolution und Bürgerkrieg an der Seite ihrer spanischen GenossInnen und griffen die Infrastuktur der NS-Auslandsorganisationen an. Beim Sturm auf den ›Deutschen Klub‹ erbeutete die Gruppe DAS Dokumente, die sie im ›Schwarzrotbuch. Dokumente über den Hitlerimperialismus‹ (Barcelona 1937) veröffentlichten, das weitverzweigte NS-Aktivitäten in Spanien enthüllte. Im Zuge der Maiereignisse 1937 wurde die Gruppe DAS wie alle anderen anarchistischen Organisationen in Spanien vom kommunistischen Machtapparat kaltgestellt, wodurch der Mythos der antifaschistischen Aktionseinheit endgültig zerbrach.

Im Anschluss an die Buchvorstellung wird der Film ›A las Barricadas‹ gezeigt, in dem der Wuppertaler Anarchosyndikalist Helmut Kirschey (ehem. Milizionär der anarchistischen Kolonne Durruti) 1989 auf eine Erinnerungsfahrt nach Spanien begleitet wird. Dort werden an den Originalschauplätzen die historischen Ereignisse lebendig nachvollziehbar. (Vortrag mit Filmvorführung und Diskussion)

Dieter Nelles, Ulrich Linse, Harald Piotrowski, Carlos García: Deutsche AntifaschistInnen in Barcelona (1933-1939). Die Gruppe ›Deutsche Anarchosyndikalisten‹ (DAS). Verlag Graswurzelrevolution, Freiburg 2013. 425 S., 24.90 EUR, ISBN 978-3-939045-22-9
Buch des Jahres 2013 der Bibliothek der Freien

16. Mai 2014

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Karin Kramer (1939–2014)

Karin Kramer, 2. November 2012 (Foto: P. Ahner)

Der Karin Kramer Verlag ist der traditionsreichste Verlag des deutschsprachigen Anarchismus. Sein ›Geheimnis‹ ist die einzigartige Kombination zweier Verlegerpersönlichkeiten: Während ihr Mann Bernd oft als Ideengeber wirkte, war Karin Kramer diejenige, die alles zusammenhielt und die immer wieder den Verlag um die harten Klippen des Überlebens navigiert hat. Sie besorgte das Geld, hielt die Finanzen zusammen und hat schweren Zeiten standgehalten, wenn der Verlag fast am Ende war. Dass es den Verlag bis heute gibt, ist ihrem großen Geschick zu danken. Die Bibliothek der Freien erinnert an eine politisch aktive Verlegerin und Anarchistin, die uns über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden war.

10. Juli 2014

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Anarchismus als Lebensimpuls Erich Mühsams

Veranstaltungsabend zum 80. Todestag Mühsams in Zusammenarbeit mit der Erich-Mühsam-Gesellschaft (Lübeck) und der Stiftung Haus der Demokratie

Bezugnahmen auf Mühsam sind oft recht eigenwillig: Manche stellen ihn etwa als Bohemien und Literaten dar und übersehen dabei seine sozialrevolutionäre Haltung. Andere sehen in ihm vor allem den Aktivisten der Roten Hilfe usw. und ignorieren seine gepfefferte Austrittserklärung aus der Organisation unter Hinweis auf die politischen Gefangenen in Sowjet-Russland. Detailstudien zu Leben und Werk fördern demgegenüber einen anderen konstanten Lebensimpuls Mühsams zu Tage: seinen Anarchismus.

Der unverkürzte Mühsam wird unter anderem in seiner lebenslangen journalistischen Arbeit erkennbar. Im Vortrag von Michael Volk wird deutlich, dass sich von Mühsams Mitarbeit an ›Der arme Teufel‹ (seine Lehrzeit als junger Redakteur), über die Herausgabe der Zeitschriften ›Kain‹ und ›Fanal‹ gegen alle Widerstände, Zensur und Verbot, bis zu seinen tagespolitischen Gedichten in der Zeitung ›Welt am Montag‹ ab 1925, ein schwarzer anarchistischer Faden zieht.

Im Anschluss treten Klaus Hugler und Isabel Neuenfeldt (Akkordeon und Gesang) mit ihrem Programm ›Sich fügen heißt lügen!‹ Ein Requiem für Erich Mühsam auf, in dem sein Leben, Werk und Vermächtnis mit Vortrag und Musik illustriert wird.

1. August 2014

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Die Strategie der krummen Gurken

Dokumentarfilm über die GartenCoop Freiburg

Die GartenCoop Freiburg setzt ein erfolgreiches Modell solidarischer Landwirtschaft um. Rund 260 Mitglieder teilen sich die Verantwortung für einen landwirtschaftlichen Betrieb in Stadtnähe und tragen gemeinsam die Kosten und Risiken der Landwirtschaft. Die gesamte Ernte – ob gut oder schlecht, krumm oder gerade – wird auf alle Mitglieder verteilt. Ein konsequenter ökologischer Anbau, Saisonalität, 100% samenfeste Sorten, kurze Wege, solidarische Ökonomie, kollektives Eigentum, Bildung, sowie mit anpacken in der Landwirtschaft sind nur einige der vielen Merkmale des Projekts. Der Dokumentarfilm (Vertrieb: Cine Rebelde) gibt Einblick in die Motivationen und das Innenleben der Kooperative. Er zeigt Menschen, die in Zeiten ökonomischer und ökologischer Krise der Macht der Agrarindustrie etwas entgegensetzen. (Filmvorführung und Diskussion)

5. September 2014

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Jan Rolletschek: Gustav Landauers Stellung zum Ersten Weltkrieg, aus seinen Publikationen und Korrespondenzen

Den Weltkrieg vorherzusehen, den das deutsche Kaiserreich im Sommer 1914 entfesselte und der die Staatsnation erstmals zur ›Volksgemeinschaft‹ zusammenschweißen sollte, war seinerzeit keine große Kunst. Seit Mitte der 1890er Jahre steuerte das Reich mit gesteigertem Tempo auf ihn zu, und schon lange war die Frage nur noch wann, nicht ob er ausbrechen würde. Landauer erahnte das ungeheure Ausmaß dieses Krieges; er hatte auch keinen Grund, sich über die Kriegsbereitschaft der SPD zu verwundern, noch über die Revolution an seinem Ende oder über ihr Scheitern. All das stand ihm lange zuvor deutlich drohend vor Augen. Wie er sich angesichts dieser Drohungen, wie er sich während des Krieges und bei dessen Zusammenbrechen verhielt, seine Analyse und was er tat, um diesen Krieg dennoch zu verhindern, soll anhand seiner Publikationen und Korrespondenzen (Mühsam, Mauthner, Buber) rekonstruiert werden. (Vortrag und Diskussion)

19. September 2014

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Bettina Volk: Vergessener Kampf, stiller Untergang. Die Sami in Schweden

Die Bergbaugesellschaft Beowulf Mining hat 2012 von der schwedischen Regierung die Erlaubnis für Probebohrungen in Jokkmokk (Lappland) erhalten; geplant ist, neue Erzvorkommen zu erschließen und durch Tagebau 600 Mio Tonnen Eisenerz aus der Erde zu sprengen. Die Region ist jedoch nicht unbewohnt: Zur Gemeinde Jokkmokk (ca. 18.000 km²), dem Zentrum der samischen Kultur in Schweden, gehören mehrere Samidörfer, die von der Rentierzucht leben und deren Weidegründe durch den Tagebau zerstört werden. Das gigantische Bergbauprojekt bedroht die Lebensgrundlagen der Sami und zugleich ein einmaliges Ökosystem: die Region Laponia, die 1996 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste eingetragen wurde, mehrere Nationalparks und riesige Areale von intaktem arktischem Urwald. Die Konsequenzen sind: Eines der empfindlichsten Ökosysteme der Welt wird unwiederbringlich zerstört und eines der letzten indigenen Völker Europas geht unter. Lobbyisten und Regierungspolitiker verweisen demgegenüber zynisch auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und auch die schwedische Mehrheitsgesellschaft steht dem Überlebenskampf der Sami weitgehend desinteressiert gegenüber. (Vortrag, Film und Diskussion)

Filme zum Thema: The Gállok Rebellion (engl., 31:50 min), Kurzfilm (dt. Text, 6:31 min)

3. Oktober 2014

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Die ›104. Kompanie der Syndikalisten‹ im Warschauer Aufstand

Der Warschauer Aufstand im Jahre 1944 war die größte geschlossene Erhebung gegen die Truppen Nazi-Deutschlands während des Zweiten Weltkriegs. Die polnische syndikalistische Bewegung spielte im Widerstand gegen die deutsche Besatzung von Beginn an eine wichtige Rolle. Unter dem Namen »104. Kompanie« wurde eine syndikalistische Kampfformation gebildet, die zu den am besten motivierten und ausgerüsteten Einheiten des Warschauer Aufstands gehörten. Parallel organisierten ihre Mitglieder Suppenküchen für die Zivilbevölkerung und gaben die Zeitung ›Syndykalista‹ heraus; sie weigerten sich, unter der polnischen Nationalfahne zu kämpfen, und trugen stattdessen schwarzrote Abzeichen. Eine große Erinnungstafel in der Warschauer Altstadt macht heute auf die 104. Kompanie der Syndikalisten aufmerksam – ihre Geschichte und die Verfolgung überlebender Mitglieder auch in der »realsozialistischen« Zeit soll in der Veranstaltung nachgezeichnet werden. (Vortrag und Diskussion)

Kurzfilm zum Thema (poln., 2:45 min)

17. Oktober 2014

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Robert Kain: Otto Weidt (1883-1947). Anarchist und »Gerechter unter den Völkern«

Otto Weidt, Berlin, um 1943 (Quelle: MBOW)

Otto Weidt steht bisher vor allem durch seine Hilfe für verfolgte jüdische Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus im Fokus der historischen Betrachtung. Seine aktive Betätigung als Anarchist zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist dagegen kaum bekannt. Um den Judenretter Otto Weidt der 1940er Jahre und sein Handeln jedoch verstehen zu können, ist es wichtig, den jungen Weidt zu kennen. Denn der Idee des Anarchismus war er von Jugend an bis zu seinem Tode nicht allein politisch zugetan, vielmehr lebte und handelte er getreu seiner Überzeugung. Daher wird Weidts politisches Engagement, aber auch sein Scheitern an und in der anarchistischen »Bewegung« im Mittelpunkt des Vortrags stehen.

7. November 2014

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Freiheit und Utopie im 21. Jahrhundert!

Intellektuelle Bewaffnung durch Michel Foucault, Herbert Marcuse und Gustav Landauer (Lesekreis)

Utopisches Denken ermöglicht das Denken über eine bessere, andere Gesellschaft. Freiheit für alle muss die radikale Bedingung für eine solche sein.

Wenn ein Fabrikgebäude in Bangladesh einstürzt und dabei mehr als Tausend Menschen in den Tod reißt, Menschen, die für uns die Kleidung nähen, dann liegt das globale, kapitalistische Ausbeutungsverhältnis offen auf der Hand. Trotzdem findet keine institutionalisierte Forschung statt, alternative Wirtschaftsmodelle zu entwickeln. Soviel zu unserer vermeintlich Ideologie-befreiten Regierung. Schlimmer noch: Die eigentlich offensichtliche Irrationalität wird als Alternativlosigkeit verkauft. Und diese findet laut dem Philosophen Slavoj Žižek selbst im linken Lager viele Anhänger. Er sagt, dass wir fast alle implizite Anhänger des prokapitalistischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama sind, der nach dem Fall der Sowjet-Union das »Ende der Geschichte« propagierte: den Systemsieg des westlichen liberal-demokratischen Kapitalismus als bestmögliches Endstadium menschlicher Gesellschaft. Im Hinblick auf den politischen Kampf der Refugees ist eine solche Haltung bestenfalls zynisch. Und deshalb brauchen wir – neben politischer Praxis – Theorie: durch selbstorganisierte Bildung, um gegen diese ideologische Eindimensionalität anzukämpfen!

Kommt zum Lesekreis und wir werden Texte Michel Foucaults (Poststrukturalismus), Herbert Marcuses (Kritische Theorie) und Gustav Landauers (Anarchismus) auf die Begriffe Utopie und Freiheit hin lesen und einfach mal schauen, was dabei herauskommt! Denn Bildung ist immer auch: intellektuelle Bewaffnung für soziale Kämpfe!

Keine Vorkenntnisse nötig. (Es soll anspruchsvoll werden, aber natürlich nicht um den Preis, dass es keinen Spaß macht.)

Anmeldung und Infos: freiheit_und_utopie_lesekreis@bibliothekderfreien.de

15. November 2014

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Medienwandel und Anarchismus heute

Workshop zur libertären Medienkompetenz

Der Workshop soll den Erfahrungs- und Gedankenaustausch von Personen / Projekten unterschiedlicher »Generationen« und Medien unterstützen. Mögliche Themen: libertäre Medienkritik, Nutzung neuer Medien durch libertäre Projekte, Neuformulierung »alter« Medien (Internet-Radio, Zines und Buchverlage aus der DIY-Ecke), Digitalisierung, wiederentdeckte Unmittelbarkeit in medialen Orten wie Bibliotheken, Repression etc.

21. November 2014

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Tilman Leder: Die Politik eines »Antipolitikers«. Eine politische Biographie Gustav Landauers

Vorstellung einer Neuerscheinung

Gustav Landauer (1870-1919) zählt zu den bekanntesten und einflußreichsten Akteuren des deutschen Anarchismus. Seit mehr als 100 Jahren weiß sich eine Vielzahl von Personen von seinen »anti-politischen« und philosophischen Ideen beeinflußt, seine Wirkung reicht von Martin Buber und Erich Mühsam über Ernst Bloch bis zum Anarchismus der Gegenwart. Anarchie versteht Landauer als herrschaftslosen Gemeinschafts-Sozialismus im Gegensatz zu Staat und kapitalistischer Wirtschaft, als Versuch »mit Hilfe eines Ideals eine neue Wirklichkeit zu schaffen.« Mit diesem Aufruf ist Landauer unter Menschen gegangen, hat Organisationsarbeit und Agitation betrieben. Dennoch konzentrieren sich die meisten bisherigen Darstellungen und Studien über ihn auf theoretische Aspekte seines Lebenswerks und gehen oberflächlich über seine praktische »anti-politische« Tätigkeit hinweg. Die neu erschienene politische Biographie Landauers von Tilman Leder behebt die Defizite jener ungenügenden Arbeiten: Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen u.a. in den Akten der Politischen Polizei und in diversen Nachlässen wird die Tätigkeit und Entwicklung Landauers als freiheitlicher Sozialist und Anarchist innerhalb der sehr heterogenen deutschen anarchistischen Bewegung von den frühen 1890ern bis zu seiner Ermordung im Zuge der Liquidierung der Bayerischen Räterepublik im Mai 1919 erstmals im Detail erkennbar. (Buchvorstellung durch den Autor)

Tilman Leder: Die Politik eines »Antipolitikers«. Eine politische Biographie Gustav Landauers. 2 Bände. Verlag Edition AV, Lich 2014. ISBN 978-3-86841-098-3

5. Dezember 2014

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Stalins Hungergenozid in der Ukraine

›Hungersnot‹ Holzschnitt von Sofia Nalepynska-Boichuk, 1927

Die russischen Revolutionen von 1905 und 1917 wären ohne die agrarrevolutionären Massen nicht möglich gewesen – dennoch galten diese in den Augen der bolschewistischen Parteifunktionäre, die sich an der Macht festsetzten, als zutiefst primitiv und rückständig. Die bolschewistische Partei glaubte sogar ihren Machtanspruch in Gefahr zu sehen, wenn nicht den ländlichen Sozialstrukturen das Rückgrat gebrochen werde.

Mit dem Wort »Kulaken« war bald ein Kampfbegriff gegen die Bauern und die agrarisch geprägte Dorfkultur gefunden, um Zwangskollektivierungen und Terrormaßnahmen zu rechtfertigen. Nachdem (bewußt unerreichbar hoch festgesetzte) Planzahlen nicht erfüllt werden konnten, wurde insbesondere in zahlreichen ukrainischen Dörfern die Lebensmittelversorgung eingestellt; Requirierungskommandos beschlagnahmten alle vorhandenen Nahrungsmittel, verhängten Blockaden über die Dörfer und lieferten damit die ländliche Bevölkerung dem sicheren Hungertod aus. Im Zuge des »Holodomor«, der Großen Hungersnot 1932/33, starben sechs bis sieben Millionen Menschen den Hungertod, etwa die Hälfte in der einstigen »Kornkammer« Ukraine. Zur selben Zeit wurden aus der Sowjetunion 1,7 Mio Tonnen Getreide exportiert. Das Gedenken an die Opfer, welches in sowjetischer Zeit tabu war, ist auch unter den heutigen politischen Verhältnissen in Russland unerwünscht. (Vortrag und Diskussion)


Veranstaltungen 2013

Datum/Zeit Veranstaltung
25/01/2013
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Pfade durch Utopia
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
22/02/2013
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Die Rückeroberung des Bodens
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
29/03/2013
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Anne Seeck: Ohne Angst verschieden sein – Freiräume und Eigensinn in der DDR
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
26/04/2013
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Dalle Alpi Apuane – Widerständige Geschichten aus den Apuanischen Alpen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
31/05/2013
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Wolfram Beyer: Pazifismus und Antimilitarismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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25. Januar 2013

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Pfade durch Utopia

Buchvorstellung

Das Buch dokumentiert eine Entdeckungsreise auf der Suche nach postkapitalistischen Lebensformen: Vom illegalen Klima-Camp beim Londoner Flughafen Heathrow bis zum von Punks besetzten Weiler in den Cevennen, von der von ihren Schülern selbst verwalteten anarchistischen Schule bis zur englischen Agrarkommune, von besetzten Fabriken in Serbien über die Freie-Liebe-Kommune in einer alten ostdeutschen Stasi-Basis bis zum Bauernhof, auf dem Privateigentum gänzlich abgeschafft ist. Aus dieser reichen Erfahrung ist ›Pfade durch Utopia‹ entstanden, ein verführerischer Bericht, der vom Leben dieser Gemeinschaften erzählt. Vom Buch (und dem zugehörigen Film) geht die Inspiration aus, den Begriff ›Utopie‹ wieder positiv zu begreifen, ein Impuls, der in der anarchistischen Ideengeschichte seit Gustav Landauers ›Aufruf zum Sozialismus‹ (1911) lebendig ist und den Funken der Hoffnung auf Veränderung und Zukunfsaufbruch in sich trägt.

Isabelle Fremeaux und John Jordan: Pfade durch Utopia. Edition Nautilus, Hamburg 2012. 320 S., 25 EUR, ISBN 978-3-89401-763-7

22. Februar 2013

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Die Rückeroberung des Bodens

Anarchistische Strategien gegen den Landraub in Südamerika

Banken, Großgrundbesitzer und Konzerne sind auf der Jagd nach profitablem Land. Am Beispiel des Soja-Anbaus in Argentinien, Brasilien und Paraguay wird gezeigt, wie immer größere Flächen für den Anbau von Lebensmitteln verloren gehen, um stattdessen Soja für Rindermastanlagen oder für Ethanol-Beimischungen im Autobenzin zu produzieren. Der Widerstand der Landlosen-Bewegung in Brasilien verweist auf anarchistische Alternativen, die unter anderem auf Kropotkin zurückgehen. (Vortrag mit Diskussion)

29. März 2013

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Anne Seeck: Ohne Angst verschieden sein – Freiräume und Eigensinn in der DDR

Vorstellung einer Neuerscheinung

Das Buch analysiert Dissidenz in der DDR, beginnend mit den Protesten gegen den Einmarsch in Prag 1968, über die Punkbewegung in den 1980er Jahren bis hin zu rebellischen Aktivitäten von Betriebsbelegschaften im Herbst 1989. Der Band entwirft einen Spannungsbogen der DDR-Realität, der der heutigen Linken weitgehend unbekannt ist. Dieser reicht vom DDR-Punk als ‚großartigem Experimentierfeld‘ bis zur Biografien zerstörenden Stasi-Methode der Zersetzung, vom „anders sein“ als Abwehr DDR-spezifischen Stumpfsinns industriegesellschaftlicher Arbeit bis zu kaum bekannten Migrationserfahrungen. „Die Linke hat so gut wie nichts zur Aufarbeitung der DDR beigetragen. Sie reagiert nur mit Abwehr auf den Vergleich ‚der zwei deutschen Diktaturen‘. Es ist mir ein inneres Bedürfnis, mit Geschichtsmythen, mit denen auch ich in der Linken konfrontiert bin, aufzuräumen.“ (Buchvorstellung durch die Herausgeberin)

Anne Seeck (Hg.): Das Begehren, anders zu sein. Politische und kulturelle Dissidenz von 68 bis zum Scheitern der DDR. Unrast-Verlag, Münster 2012. 304 S., 18 EUR, ISBN 978-3-89771-530-1

26. April 2013

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Dalle Alpi Apuane – Widerständige Geschichten aus den Apuanischen Alpen

Ein Film von Christina Ramsauer

Inmitten der Apuanischen Alpen (Norditalien) liegt Carrara, die Stadt des weißen Marmors. Hier wird der 1. Mai in der lokalen anarchistischen Tradition gefeiert, die mehr als hundert Jahre zurückreicht. Die Filmemacherin Christina Ramsauer läßt sich vom Kampf anarchistischer Partisanen sowie vom zivilen Widerstand gegen Nationalsozialisten und italienische Faschisten erzählen und dokumentiert die rebellische Lebenskultur der Einwohner.

31. Mai 2013

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Wolfram Beyer: Pazifismus und Antimilitarismus

Vorstellung einer Neuerscheinung

Krieg ist wieder salonfähig – das Barbarische am Krieg wird medial ausgeblendet: In den Medien führt das Militär keinen Krieg, sondern unternimmt „humanitäre Aktionen“ oder „Luftschläge“. Gegen solche Verharmlosungen von Krieg und Gewalt meldet sich seit jeher die Friedensbewegung zu Wort, die auch von anarchistisch-antimilitaristischen Konzeptionen geprägt ist. Deren Ansatz ist, die Ursachen des Krieges zu benennen und konkrete Alternativen zur Überwindung von Staat und Militarismus aufzuzeigen. (Buchvorstellung durch den Autor)

Wolfram Beyer: Pazifismus und Antimilitarismus. Schmetterling Verlag, Stuttgart 2012. 240 S., 10 EUR, ISBN 3-89657-666-6

28. Juni 2013

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Die Kraft der Schmetterlinge

Ein Dokumentarfilm über alternative Lebensentwürfe von Mexiko bis Panama

Im Rahmen der Chaostheorie spricht man vom ›Schmetterlingseffekt‹, was bedeutet, dass kleinste Abweichungen langfristig ein ganzes System vollständig und unvorhersagbar verändern können. Politiker/innen verschiedener Länder betonen immer wieder, dass es derzeit keine Alternativen zum neoliberalen Wirtschafts- und Lebenskonzept gibt. ›Die Kraft der Schmetterlinge‹ (Vertrieb: Cine Rebelde) ist 2011 auf einer Reise von Mexiko nach Panama entstanden und handelt von Menschen in Mittelamerika, die statt auf Lösungen seitens ihrer Regierungen zu hoffen sich zusammentun, sich organisieren und so eigene Lösungen und Alternativen schaffen. Alle diese Projekte sind beeindruckende Beispiele für Selbstbestimmung, Selbstverwaltung und zeigen, dass es Alternativen zum kapitalistischen System gibt.

26. Juli 2013

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Erwin Jöris – aus den Fängen Hitlers ins sowjetische Arbeitslager

Buchvorstellung durch den Autor Andreas Petersen

Nur wer den vorurteilslosen Blick in die Massengräber des 20. Jahrhunderts wagt, kann eine emanzipatorische Perspektive für die Zukunft entwickeln. Dabei ist ebenso an die Massengräber des Stalinismus zu erinnern wie an Nazigegner wie Zensl Mühsam, die durch den GULAG mussten. Auch Erwin Jöris gehörte dazu, dessen Lebensweg vom Faschismus in die kommunistische Dikatur, aus den Fängen Hitlers ins sowjetische Arbeitslager führte. Heute lebt er als 100jähriger in Köln. Der Berliner Historiker Andreas Petersen hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. (Vortrag und Buchvorstellung mit Diskussion)

Andreas Petersen: Deine Schnauze wird dir in Sibirien zufrieren. Ein Jahrhundertdiktat. Erwin Jöris. 4. Aufl., marixverlag, Wiesbaden 2012, 520 S., 24,90 EUR, ISBN 978-3-86539-284-8

29. November 2013

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Viva México – Ist der Zapatismus ein indigener Anarchismus?

Ein Dokumentarfilm von Nicolas Défossé

Am 1. Januar 2006 tritt Subcomandante Marcos eine 6monatige Reise durch Mexiko an, um Menschen zu besuchen, die Widerstand leisten und für ein bessers Leben kämpfen. Von Chiapas nach Quintana Roo, von Yucatan nach Oaxaca, von Mexico City bis an die Grenze zu den USA folgen wir schrittweise den Spuren dieser Reise, auf der das Bild eines anderen Mexikos entsteht. Für jene, die die Ökonomie und das Bild des Landes kontrollieren, ist diese Reise eine Provokation. Wie werden die Mächtigen reagieren?

Der Film ›Viva México‹ (Vertrieb: Cine Rebelde) bildet den Auftakt zu unserer Reihe über den Jahrestag der zapatistischen Revolte von 1994 und die Einführung ihres Selbstverwaltungs-Modells im Jahre 2003. Unter den neuen sozialen Bewegungen weist der Zapatismus die stärksten libertären Prägungen auf, die unter anderem auf den mexikanischen Anarchisten Ricardo Flores Magón zurückgehen. (Filmvorführung und Diskussion)

20. Dezember 2013

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Der Aufstand der Würde

Ein Dokumentarfilm über zapatistische Organisationsformen in Chiapas

Mit ihrer Revolte von 1994 wehrten sich die Zapatistas gegen Diskriminierung und Ausbeutung, sie besetzten Ländereien von Großgrundbesitzern und bauten dort eigene Strukturen auf. Gut zehn Jahre später reiste ein Filmteam für 5 Monate durch Südmexiko und Mittelamerika, besuchte zapatistische Gemeinden und sprach mit den Menschen an der Basis. Der Film ›Aufstand der Würde‹ (Vertrieb: Zwischenzeit) bietet anschauliche Einblicke in selbstverwaltete Gesundheits-, Bildungs- und Landwirtschaftsprojekte, das zapatistische Politikverständnis und die internationale Bedeutung der Bewegung. (Teil 2 unserer Reihe über den Jahrestag der zapatistische Revolte von 1994, Filmvorführung und Diskussion)

 Flyer und Trailer zum Film


Veranstaltungen 2012

Datum/Zeit Veranstaltung
30/11/2012
0:00
Harmlose Bolschewismus-Kritik
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
14/12/2012
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Lucio Urtubia: Baustelle Revolution
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin

30. November 2012

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Harmlose Bolschewismus-Kritik

Über zwei linke Neuerscheinungen

Thema der Veranstaltung ist eine libertäre Untersuchung der Versuche von links, eine eigene Bolschewismus-Kritik zu formulieren – und zwar am Beispiel zweier Neuerscheinungen: ›Staat oder Revolution‹ von Hendrik Wallat und ›Nie wieder Kommunismus?‹ von Gruppe INEX (Leipzig).
Zu den blinden Flecken auch dieser beiden Darstellungen gehört, dass sie namhafte anarchistische Kritiker wie Kropotkin oder Volin und ihre bolschewismus-kritischen Analysen ignorieren; auch die Machno-Bewegung in der Ukraine wird unterschlagen. Dass mit einer derart selektiven Geschichts-Sicht nur traditionelle autoritäre Denkmuster reproduziert werden, liegt auf der Hand – es ist also für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. (Vortrag und Diskussion)

14. Dezember 2012

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Lucio Urtubia: Baustelle Revolution

Buchvorstellung

Sozialrebell, Geldfälscher, Bandit, moderner Robin Hood – die Liste der Titel, mit denen Lucio Urtubia beehrt wurde, ist lang. Sein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt, ist ein Spiegel der revolutionären Bewegungen Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Lucio Urtubia wird 1931 in einem kleinen Dorf in Navarra (Spanien) geboren und wächst unter ärmlichen Verhältnissen auf. Als er zum Militär eingezogen werden soll, desertiert er nach Frankreich, wo er fortan als Maurer arbeitet. Er bekommt Kontakt zu anarchistischen Gruppen und lernt seinen politischen Ziehvater kennen: den legendären Sabaté, der von Frankreich aus den bewaffneten Widerstand gegen die Franco-Diktatur organisiert. Die 2010 auf deutsch erschienene Autobiographie von Urtubia und der zugehörige Film rufen die Erinnerung an die Jahrzehnte des vergessenen Widerstands nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) wach.

Lucio Urtubia: Baustelle Revolution. Erinnerungen eines Anarchisten. Assoziation A, Berlin 2010. 256 S., 19.80 EUR, ISBN 978-3-935936-84-2


Veranstaltungen 2011

Datum/Zeit Veranstaltung
25/01/2011
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Anarchismus und Ökologie
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/01/2011
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»Nicht nur wer arbeitet, soll gut leben dürfen«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
25/02/2011
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»Rebellen-Heil« — Fritz Scherer: Vagabund, Wanderer, Hüttenwart, Anarchist
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/05/2011
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Bakunin und Marx in der Ersten Internationale. Zerstörung oder Eroberung der politischen Macht?
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
24/06/2011
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Anarchistischer "Brennpunkt"
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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25. Januar 2011

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Anarchismus und Ökologie

Öko-libertäre Analysen zu aktuellen Problemen

Mit Recht kann der ökologische oder auch „grüne“ Anarchismus als eine der wichtigsten und fruchtbringendsten Innovationen innerhalb der libertären Denktradition angesehen werden. In ihm verbindet sich der Kampf für die Befreiung von Individuum und Gesellschaft mit dem für den Schutz von Natur und Umwelt. Der Öko-Anarchismus setzt sich mit libertären Methoden für die Rechte anderer Arten und für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit ein. Vertreter/innen dieser Denkrichtung haben erkannt, dass hierarchische Gesellschaften erfahrungsgemäß nicht willens und auch nicht in der Lage sind, ein verträgliches Miteinander von Mensch und Natur zu gewährleisten, wobei der sog. „Realsozialismus“ und der sog. „Neoliberalismus“ nur die beiden augenfälligsten abschreckenden Beispiele darstellen.

Die Veranstaltung soll dazu anregen, aktuelle Fragen und Perspektiven in der Schnittmenge von libertärem und ökologischem Denken und Handeln zu diskutieren. Exemplarisch werden einzelne Themengebiete wie z.B. Mobilität/Verkehr und Energieversorgung beleuchtet, weitere Problemgebiete und Fragestellungen können je nach Interesse durch die Teilnehmenden eingebracht werden. (Vortrag und Diskussion)

28. Januar 2011

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»Nicht nur wer arbeitet, soll gut leben dürfen«

Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens aus libertärer Sicht
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Bibliothek der Freien und der Initiative Grundeinkommen Berlin

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens wird seit einiger Zeit nicht nur in Spezialistenkreisen, sondern auch in der breiteren Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Aus libertärer Sicht ist dies sehr zu begrüßen, da die Beseitigung des direkten und indirekten Arbeitszwangs und anderer ökonomischer Unterdrückungsverhältnisse schon immer eines der Hauptziele libertärer Bestrebungen war.

Im Rahmen der Veranstaltung soll die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in seinen verschiedenen Facetten und Aspekten vorgestellt werden und es soll Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion gegeben werden. Auf welche Weise könnte die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens zur Lösung drängender Probleme in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und soziale Innovation beitragen? Oder könnte es andererseits vielleicht auch dazu führen, der staatlichen Bürokratie neue Tätigkeitsfelder und Legitimationspotenziale zu verschaffen? (Vortrag und Diskussion)

25. Februar 2011

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»Rebellen-Heil« — Fritz Scherer: Vagabund, Wanderer, Hüttenwart, Anarchist

Eine Buchvorstellung

Fritz Scherer (1902-1988) war kein großer Agitator, er gehörte nicht zu den großen Theoretikern der anarchistischen Bewegung. Er war ein, wie es heute heißt, Aktivist. Sein Traum war die herrschaftslose Gesellschaft und dafür kämpfte er zeit seines Lebens.

Sobald der gebürtige Berliner volljährig war, trat er aus der Kirche aus und in die FAUD ein. Hier war er Kassierer und kassierte unter anderem bei Erich Mühsam. Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre zog es ihn auf die Landstraße zusammen mit Millionen Kunden und Vagabunden. Als 1929 der Vagabundenkongress in Stuttgart stattfand, war er natürlich zugegen. Etwa zur gleichen Zeit erfuhr er durch GenosseInnen von der Bakuninhütte bei Meiningen. Die Bakuninhütte verkörperte für ihn mehr als alles andere seine Idee: Liebe zur Natur, proletarische Schaffenskraft, Freiheit und Anarchie. Hier war er Hüttenwart und rettete u.a. das Hüttenbuch vor den Nationalsozialisten. Zwar wurde Fritz von den Nazis verhaftet, doch passte er so gar nicht in ihr Bild eines Anarchisten. Er war ihnen zu proletarisch, sprach Berlinerisch und war auch noch bei der Feuerwehr. Nach seiner Freilassung beteiligte er sich weiter am Widerstand gegen die Nazis.

Als Buchbinder waren Bücher bei ihm gut aufgehoben, das fanden auch seine GenossInnen. »Wenn ein Genosse stirbt, hole ich seine Bücher ab.« So manche Neuauflagen anarchistischer Klassiker nach dem zweiten Weltkrieg wären wohl ohne Fritz Scherer nicht möglich gewesen. Fritz Scherer hat Spuren hinterlassen aus seinem bewegten Leben. Diesen möchten wir uns an diesem Abend voll und ganz widmen. (Buchvorstellung und Diskussion)

»Rebellen Heil«, 63 Seiten, inkl. DVD, 19,80 Euro, ISBN: 3879563500

20. Mai 2011

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Bakunin und Marx in der Ersten Internationale. Zerstörung oder Eroberung der politischen Macht?

Vorstellung einer Neuerscheinung

Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin markiert ein entscheidendes Ereignis in der politischen Ideengeschichte. Während die von Marx beeinflusste sozialdemokratische Strömung zentralistische Organisationsformen, die Gründung nationaler Arbeiterparteien und die Eroberung der politischen Macht propagierte, waren die von Bakunin unterstützten Basisbewegungen föderalistisch und pluralistisch orientiert. Die Wege gingen daraufhin auseinander: Die Parteipolitik trennte sich von emanzipatorischen Basisbewegungen. In der Ersten Internationale (1864-1877) wurde dieser Konflikt erstmals ausgetragen: Die unterschiedlichen Richtungen fanden in Marx und Bakunin ihre stärksten Exponenten – ihre Ideendifferenz wirkt bis heute fort. Wolfgang Eckhardt, Herausgeber der Ausgewählten Schriften Bakunins, zeichnet den Konflikt um die Weichenstellung im internationalen Sozialismus nach. (Buchvorstellung und Diskussion)

Michael Bakunin: Ausgewählte Schriften. Band 6: Konflikt mit Marx. Hrsg. von Wolfgang Eckhardt. Karin Kramer Verlag, Berlin 2011. 1240 S., 78,00 EUR, ISBN 978-3-87956-342-5

24. Juni 2011

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Anarchistischer „Brennpunkt“

Aufstände in der arabischen Welt – Libertäre Umbrüche oder Diktatur neuer/alter Eliten?

Die Revolten in den arabischen Ländern haben die Hoffnungen weiter Teile der einheimischen Bevölkerungen geweckt. Angesichts der großen regionalen Unterschiede ist es jedoch schwer, ein einheitliches Bild der Lage zu gewinnen: Verschiedene libertäre Methoden, die Anwendung gefunden haben (direkte Aktion, Versammlungsdemokratie usw.), kontrastieren vielerorts mit dem Entstehen neuer Eliten, welche die vorübergehende breite gesellschaftliche Teilhabe wieder zunichte machen wollen, oder mit einer erbitterten Gegenwehr seitens der Herrschenden. Mitarbeiter der ‚Bibliothek der Freien‘ beleuchten verschiedene Aspekte der Umbrüche und stellen diese zur Diskussion.

16. September 2011

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Heiko Schmidt (Prometheus Antiquariat, Berlin): Bildkultur und ästhetische Konzepte des spanischen Anarchismus und anderer politischer Richtungen in der Zeit von 2. Republik, Revolution und Bürgerkrieg (1931-1939)

Eine Spurensuche

Ein Blick in spanische Buchhandlungen zeigt: Neben zahllosen Publikationen zu politischen und militärischen Aspekten des Spanischen Bürgerkrieges sind mittlerweile auch eine Vielzahl von Büchern erschienen, die die Künste jener Zeit zum Gegenstand haben, besonders jene, die von vornherein auf eine massenhafte Verbreitung angelegt waren, wie etwa gebrauchsgraphische Arbeiten (dort besonders die Plakate) oder auch die Fotographie. Diesen Publikationen dürften sehr unterschiedliche Motive zu Grunde zu liegen, z.B.: Erarbeitung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, oder politische Traditionsbildung, oder einfach auch Profitinteressen bei der Vermarktung sowohl der historischen Objekte wie heutiger Reproduktionen.

Juventudes

Aber tatsächlich: Es ist schon verblüffend, was in den nicht einmal drei Jahren des Bürgerkrieges z.B. an linken Plakaten produziert wurde – die Zeit von Revolution und Krieg war auch die Zeit einer seltsamen kulturellen Blüte. Diese kam allerdings nicht aus dem Nichts. Die politischen Umbrüche, die mit dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik im Jahr 1931 sowie mit Putsch und Revolution 1936 markiert werden, standen im wechselseitigen Zusammenhang mit kulturellen Umbrüchen, die besonders seit Mitte der 20er Jahre festzustellen sind und nicht zuletzt als ein Wandel von Öffentlichkeit beschrieben werden können.

Und die Anarchisten und Anarchistinnen? Was war ihr Beitrag für die politisch engagierte Kunst? Oder: Welche ästhetischen Erfahrungen vermitteln ihre Plakate, Zeitschriften, Fotos usw.? Welche Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten ergeben sich aus einem Vergleich mit den Produkten anderer linker Strömungen? Lassen sich unter den ästhetischen Konzepten spezifisch anarchistische ausmachen? Oder ist die Frage danach der falsche Ansatz? Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte.

9. Dezember 2011

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Mehr Anarchie in die Energie!

Globale, dezentrale, libertäre, öko-soziale Energie-Versorgung statt atomare, fossile Verwendung von Rohstoffen

Alternativen gib es schon genug: Sonne, Wind, Wasser, Biogas, Geothermie, Wasserstoff. Wie könnte eine libertäre Energie-Versorgung aussehen? Wie lassen sich solche öko-sozialen Anlagen in Selbstverwaltung organisieren? Wie könnten Rohstoffe gerecht und global verteilt werden? Eine Welt ohne Kapital, Profit, Kriege um Wasser, Öl, Gas und Uran wäre möglich und überlebensnotwendig. Im Rahmen des Vortrags soll versucht werden, diese Fragen im libertären, öko-sozialen Rahmen zu erläutern und einen öko-libertären »Klim@-Rettungsschirm« für Mensch, Tier und Umwelt zu entwerfen. Eine rege Diskussion ist erwünscht.


Veranstaltungen 2010

Datum/Zeit Veranstaltung
19/01/2010
0:00
Anarchismus und Technologie — ein Widerspruch?
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
26/02/2010
0:00
Members of the Tempest Library: Insurrectionary Anarchism
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
26/03/2010
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Was ist Anarchismus?
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
30/04/2010
0:00
»Escape from Freedom« Revisited
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/05/2010
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K.R.Ä.T.Z.Ä.: Demokratische Schulen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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19. Januar 2010

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Anarchismus und Technologie — ein Widerspruch?

Unkontrollierte Stellungnahmen zum Thema Technik in einer freien Gesellschaft

Der technologische Wandel vollzieht sich in einer immer schnelleren Geschwindigkeit. Dem anscheinend ungebrochenen Versprechen der Moderne gemäß, das Leben aller zu verbessern, bietet die technische Entwicklung tatsächlich viele Möglichkeiten der Kommunikation, Partizipation und Emanzipation, die es zuvor nicht gegeben hat. Während hierdurch viele Sachzwänge in Frage gestellt werden und überlieferte Herrschaftsverhältnisse an Boden verlieren, haben moderne Technologien zugleich zu nie dagewesenen Abhängigkeiten geführt, die einer freien Gesellschaft eher abträglich sind.

Von Libertären gibt es eine Vielzahl von Positionsbestimmungen zu diesem Thema: Von den Anarcho-Primitivisten in den USA, die jedwede Technik ablehnen, über Kritiker einer Technologisierung des Alltags bis hin zu Technikenthusiasten, die lediglich für eine pluralistische Entscheidungsfindung zum Einsatz von Technologie eintreten. In mehreren Kurzreferaten soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen ein emanzipatorischer Gebrauch von Technologien vorstellbar ist oder ob sie eine autoritäre Eigendynamik aufweisen, die Herrschaft stets reproduziert hat. (Kurzreferate und Diskussion)

26. Februar 2010

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Members of the Tempest Library: Insurrectionary Anarchism

Der Insurrektionale Anarchismus als eigenständige anarchistische Strömung wurde in den 1970er und 80er Jahren auf dem Höhepunkt der sozialen Spannungen in Italien theoretisch konzipiert und entwickelt. Insurrektionaler Anarchismus ist gekennzeichnet durch eine Kritik dauerhafter Massenorganisationen (Gewerkschaften, plattformistischer Vereinigungen usw.) sowie geheimer Gruppen des bewaffneten Kampfes (RAF, Rote Brigaden) und betont die nicht-dauerhafte oder informelle Organisation und den »unmittelbaren Angriff«. Der Vortrag wird sich auf die Geschichte sowie die informellen Organisationsformen des Insurrektionalen Anarchismus konzentrieren. Wir werden uns außerdem die subjektiveren Elemente des Anarchismus anschauen im Sinne einer bestimmten Logik, mit der zu experimentieren und die gelebt zu werden gilt. (Vortrag und Diskussion in Englisch mit deutscher Übersetzung)

Insurrectionary Anarchism as a distinct anarchist tendency was theorized and developed in the 1970s and 80s during the height of social tensions in Italy. Insurrectionary anarchism is characterized by a critique of permanent and quantitative organizations (unions, platformist federations, etc.) as well as clandestine armed struggle groups (RAF, Red Brigades) and emphasizes non-permanent or informal organization and »immediate attack«. The presentation will focus on the history as well as the informal organizational forms of Insurrectionary Anarchism. We will also look at the more subjective elements of anarchism as a certain logic to be experimented with and lived. (Presentation and discussion in English with translation into German)

26. März 2010

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Was ist Anarchismus?

»Der Anarchismus ist veraltet und unterkomplex«, behaupten Staatsfreunde gerne. Wir versuchen, die Bandbreite und Aktualität anarchistischer Ideen anhand folgender Themen aufzuzeigen: Medienkritik, Ökologie und libertäre Philosophie. (Kurzreferate und Diskussion)

30. April 2010

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»Escape from Freedom« Revisited

Erich Fromms Buch »Die Furcht vor der Freiheit« und seine Relevanz aus heutiger libertärer Sicht

In seinem 1941 vor dem Hintergrund von Faschismus und Stalinismus veröffentlichten Werk befasst sich der Psychologe und Sozialphilosoph Erich Fromm (1900-1980) mit den psychologischen Aspekten der Freiheit des modernen Menschen. Seiner Meinung nach hat die Freiheit dem modernen Menschen zwar einerseits Unabhängigkeit und Rationalität ermöglicht, ihn in psychologischer Hinsicht aber andererseits auch isoliert und dabei ängstlich und ohnmächtig gemacht. In dieser Situation sieht Fromm den Menschen vor die Alternative gestellt, entweder der Last seiner Freiheit zu entfliehen und sich aufs neue in Abhängigkeit und Unterwerfung zu begeben oder voranzuschreiten zur vollen Verwirklichung jener positiven Freiheit, die sich auf die Einzigartigkeit und Individualität des Menschen gründet.

In der Veranstaltung wird versucht, einige der zentralen Gedankengänge Fromms zu diesem Thema nachzuzeichnen. Gleichzeitig soll ein Eindruck von seiner methodischen Vorgehensweise vermittelt werden, die gekennzeichnet ist durch die Nutzbarmachung tiefenpsychologischer Überlegungen für die Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen.
(Vortrag mit Leseproben und anschließender Diskussion)

28. Mai 2010

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K.R.Ä.T.Z.Ä.: Demokratische Schulen

Das Thema »Bildung« hat anarchistisch inspirierte DenkerInnen und AktivistInnen seit jeher stark beschäftigt, man denke nur an Franciso Ferrers »Moderne Schule«, Leo Tolstois »Jasnaja Poliana« oder A. S. Neills »Summerhill«. Erfreulicherweise sind diese ersten libertären Bildungsprojekte nicht ohne Folgen geblieben. So gibt es gegenwärtig eine insgesamt zwar deutlich minoritäre, jedoch durchaus lebendige und vielversprechende Landschaft libertär orientierter Schulprojekte, insbesondere auch in Gestalt der sogenannten »Demokratischen Schulen«.

Im Rahmen dieser Veranstaltung zeigt die Berliner Kinderrechtsgruppe KinderRÄchTsZÄnker (K.R.Ä.T.Z.Ä.) ihren 33minütigen Dokumentarfilm »Demokratische Schulen«, der in das Konzept dieses Schultyps einführt: SchülerInnen jeden Alters entscheiden selbst, was, wann und wie sie lernen. Entscheidungen, die die ganze Schulgemeinschaft betreffen, werden durch eine basisdemokratische Schulversammlung beschlossen, in der jede/r SchülerIn und jede/r MitarbeiterIn eine gleichwertige Stimme hat. Nach dem Film ist Zeit für Fragen und Diskussion.

25. Juni 2010

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Die Hog Farm Kommune

Eine hierzulande fast vergessene Keimzelle der Hippie-Subkultur in den USA der 60er Jahre

Nachdem 2009 mit dem vierzigsten Jubiläum von Woodstock dem Ende der Hippie-Ära auch offiziell mit allergrößter Aufmerksamkeit gedacht wurde, wollen wir uns im Jahr 2010 mit einem ihrer Ursprünge beschäftigen.

Die Hog Farm (mit ihrem Spiritus Rector, dem Clown Wavy Gravy), die damals eine der bekanntesten Großkommunen in den USA war, gilt auch als eine der Keimzellen der Hippie-Bewegung. In ihrem Konvoi bunt bemalter, ausrangierter alter Linienbusse fuhren ihre Mitglieder kreuz und quer durchs Land. Dabei verstanden sie diese Touren nicht nur als »Werbekampagne« für ihren alternativen Lebensstil, sondern sahen gleichzeitig darin auch einen spirituell-psychedelischen Trip, bei dem man nicht nur Land und Leute kennenlernte, sondern sich auch selbst fand.

Der Vortrag versucht, diese ausgeflippte Zeit der späten 60er Jahre, in denen der Traum eines von allen Zwängen befreiten Lebens geradezu greifbar nahe erschien, nochmals Revue passieren zu lassen. (Vortrag und Diskussion)

24. September 2010

Ganztägig
Johann Bauer: Ein weltweiter Aufbruch!

Über den gewaltfreien Anarchismus der 70er Jahre, Kritik an der RAF und die »Mescalero-Affäre« Vorstellung einer Neuerscheinung

Die Bewegungen der 70er Jahre werden in Darstellungen der Massenmedien meist auf einen einzigen Konflikt reduziert: RAF contra Staat. So wird die Geschichte emanzipatorischer und alternativer sozialer Bewegungen marginalisiert. In dem Buch »Ein weltweiter Aufbruch!« wird aus der Geschichte der Graswurzel-Bewegung nach ’68 erzählt, die eine Programmatik gewaltloser Revolution entwickelte. Dabei wandte sie sich gegen den bestehenden Herrschaftsapparat, aber auch gegen leninistische Parteimodelle und eine Militarisierung revolutionärer Bewegungen. Durch die tatsächliche Massenaktionsbewegung gegen Atomenergie wurden neue Formen der Selbstorganisation hervorgebracht, was zum Zerfall autoritärer Konzepte, aber auch zur Bildung neuer Partei-Illusionen geführt hat. So sind viele der emanzipatorischen Ideen, die seit den 60er Jahren entwickelt wurden, bis heute aktuell geblieben und sollten angesichts der ökonomischen und gesellschaftlichen Umbrüche neu diskutiert werden. (Buchvorstellung durch den Autor)

29. Oktober 2010

Ganztägig
»Die Freiheit, die ich meine …« — Der Freiheitsbegriff aus libertärer Sicht

»Freiheit« — welch ein hehres Wort. Ein jeder führt es im Munde und fordert Freiheit, spielt sich gar als ihr Förderer auf. So ist es nicht verwunderlich, dass dieses in den letzten 200 Jahren meist ge- und missbrauchte Wort seinen eigentlichen Sinn immer mehr verloren hat und weithin nur noch als bloße Worthülse gebraucht wird. Heutzutage ist »Freiheit« ein Synonym für alles Mögliche, nur eben nicht für das, was seine ursprüngliche Bedeutung ausmachte, nämlich ohne jede Bevormundung, in jeder Beziehung uneingeschränkt und eigenverantwortlich leben und handeln zu können. Alle hierarchischen Gesellschaftssysteme von rechts bis links oder der Mitte benutzen daher den Begriff Freiheit immer nur in Teilaspekten wie z.B. als »nationale Freiheit«, »Freiheit von Ausbeutung«, »Freiheit des Westens« oder »freie Marktwirtschaft«. Dabei wird die Unteilbarkeit des Begriffs Freiheit stets ausgeklammert. Auf diese Weise ist Freiheit oft dort am wenigsten vorhanden, wo sie am lautesten beschworen wird. In mehreren Kurzbeiträgen versuchen einige Mitarbeiter der Bibliothek der Freien, ihren persönlichen Freiheitsbegriff zum Ausdruck zu bringen, um aufzuzeigen, dass es wirkliche Freiheit nur in einem herrschaftsfreien Umfeld geben kann. (Kurzvorträge und Diskussion)

26. November 2010

Ganztägig
Alternative Lebensgemeinschaften: Strukturen, Vernetzung, Perspektiven

Der Rückzug aus der kapitalistischen Gesellschaft und das Ausprobieren alternativer Lebensweisen, die Suche nach einem richtigen Leben im Falschen, gehören spätestens seit den 70er Jahren zu den oft propagierten Lösungsansätzen zur Schaffung einer freieren Gesellschaft. Oft wird solchen Gemeinschaften vorgeworfen, sie stellten einen Rückzug ins Private dar, verlören den Zugang zum Rest der Gesellschaft. Andere behaupten, sich den Zwängen des Kapitalismus zu entziehen sei unmöglich, jeder Versuch auszubrechen führe zum Scheitern.

Aber wieviel steckt hinter den Vorwürfen, wieviel hinter dem Lob? Wie sehen alternative Lebensgemeinschaften heute überhaupt aus? Sind sie nur private Rückzugsorte oder Orte der Zusammenkunft? Isolierte Enklaven, der Gnade des Kapitalismus ausgeliefert oder ein erstarkendes Netzwerk mit Zukunft? Fehlgeleitete Öko-Spinner oder die einzig wahren Revolutionäre?

Ein Mitglied der Bibliothek der Freien, konfrontiert mit viel Theoretischem, aber wenig Material zu den existierenden Gemeinschaften, präsentiert und debattiert die Resultate einer kritischen Forschungsreise durch alternative Lebensgemeinschaften in Berlin und Umland. (Vortrag und Diskussion)

10. Dezember 2010

Ganztägig
Libertäre Bücherstunde

Mitarbeiter der Bibliothek der Freien präsentieren ihre libertäre Lieblingslektüre aus 2010

Das nahende Jahresende nehmen Mitarbeiter der Bibliothek der Freien zum Anlass, eigene libertäre Lieblingstexte vorzustellen, mit denen sie sich im Jahr 2010 auseinandergesetzt haben. Sie präsentieren zentrale Textpassagen und laden zur gemeinsamen Diskussion ein. Im einzelnen stehen folgende Bücher auf dem Programm:

»Gründungskongreß der Ersten Internationale in Spanien« (1870): Schon auf ihrem ersten Landeskongreß in Barcelona brachten die spanischen Internationalisten ihr sozialrevolutionäres und anarchistisches Sozialismusverständnis zum Ausdruck. Durch das Kongreßprotokoll sind die intensiven Diskussionen anschaulich und lebendig überliefert.

»Das Gedächtnis der Besiegten«: Ein historischer Roman des Autors Michel Ragon, der die wichtigsten Phasen und Etappen des 20. Jahrhundert erzählerisch miteinander verknüpft und aus anarchistischer Sicht nacherzählt.

»Der kommunitäre Sozialismus« (aus: »Wege aus einer kranken Gesellschaft«): Der Sozialphilosoph Erich Fromm (1900-1980) legte im Rahmen dieser im Jahr 1955 erschienenen Publikation eine nach wie vor aktuelle Gesellschaftskritik und -analyse vor und entwickelte gleichzeitig einen konsequent emanzipatorischen Gegenentwurf in Gestalt eines „Kommunitären Sozialismus“, der hier in seinen Grundzügen vorgestellt werden soll.

(Buchvorstellungen und Diskussion)


Veranstaltungen 2009

Datum/Zeit Veranstaltung
09/01/2009
Ganztägig
Anarchistische Föderation Berlin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
27/02/2009
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Carl Einstein — ein verdammender Prophet der Moderne
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
27/03/2009
Ganztägig
Jo*Peace: Anarchie und Spiritualität
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
24/04/2009
Ganztägig
Magnus Klaue: Wie sich Völker bilden
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
29/05/2009
Ganztägig
Christoph Grüner: Anarchismus und Internet
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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9. Januar 2009

Ganztägig
Anarchistische Föderation Berlin

Anarchismus für das 21. Jahrhundert

Die Anarchistische Föderation Berlin (AFB) stellt ihren Organisierungsprozess unter Berücksichtigung von historischen Vorläufern vor. Der Schwerpunkt liegt auf Anarchismus im 21. Jahrhundert. Anarchismus organisieren?! (Vortrag und Diskussion)

27. Februar 2009

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Carl Einstein — ein verdammender Prophet der Moderne

Sinnsuche eines libertären Denkers

Carl Einstein

Carl Einsteins Ruhm als einer der profundesten Kenner und Kritiker der Kunst und Kultur der Moderne, den er in den 20er und 30er Jahren genoss, scheint heute weitestgehend verblasst zu sein. Bereits 1912 nahm er in seinem Anti-Roman »Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders« die Stilistiken von DADA und Surrealismus vorweg. Mit seiner Schrift über die »Negerplastik« (1915) war er einer der ersten, die den eigenständigen ästhetischen Wert dieser außereuropäischen Kunstwerke erkannten und würdigten. Die 1926 von ihm herausgebrachte »Kunst des 20. Jahrhunderts« kann bis heute als eine der fulminantesten Schriften über die Entwicklung der künstlerischen Tendenzen seiner Zeit angesehen werden. In den 20er Jahren einer der eigenwillig scharfzüngigen Publizisten und Kritiker der Republik von Weimar, ging Einstein 1928 nach Paris und gab dort zusammen mit Georges Bataille und Michel Leiris die einen neuen erweiterten Kulturbegriff vertretende Zeitschrift »Documents« heraus. Anfang der 30er Jahre vollzog Einstein dann mit seiner Schrift: »Fabrikation der Fiktionen« eine beispiellose Abrechnung mit der idealistischen Intellektuellenkultur, dieser radikale Bruch mit seinen früheren Versuchen, die Kunst der Moderne einer kollektiven Massenbasis zu vermitteln, schlug ihn nun auf die Seite des aktiven politischen Handelns. 1936 kämpfte Einstein auf Seiten der Anarcho-Syndikalisten in der Kolonne Durruti gegen die Faschisten. 1940 nahm er sich auf der Flucht vor den Nazi-Truppen das Leben. Der Vortrag versucht Einsteins Leben und Werk in seiner Vielschichtigkeit mit all seinen Brüchen neu zu beleuchten und so seine Existenz, die er selbst zum permanenten Experiment erhob, dem Vergessen zu entreißen. (Vortrag und Diskussion)

27. März 2009

Ganztägig
Jo*Peace: Anarchie und Spiritualität

In ihrem Erstlingswerk »Anarchie — selbstbestimmtes Leben als Therapieform« versucht Jo*Peace Perspektiven zu erarbeiten, die fernab von politischen Kämpfen das Individuum in den Fokus rücken. Denn genau hier fängt Anarchie an: als Selbstbestimmung der einzelnen Person. Als Einstieg werden Teile aus dem Buch vorgelesen, in denen inhaltliche Aspekte der Anarchie mit denen der Spiritualität verknüpft werden. Noch immer scheuen sich viele Menschen davor, eine Existenz jenseits des Materiellen anzuerkennen. Dass sie damit einen jahrhunderte alten Dualismus aufrechterhalten und unbewusst das gedankliche Erbe dieser zerstörerischen Zivilisation fortführen, steht dabei ebenso zur Diskussion, wie die daraus resultierende Blockierung der eigenen Selbstbestimmung. Spiritualität hat in diesem Sinne nichts mit Tarotkarten oder Räucherstäbchen zu tun, sondern bezeichnet das wieder erlangte Bewusstsein der Menschen über ihre energetische Existenz, als Teil eines unendlichen Kosmos. Dass die Logik politischen Handelns mit der Mystik des universalen Eins-Seins in keinem Widerspruch steht, sondern ganz im Gegenteil fruchtbare Anknüpfpunkte bietet, ist ein Hauptanliegen des Buches. Die jüngste Generation der Libertären hat sich Liebe, Luxus, Anarchie auf die Fahnen geschrieben. Ob sie diesen Ansprüchen gerecht werden (will) und welche Horizonte trotz alle dem noch immer im Verborgenen liegen, können wir gemeinsam klären. (Buchvorstellung durch die Autorin)

24. April 2009

Ganztägig
Magnus Klaue: Wie sich Völker bilden

Not und Gemeinschaft in der anarchistischen Theorie des 20. Jahrhunderts

Attila

Die Nationen- und Staatskritik anarchistischer Theoretiker geht fast stets einher mit einem emphatischen Verständnis von »Gemeinschaft«, die wahlweise als »Volk«, »Kameradschaft« oder »Brüderlichkeit« vorgestellt wird. Anhand der Schriften Erich Mühsams und deren Kropotkin-Rezeption soll nachvollzogen werden, wie der anarchistische Gemeinschaftsbegriff mit seiner undialektischen Kritik der Abstraktionen des Staats und der Warenform, denen ein »gerechter« Tausch sowie »anschauliche« Lebens- und Produktionsformen entgegengehalten werden, nicht nur nolens volens regionalistische Vorstellungen von Gemeinschaft reproduziert, sondern »Gemeinschaft« nur als Notgemeinschaft zu fassen vermag, die sich unter dem Druck des Überlebenszwangs gegen den perhorreszierten Überfluß der Marktgesellschaft konstituiert. Demgegenüber entwickeln die Schriften Gustav Landauers einen Begriff des Anarchismus, der die Verallgemeinerung von Luxus und Genuß gegenüber der Reduktion von Gesellschaft zur Bedarfsgemeinschaft einklagt und nicht auf Liquidation, sondern auf Einlösung des bürgerlichen Autonomiegedankens zielt. Daß nicht Landauers, sondern Mühsams Gemeinschaftsmodell mittlerweile den Sieg davon getragen und sich unter dem Label des Poststrukturalismus als konsensfähiges Ideologieangebot verallgemeinert hat, soll abschließend an Deleuzes / Guattaris »Tausend Plateaus« gezeigt werden, die sich bis in die Metaphorik hinein als postmodernes Revival anarchistischer Theoriebildung lesen lassen. (Vortrag und Diskussion)

29. Mai 2009

Ganztägig
Christoph Grüner: Anarchismus und Internet

Das Internet spielt im Zuge der technologischen Revolution eine immer wichtigere Rolle für anarchistische Vernetzung, sei es zur Diskussion, Organisation oder zur Verbreitung libertärer Ideen. Verschiedentlich wird sogar behauptet, das Internet sei an sich eine libertäre Einrichtung, ein herrschaftsfreies Netzwerk, das alle Hierarchien untergräbt. Spektakuläre Aktionen der Zensurumgehung, Online-Demos usw. haben zu diesem Ruf beigetragen, obwohl solche direkten Aktionen nicht immer dauerhafte Auswirkungen haben. Dennoch sind selbstbestimmte Online-Gemeinschaften mit eigenen Regeln entstanden, die libertär funktionieren, ohne ein anarchistisches Etikett für sich zu beanspruchen. Das Medium Internet ist darüber hinaus zunehmend ein Werkzeug zur Wissensakkumulation, aus dem sich Potenziale hinsichtlich einer Partizipation und Emanzipation für den Einzelnen ergeben können — so wäre die Online-Enzyklopädie Wikipedia als kollaborative Plattform ohne das Internet nicht vorstellbar. Anhand von Onlineprojekten soll erörtert werden, in wie weit sich das Medium eignet, libertäre Konzepte zu vermitteln und was für Möglichkeiten der Beteiligung existieren. (Vortrag und Diskussion)

26. Juni 2009

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»Müsste man, um zu siegen, auf öffentlichen Plätzen Galgen errichten, so will ich lieber untergehen.«

Errico Malatesta

Lesung von Malatesta Texten

Getrieben von dem Wunsch nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit für alle, kämpfte Errico Malatesta (1853 – 1932) fast sein Leben lang für eine soziale Revolution. Er gilt als Mitbegründer der anarchistischen Bewegung in Italien. In seinen Texten wandte er sich oftmals ganz unterschiedlichen Fragen rund um den Anarchismus zu, dabei überzeugen seine Texte vor allem durch die Klarheit seiner Worte und Gedanken. An diesen Abend sollen, neben einem kleinen Überblick über Malatestas Leben und Wirken, einige seiner zahlreichen Texte von Mitgliedern der Bibliothek vorgetragen werden. Anschließend soll noch Möglichkeit zur Diskussion rund um diese Texte gegeben werden.

11. September 2009

Ganztägig
Qual der Wahl

Wahlbetrug

Warum uns keine Bundestagswahl einer Freien Gesellschaft näher bringen wird

Auf der hektischen Suche nach dem kleineren Übel bleibt die Idee häufig unberücksichtigt, gar nicht erst am Spektakel der Wahlen teilzunehmen. Vorgestellt wird der reiche Fundus an wahl- und parlamentarismuskritischen Analysen und Praktiken, die aus der anarchistischen Ideengeschichte hervorgegangen sind. Ferner sollen unter anderem die Themen Antiparlamentarismus, Wahlboykott und Ungültig wählen auf ihre Tauglichkeit für emanzipatorische Aktions- und Verhaltensmöglichkeiten überprüft werden. (Kurzreferate und Diskussion)

30. Oktober 2009

Ganztägig
Anarchismus 2.0 — Bestandsaufnahmen. Perspektiven.

Anarchismus 2.0

Buchvorstellung mit dem Herausgeber Jochen Knoblauch sowie den AutorInnen Wolfram Beyer, Ralf Landmesser, Maurice Schuhmann und Elisabeth Voß

Der Band »Anarchismus. Eine Einführung« von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch in der Reihe »theorie.org« arbeitete die Grundlagen libertärer Weltsicht (Stirner, Bakunin, Landauer etc.) auf. Von Rudolf Rocker einmal abgesehen, hat allerdings keiner dieser Klassiker in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gewirkt. Dies und die Tatsache, daß spätestens nach 1945 die anarchistische Bewegung gezwungen war, sich von Grunde auf organisatorisch und inhaltlich neu zu positionieren, unterstreicht die Notwendigkeit der Anthologie »Anarchismus 2.0« zu aktuellen Tendenzen des Anarchismus. Da nun neben ausgewiesenen Experten auch AktivistInnen selbst zu Wort kommen sollen, wurde die Form einer Anthologie gewählt, um den berücksichtigten Themen ein Höchstmaß an Authentizität zu verleihen. (Lesung und Diskussion)

Aus dem Inhalt:

  • »Freiheit ohne Gewalt – für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft« von Wolfram Beyer
  • »Neue Soziale Bewegungen: Von der Alternativszene bis Attac« von Ralf Landmesser
  • »Anarchismus als Kulturbewegung« von Maurice Schuhmann
  • »Gemeinsam wohnen und arbeiten. Kommunen und andere selbstorganisierte Lebensgemeinschaften« von Elisabeth Voß

27. November 2009

Ganztägig
Jenseits von Kapitalismus und Staatssozialismus: Anarchistische Positionen zum Thema Wirtschaft

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit den Zürcher AnarchistInnen

Strike Bike Team

Anarchisten benötigen in aller Regel keine aktuelle Wirtschaftskrise, um zu erkennen, dass die heute weltweit vorherrschende Form der Ökonomie unvernünftig ist. Sie lehnen jedoch den Staatssozialismus oder die zentralistische Planwirtschaft genauso ab wie den Kapitalismus, egal ob er nun eher neoliberal oder sozialstaatlich daherkommt. Stattdessen setzen sie auf eine selbstbestimmte »dezentrale Bedürfnisproduktion« (Horst Stowasser). Da die anarchistische Wirtschaft ohne Staat, Partei(en) und Privateigentum auskommen will, stellen sich besondere Anforderungen an sie, denen Rechnung zu tragen ist in Gestalt von geeigneten Strukturen und Abläufen, aber auch in Form einer entsprechenden Kultur. Im Rahmen der Veranstaltung werden verschiedene Strukturierungsmöglichkeiten und Organisationsformen vorgestellt, die geeignet sind, diese Anforderungen an ein funktionierendes, herrschaftsfreies Wirtschaften zu erfüllen. Dabei werden sowohl praktische Erfahrungen (z.B. während der Spanischen Revolution) als auch theoretische Überlegungen aus der anarchistischen Literatur berücksichtigt. Außerdem soll die Gelegenheit genutzt werden, um darüber nachzudenken, welche Schritte bereits heute ergriffen werden können, um den Übergang zu einer herrschaftsfreien und solidarischen Wirtschaftsweise einzuleiten. (Vortrag und Diskussion)

11. Dezember 2009

Ganztägig
»Ich brauche Deine Nähe … dadurch werde ich stärker«

Bakunin und seine Frau Antonija Kwiatkowska

Bakunin Und Antonija Kwiatkowska

Die bisweilen Aufsehen erregenden Details von Bakunins Leben haben die Phantasie mancher Autorinnen und Autoren derart angeregt, daß ihre Schilderungen Bakunins mitunter ins Spekulative abgleiten. Zu diesen oft recht mutwillig kommentierten Aspekten gehört auch Bakunins Beziehung zu seiner jungen Ehefrau Antonija, die mal als einfältige Marionette, mal als Provinzschönheit geschildert wird. Statt als Projektionsfläche für die Mutmaßungen von Zeitgenossen und Historikern sollte Antonija als eigenständige Person und wichtiger Faktor in Bakunins Leben wahrgenommen werden. In dem 2007 erschienenen »Bakunin-Almanach« wurde eine Studie über Bakunin und seine Frau publiziert, mit der Antonija erstmals aus dem Dunkel geholt wird und in der zahlreiche Dokumente in deutscher Erstveröffentlichung publiziert worden sind, unter anderem mehrere Liebesbriefe der beiden. (Vortrag/Lesung und Diskussion)


Veranstaltungen 2008

Datum/Zeit Veranstaltung
25/01/2008
20:00 - 21:00

Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
01/02/2008
20:00 - 22:00
Gerd Koch: Ein Autor blickt in sein altes Buch: »Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune« (1974)
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
07/03/2008
20:00 - 22:00
Revolution - Mythos von gestern oder Konzept für morgen?
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
04/04/2008
20:00 - 22:00
Anarchosyndikalisten in der Weimarer Rebublik am Beispiel Sömmerda (Thüringen)
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
09/05/2008
20:00 - 22:00
Gabriel Kuhn: Seattle und die Folgen. »Neuer Anarchismus« in den USA
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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25. Januar 2008

20:00 - 21:00

Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell

Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell. Libertäre und humanistische Positionen.

Buchvorstellung und Diskussion

Die Buchautoren Helga Weber und Wolfgang Zucht (Kassel), Harry Hoffmann und Wolfram Beyer werden anwesend sein. Sie sind aktiv u.a. im HerausgeberInnen-Kreis der Zeitschrift Graswurzelrevolution und der Internationale der Kriegsdienstgegner/innen (IDK).

Der Humanismus formuliert Positionen in freidenkerischer Form. Er stellt den Menschen als Natur- und Sozialwesen in den Mittelpunkt. Die Würde des Menschen ist Ausgangs- und Endpunkt des Denkens und Handelns, sowie seiner Einmaligkeit und Individualität. Dieser Humanismus ist nichtreligiös und beinhaltet sowohl atheistische wie auch agnostische Auffassungen.

Im Pazifismus ist der Leitgedanke die Ablehnung von Krieg und Gewalt und die Suche nach gewaltlosen Lösungen von zwischenstaatlichen Konflikten sowie die Überwindung von kriegerischen Ursachen in der Gesellschaft.

Das Buch (Textsammlung) »Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell« will zum Handeln gegen Kriegsursachen ermutigen. In der Kritik stehen Staat und Militär, die christlichen Kirchen und andere religiöse Formen.

Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell. Libertäre und humanistische Positionen. (Textsammlung) Herausgegeben von Wolfram Beyer im Oppo Verlag Berlin 2007, 160 S., 16,00 EUR, ISBN: 978-3-926880-16-1

1. Februar 2008

20:00 - 22:00
Gerd Koch: Ein Autor blickt in sein altes Buch: »Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune« (1974)

Gerd Koch Zerstört Den Staat

Das sechs Jahre nach dem Aufbruch von 1968 geschriebene Büchlein über die Kommune-Interpretation von Marx und Bakunin ist Ausdruck einer Zeit, die in vielem anders gestrickt war als die Gegenwart. Das Ringen um die Aneignung sozialistischer Theorien, Konstruktionsversuche einer Aktionseinheit aus Marxismus und Anarchismus usw. waren Themen, welche die emanzipatorischen Bewegungen der 70er Jahre in Westdeutschland beschäftigten und auch für das Buch »Zerstört den Staat! Marx und Bakunin über die Pariser Kommune« relevant waren. Dessen Autor Gerd Koch blickt in sein altes Buch, erinnert sich an Kontext und Beweggründe der Publikation und läßt dabei charakteristische Merkmale jener Zeiten erkennen – und der heutigen. (Vortrag und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat in Wortlaut veröffentlicht

7. März 2008

20:00 - 22:00
Revolution – Mythos von gestern oder Konzept für morgen?

Der Wunsch, sich aus bedrückenden politischen Verhältnissen zu befreien, beschäftigt die Menschen seit frühesten Zeiten bis in die Gegenwart. Aber wurde die Verheißung einer freien Gesellschaft jemals durch eine Revolution eingelöst? Anarchistische Bewegungen haben versucht den autoritären Risiken, die durch Revolutionen freigesetzt werden, entgegenzutreten – sie setzten statt dessen auf Basisorganisationen, föderale Strukturen oder etwa auf das moderne Konzept der gewaltfreien Revolution. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion soll das Für und Wider anarchistischer Revolutionskonzepte untersucht sowie eine Bilanz gezogen werden.

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

4. April 2008

20:00 - 22:00
Anarchosyndikalisten in der Weimarer Rebublik am Beispiel Sömmerda (Thüringen)

Soemmerda

Sömmerda, eine thüringische Kleinindustriestadt (Rheinmetall) war von 1919 bis 1933 eine Hochburg der FAUD. Im März 1920 erreichte die FAUD ihren Zenit. 2100 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von 8000 [Die blutigen Ereignisse im März 1920 im Verlauf des Kapp-Putsches]. Ihr Widerstand gegen Rüstungsaufträge. Die Genossenschafts-Projekte von 1927 bis 1933. Rudolf Rocker, Emma Goldman und der Schriftsteller Theodor Plivier warnen 1932 in Referaten vor den Gefahren des Faschismus. Widerstandsaktivitäten im Nazi-Faschismus. Darunter 1936 illegale Spendensammlung für die CNT in Spanien.

9. Mai 2008

20:00 - 22:00
Gabriel Kuhn: Seattle und die Folgen. »Neuer Anarchismus« in den USA

Kuhn Neuer Anarchismus In Den USA

Die Proteste gegen das Treffen der Welthandelsorganisation in Seattle 1999 übten wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung gegenwärtiger US-amerikanischer Widerstandskultur aus. Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Entwicklung ist das Wiedererstarken einer anarchistischen Bewegung, die heute zu einem großen Teil die politische Dissidenz des Landes definiert. Der vorliegende Band präsentiert diese Bewegung anhand neunzehn individuell eingeleiteter und kommentierter Texte. Die Texte verbinden die Präsentation einflussreicher AutorInnen (Lorenzo Komboa Ervin, David Graeber, John Zerzan, Starhawk, Ward Churchill), Kollektive (CrimethInc., NEFAC, ALF/ELF) und Konzepte (Black Anarchism, Primitivismus, post-linke Anarchie, Postanarchismus, Freeganism) mit Darstellungen anarchistischer Alltagskultur (Evasion, Sascha Scatters Nachruf auf Brad Will) sowie Diskussionen um die Renaissance des Schwarzen Blocks (ACME-Kollektiv), Machoattitüden innerhalb der anarchistischen Szene (Rock-Bloc-Kollektiv), Segregationsprobleme sozialer Bewegungen (Elizabeth Martinez) und anarchistischer Ökonomie (Michael Albert). Ein allgemeiner Einführungstext zur Geschichte des Anarchismus in den USA eröffnet den Band.

Gabriel Kuhn ›Neuer Anarchismus‹ in den USA . Seattle und die Folgen. Unrast Verlag, März 2008, 304 S., 16.8 EUR, ISBN-13: 978-3-89771-474-8

6. Juni 2008

20:00 - 22:00
Tönende Freiheit: Ein Versuch zum Thema Anarchie und Musik

Stummes Lied oder Der indignierte Virtuose

Gibt es eigentlich eine genuin anarchistische Musik? und wenn ja wie hört sie sich an? Oder ist der Anarchismus als antihierarchische, sozialrevolutionäre Idee doch von den streng mathematischen Strukturen der Kunstgattung Musik soweit entfernt, daß eine wirkliche Verschmelzung zwischen beiden Welten unmöglich erscheint? Bleibt somit der Musik auch im Anarchismus wie in allen anderen gesellschaftlichen Systemen, nur eine untergeordnete, gerüstartig – unterstützende Rolle zum Transport ideologisch relevanter Inhalte zugedacht, wie wir sie alle aus den sattsam bekannten Liedern vom spanischem Bürgerkrieg bis zu den Rocksongs der Band »Ton, Steine, Scherben« her kennen? Der Anarchismus war und ist von Anfang an ein großes Versprechen auf Freiheit in allen Bereichen des menschlichen Lebens. Ebenso gibt es in verschiedenen Erscheinungsformen der neueren Musik, Bestrebungen nach Befreiung und Entgrenzung die von der »klassischen Avantgarde« über Free Jazz oder psychedelic Rock bis hin zu Industrial und anderen Formen der »konsequenten« Musik reichen.

In wie weit diese musikalischen Undergroundphänomene anarchistisches Potential besitzen, sei es inhaltlich, organisatorisch oder gar musikalisch soll in diesem Vortrag behandelt werden, wobei die oben genannte Frage bis zum Schluß offen bleibt.

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht

5. September 2008

20:00 - 22:00
Anarchismus. Eine Einführung

»Die Gesellschaft kann sich nicht selbst regieren«, behaupten alle Archisten. Wir versuchen die Funktionalität anarchistischer Gesellschaftsentwürfe anhand folgender Themen aufzuzeigen: Anarchismus und Kultur, Parlamentarismuskritik, Gewaltfrage, Organisationstheorie, aktuelle Anwendungen in der Gegenwart. (Kurzreferate und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurden Referate im Wortlaut veröffentlicht

10. Oktober 2008

21:00 - 22:00
Werner Portmann: Skeptizismus und Anarchismus: Max und Siegfried Nacht

Werner Portmann: Skeptizismus und Anarchismus: Max und Siegfried Nacht

Vorstellung einer Neuerscheinung

Max Nacht (alias Nomad, 1881-1973) und sein Bruder Siegfried (alias Arnold Roller, 1878-1956) haben zu Lebzeiten immer wieder Staub aufgewirbelt: Max‘ kritischer Jubiläumstext zum 80. Geburtstag Rudolf Rockers ärgerte den Gefeierten dermassen, dass auf seine Intervention hin der Text erst 9 Jahre später in gedruckter Form erschien. Seine Artikel und öffentlichen Reden zum Anarchismus, dass dieser nicht viel radikaler sei als die Sozialdemokratie, veranlassten Pierre Ramus mit ihm in einem Zeitungsartikel als anarchistischem Konvertiten bitterböse abzurechnen. Er entwickelte eine eigene Ideologie der gesellschaftlichen Umwälzung („skeptischer Anarchismus“) und beteiligte sich noch im hohen Alter als Publizist in den USA an den Diskussionen um den im Zuge von 1968 wieder entdeckten Anarchismus.

Max‘ Bruder Siegfried war einst als Königsmörder verhaftet worden, redigierte Broschüren mit Titeln wie ‚Der soziale Generalstreik‘ oder ‚Die direkte Aktion‘, die Welterfolge waren, in mehr als 17 Sprachen veröffentlicht wurden und nach 1968 erneut Grossauflagen verzeichneten. Er berichtete als erster im deutschsprachigen Raum von der grossen anarchistischen Bewegung Spaniens und verbreitete die Idee des revolutionären Syndikalismus und des Generalstreiks. Bei der politischen Polizei Europas galt er als klügster Kopf des Anarchismus. Zusammen mit Rocker, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, gehörte er zu den wenigen VordenkerInnen des Anarchosyndikalismus im deutschen Sprachraum.

Über das fast vergessene „schöne Brüderpaar“ ist jetzt die erste Biographie erschienen. In seiner Buchvorstellung (mit Diskussion) geht der Autor Werner Portmann auch der Frage nach, ob die beiden mehr als nur interessante historische Figuren sind und welche Relevanz ihre Ideen für den heutigen Anarchismus haben können.

Werner Portmann: Die wilden Schafe. Max und Siegfried Nacht. Zwei radikale, jüdische Existenzen. Unrast Verlag, Münster 2008. 176 S. ISBN-13: 978-3-89771-455-7

7. November 2008

21:00 - 23:00
Uwe Timm: Erinnerungen eines unbequemen Libertären.

Uwe Timm - Verlorene Kindheit Errungene Freiheit

Vorstellung einer Neuerscheinung

In seiner Autobiografie »Verlorene Kindheit – Errungene Freiheit« zieht Uwe Timm (* 1932) eine Lebensbilanz, umreißt die Grundlagen seines Anarchismus und gibt Denkanstöße für eine libertäre Offensive. Nach seiner schweren Kindheit in der NS-Zeit schildert Timm seine ersten Kontakte mit anarchistischen Ideen in der frühen Nachkriegszeit, das konfliktreiche Zusammentreffen von alten und jungen Libertären nach 1968, die marxistische Indoktrination des Neoanarchismus, aber auch Um- und Irrwege heutiger Libertärer. Als Konstrukteur im Anlagenbereich eines Industrieunternehmens, Betriebsrat, Querdenker und Individual-Anarchist ist Timm mit vielen Millieus vertraut und tritt dementsprechend für einen pluralistischen Anarchismus ein: »Es wird kaum möglich sein, alle Menschen für eine libertäre Gesellschaft zu gewinnen, weshalb die Formel ‚Alles oder Nichts‘ immer in eine Isolation führt. Vielmehr ist darauf zu setzen, freiheitlichen Menschen Alternativen einzuräumen. Privat- oder Kollektiveigentum, sozialistischer oder liberaler ‚weltanschaulicher Unterbau‘ – das ist gleichgültig. Entscheidend ist nur eine gemeinsame Erkenntnis: Wer Menschen daran hindert, ihr eigenes Leben zu leben, selbstbestimmt als Individuum oder in Gruppen, Gesellschaften, Genossenschaften, Betrieben, wie auch immer diese sich organisieren, der handelt als Aggressor.« (Buchvorstellung durch den Autor)

Uwe Timm: Verlorene Kindheit – Errungene Freiheit. Biografie eines unbequemen Libertären. Oppo-Verlag, Berlin 2007. 206 S., 19 EUR, ISBN 978-3-926880-17-8

5. Dezember 2008

21:00 - 23:00
Schwarze Perlen. Leidenschaftliche Plädoyers für den Anarchismus

Perle

Welche Libertären haben uns am meisten beeinflusst, welche Texte haben uns geprägt, wessen Ideen sind noch immer aktuell? In mehreren Beiträgen werden prägnante Zeugnisse der anarchistischen Ideengeschichte zur Diskussion gestellt, die nur ein Ziel haben: Einsprüche gegen die Anmaßung der herrschenden Verhältnisse zu sein. (Lesungen mit Diskussion)


Veranstaltungen 2007

Datum/Zeit Veranstaltung
12/01/2007
21:00 - 23:00
Christian Bartolf: »Der Atem meines Lebens.« Der Dialog von Mahatma Gandhi und Bart de Ligt über Krieg und Frieden [1928-1932]
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
02/02/2007
21:00 - 23:00
Siegbert Wolf: Milly Witkop-Rocker und andere RevolutionsträumerInnen, Luftmenschen’ und Kinder des Schtetls
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
02/03/2007
0:00
»Du sollst nicht herrschen«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
13/04/2007
21:00 - 23:00
Subcoma, eine Alternative zum Neoliberalismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
04/05/2007
20:00 - 22:00
Hartmut Rübner: Agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969-1972
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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12. Januar 2007

21:00 - 23:00
Christian Bartolf: »Der Atem meines Lebens.« Der Dialog von Mahatma Gandhi und Bart de Ligt über Krieg und Frieden [1928-1932]

Christian Bartolf Der Atem meines Lebens

Der holländische Pazifist Bart de Ligt attackierte das Anti-Wehrpflicht-Manifest der »War Resisters’ International« von 1926, da er den darin enthaltenen Appell an das internationale Staatensystem für falsch hielt. Hierüber begann er in den folgenden Jahren mit Mahatma Gandhi einen bemerkenswerten Dialog, der im Jahr 2000 erstmals veröffentlicht wurde. Der Herausgeber Christian Bartolf liest Auszüge aus der deutschsprachigen Übersetzung und zeichnet die Traditionslinien dieser libertären Kontroverse bis zum aktuellen »Manifest gegen die Wehrpflicht und das Militärsystem« nach. (Buchvorstellung und Diskussion)

2. Februar 2007

21:00 - 23:00
Siegbert Wolf: Milly Witkop-Rocker und andere RevolutionsträumerInnen, Luftmenschen’ und Kinder des Schtetls

Siegbert Wolf Ja, ich kämpfte

Vorstellung einer Neuerscheinung

In der jüdischen ArbeiterInnenbewegung engagierten sich viele junge AnarchistInnen. Sozialisiert in einem religiösen Elternhaus, gehörten sie schon bald zu den EnthusiastInnen einer revolutionären Utopie, die sich die Aufhebung von Herrschaft und gesellschaftlichen Zwängen auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Zugleich repräsentierten sie einen sozialrevolutionären Radikalismus, der mit seiner Verheißung einer Befreiung aller Jüdinnen und Juden wie auch der gesamten Menschheit durchaus Parallelen im jüdischen Glauben aufwies. Am Beispiel von Milly Witkop-Rocker wird Siegbert Wolf, Co-Autor einer neuerschienenen Anthologie über radikale Jüdinnen und Juden, den biographischen Ausprägungen von Anarchismus und Judentum nachgehen. (Buchvorstellung und Diskussion)

Werner Portmann, Siegbert Wolf: »Ja, ich kämpfte« Von Revolutionsträumen, Luftmenschen’ und Kindern des Schtetls. Biographien radikaler Jüdinnen und Juden. Unrast-Verlag, 2006, 316 S., 19 EUR, ISBN 3-89771-452-3

2. März 2007

0:00
»Du sollst nicht herrschen«

Du sollst nicht herrschen

Unkontrollierte Stellungnahmen über Anarchismus und Religion

»Solange wendet sich das Leben dem Glauben zu, dem zerbrechlichstem im Leben, im realen Leben, versteht sich, bis dieser Glaube am Ende verloren geht.« Dieser berühmte erste Satz André Bretons aus seinem Manifest des Surrealismus von 1924 scheint in der heutigen Zeit gerade durch das Leben Lügen gestraft zu werden. Inwieweit wir es heute wirklich mit einer Renaissance des Religiösen zu tun haben, oder ob es sich hierbei, wie einige Wissenschaftler herausgefunden haben wollen, um ein genetisch determiniertes Programm im Gehirn handelt, das in unsicheren Zeiten bei manchen Menschen ein verstärktes Bedürfnis nach Spiritualität und Transzendenz produziert, oder es sich nur um eine krankhafte [aber heilbare] geistige Verirrung handelt, die in der gesamten Menschheitsgeschichte von Machthabern zur Legitimation ihrer Herrschaft ausgenutzt wurde, soll in mehreren unkontrollierten Stellungnahmen kritisch analysiert werden. (Kurzreferate und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

13. April 2007

21:00 - 23:00
Subcoma, eine Alternative zum Neoliberalismus

Subcoma

Anhand des Buches »Subcoma« des Schweizer Autors PM wird in Verbindung mit der Ideenwelt des vor kurzem verstorbenen Ökoanarchisten Murray Bookchin eine libertäre Zukunftsvision vorgestellt, eine Erweiterung des libertären Bausteins der Kommune im globalen Rahmen, eine Vernetzung von großen und kleinen Kommunen. Darin enthalten ist die Dreierverbindung Subsistenz – Community – Antipatriarchat und damit ein Gegenentwurf zum heutigen weltweiten Turbo-Kapitalismus und einer lethargischen Linken, die vergessen hat, dass eine Welt zu erobern ist, wenn auch nicht mit den alten Machtstrukturen. (Vortrag und Diskussion)

4. Mai 2007

20:00 - 22:00
Hartmut Rübner: Agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969-1972

Agit 883 Vorstellung einer Neuerscheinung

Viele haben von ihr gehört, aber die wenigsten haben sie in der Hand gehal  ten: Die Berliner Zeitung Agit 883. Als Medium der Gegenöffentlichkeit strahlte sie in den Jahren 1969 bis 1972 weit in die Bundesrepublik aus. Agit 883 war das auflagenstärkste Organ des parteiunabhängigen Linksradikalismus jener Tage. Die Redaktionsräume der Zeitung waren der Ort von Begegnungen und lautstark wie zum Teil handgreiflich ausgetragenen Konfrontationen i  nnerhalb des linken Spektrums: Anarchisten trafen hier auf Maoisten, Antiimperialisten waren mit engagierten Mitgliedern von Basisgruppen konfrontiert, Sozialisten versuchten sich einen Reim auf Hasch- und Wermutrebellen sowie rote Bauarbeiter zu machen. Musiker verfolgten die Redaktionsdebatten genauso wie angehende Journalisten.

 

In den öffentlichen Redaktionstreffen der 883 verdichtete sich, was die Linke jener Tage in Szenelokalitäten, Kommunen und Wohngemeinschaften geredet, nachgedacht und nächtelang diskutiert hatte. Rund 250 politische Gruppen nutzten die Zeitung – sie sprengte die zuvor überwiegend verbandsförmig bestimmte Öffentlichkeit der Studentenbewegung. Agit 883 kann als Spiegelbild eines Neuzusammensetzungs- und Suchprozesses der radikalen Linken in den Jahren 1969/70 gelten. Die Zeitung war nicht nur theoretisches Medium, sondern visualisierte das vibrierende Lebensgefühl der Linken in Berlin. Agit 883 war mit dem durcheinander gewirbelten Layout und in der Sprache in irritierender Weise anders. Es ist augenfällig: Für diese linke Generation stand die Revolution auf der Tagesordnung. (Buchvorstellung und Diskussion)

rotaprint 25 [Hrsg.]: Agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969-1972. Assoziation A, 2006, 296 S. [inkl. CD mit sämtlichen Ausgaben der Agit 883], 22.00 EUR, ISBN 3-935936-53-2

1. Juni 2007

20:00 - 22:00
Die Bakunin-Hütte in Meiningen [Thüringen]

Die Bakunin-Hütte in Meiningen

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, einer Zeit mit großen Versorgungsschwierigkeiten, taten sich Mitglieder der Freien Arbeiter-Union Deutschlands [Anarcho-Syndikalisten] zusammen, ein Stück Land zu erwerben. Die anarchosyndikalistischen Arbeiterinnen und Arbeiter bauten dann Mitte der 1920er Jahre eine Hütte auf, die vor kurzem, im Jahre 2006, endlich zurückgewonnen wurde. Mitglieder berichten sowohl von der Geschichte der Bakunin-Hütte als auch vom aktuellen Geschehen. (Vortrag und Diskussion)

7. September 2007

20:00 - 22:00
Was ist Anarchismus?

»Es gibt keine Alternative«, behaupten die Herrschenden noch heute. Wir versuchen die Aktualität des Anarchismus als eines emanzipatorischen Gesellschaftsentwurfs aufzuzeigen: Herrschaftskritik, anarchistische Wirtschaftsideen, selbstbestimmte Organisationsformen und Anwendungen in der Gegenwart. (Vortrag und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

5. Oktober 2007

20:00 - 22:00
Gianluca Falanga: Befreiung von der Lohnarbeit. Arbeitsverweigerung als anarchistische Strategie

Nocivita69

Lohnarbeit ist Zwang, selbst wenn sie einem gefällt. Die »Erpressung« von Arbeit im Namen der bürgerlichen Arbeitsmoral beherrscht weiterhin die Menschen – und zwar trotz der technologischen Entwicklung, die den Zusammenhang von materieller Produktion und menschlicher Arbeitsleistung inzwischen weitgehend aufgelöst hat: Immer mehr materieller Reichtum wird unter Verzicht auf menschliche Arbeit geschaffen. Automatisierung und mikroelektronische Revolution haben in den westlichen Gesellschaften einen Wandel herbeigeführt, der die strukturierende Funktion der Arbeit im Leben der Gesellschaft und in der Biografie jedes einzelnen Menschen in Frage stellt. Trotzdem werden wir vom Arbeits- und Leistungszwang nicht befreit. Das emanzipatorische Ziel einer Gesellschaft, in der man leben darf, ohne arbeiten zu müssen, hat viele Feinde – aus allen staatspolitischen Lagern: »Wer nicht arbeitet«, verlangen sie, »soll auch nicht essen.«

La classe

Zeitgemäß wäre dagegen eine Kultur gegen die Lohnarbeit. Wir brauchen keine Bewegung, die die Lohnarbeit verteidigt, sondern eine, die deren Abschaffung anstrebt. Die italienische Geschichte der 1960er und 70er Jahre kann dafür Ideen liefern. Damals forderte zuerst die Arbeiter-, dann die Jugend- und Studentenbewegung von 1977 die Befreiung vom Zwang zur Lohnarbeit – ein entscheidender Baustein für ihre Vision einer radikalen Umwälzung der Gesellschaft. Arbeitsverweigerung galt ihnen als »Quelle der Intelligenz, der Technologie und des Fortschritts.« (Referat mit Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut in deutsch und italienisch veröffentlicht.

 

19. November 2007

21:00 - 23:00
Horst Stowasser: Vom Zorn und von der Freiheit

Anarchie Stowasser

»Anarchie!«, das deutschsprachige Standardwerk über den Anarchismus von Horst Stowasser, ist im März erschienen und stand bereits im Juni auf Platz 1 der deutschen Sachbuchbestenliste ­ inzwischen liegt es in zweiter, korrigierter Auflage vor. In einer Mischung aus Lesung und Plauderei wird der Autor das Buch vorstellen und die Zuhörerschaft in die faszinierende Welt der anarchistischen Ideen entführen, von ihren Experimenten und Visionen berichten ebenso wie von ihren Triumphen, Niederlagen und neuesten Projekten. In der anschließenden Diskussion soll der Versuch unternommen werden, auf die Frage »Was ist eigentlich Anarchie?« eine oder auch mehrere Antworten zu finden.

Horst Stowasser: Anarchie!. Idee – Geschichte – Perspektiven. Edition Nautilus, 2007, 510 S., 24,90 EUR, ISBN-13: 978-3894015374

Eine Veranstaltung der Bibliothek der Freien
mit Unterstützung der Anachistischen Föderation Berlin


Veranstaltungen 2006

Datum/Zeit Veranstaltung
13/01/2006
20:00 - 22:00
»Die Badewanne« Ein surrealistisches Künstlerkabarett der frühen Nachkriegszeit
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
03/02/2006
20:00 - 22:00
Gerhard Bauer: Erich Mühsam posthum. Mit vergänglichen Worten dem Tod trotzen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
03/03/2006
20:00 - 22:00
"Abolishing the Borders from Below": Eine anarchistische Ost-West-Zeitschrift aus Berlin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
07/04/2006
20:00 - 22:00
Barbara Görres Agnoli: Johannes Agnoli. Eine biografische Skizze
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
09/05/2006 - 23/05/2006
Ganztägig
Aktionstage 2006
1 2 3

13. Januar 2006

20:00 - 22:00
»Die Badewanne« Ein surrealistisches Künstlerkabarett der frühen Nachkriegszeit

Ein surrealistisches Künstlerkabarett der frühen Nachkriegszeit

Gab es einen deutschen Surrealismus? In der surreal anmutenden Trümmerlandschaft Berlins, unmittelbar nach der sogenannten Stunde Null 1949-1950 gab es ihn. Beschworen wurde er von einer überschaubaren Gruppe unentwegter Dichter wie Johannes Hübner und Lothar Klünner sowie unterschiedlicher bildender Künstler wie u.a.: Heinz Trökes, Alexander Camaro, Wolfgang Frankenstein und Werner Heldt, um nur einige zu nennen. Ihr Forum war ein Künstlerkabarett mit dem schönen Namen »Badewanne«. In diesem lebte die Grundidee der künstlerischen Avantgarde seit dem Cabaret Voltaire wieder auf, die man die Idee eines Gesamtkunstwerks als Varieté nennen könnte. Mit ihren frappierenden Darbietungen verwirrten und begeisterten sie das kulturell ausgehungerte Nachkriegspublikum gleichermaßen. Sie proklamierten in der Vier-Sektoren-Stadt ihre Zone 5 der Freiheit und der Kunst und knüpften so an die durch die Nazizeit gekappten Verbindungen zur internationalen Avantgardekunst wieder an. Diese verbanden sie mit den damals aktuellsten Bestrebungen der Künstler und Intellektuellen wie z.B. dem Existentialismus. Dieser Ort des freien Denkens, der durchdrungen war von einem subversiven Geist, der gegen ein Erstarken alter und neuer Autoritarismen gleichermaßen den Stachel löckte, fand dann in den Jahren nach der Währungsreform und der Restauration der Adenauerzeit ein jähes Ende. (Vortrag und Diskussion)

3. Februar 2006

20:00 - 22:00
Gerhard Bauer: Erich Mühsam posthum. Mit vergänglichen Worten dem Tod trotzen

Erich Mühsam [1878-1934]

Mühsam der Rebell, der Clown und Spötter, der Menschenfreund, der Mahner mit seiner eigenen, fast schüchternen Autorität, der Märtyrer, der selbst in den Händen der NS-Schergen seiner Sache treu blieb: Er ist unvergesslich, er lebt bis heute kräftig nach. Wie steht es um den Schriftsteller Mühsam? These: Seine vielen Kampfermutigungslieder sind durchweg erkrampft und gestelzt, devot, nichts als gut gemeint. Haltbar und bis heute klingend sind seine Frechheiten, die persönlichen wie die politischen, beide zumeist gereimt. Skrupel, Selbstwidersprüche, Schwächen, Launen, selbst Kindereien und Kalauer scheinen derzeit überzeugender als Gewissheiten woher auch immer. Die Haltbarkeit gerade des Vergänglichen gibt zu denken. (Vortrag und Diskussion)

3. März 2006

20:00 - 22:00
„Abolishing the Borders from Below“: Eine anarchistische Ost-West-Zeitschrift aus Berlin

Abolishing the Borders from Below»Abolishing the Borders from Below« ist ein Kollektiv, das überwiegend aus in Berlin lebenden anarchistischen MigrantInnen besteht. Das Kollektiv gründete sich im Herbst 2001 aus einer Gruppe osteuropäischer Aktivisten, später kamen Migranten aus anderen Teilen der Welt hinzu.

Das Kollektiv gibt ein gleichnamiges zweimonatiges Magazin heraus. Das Magazin kommentiert und analysiert verschiedenste soziale, politische und kulturelle Ereignisse in Osteuropa aus anarchistischer Perspektive. Der Inhalt wird durch ein relativ stabiles Netzwerk von Korrespondenten in verschiedenen Regionen Osteuropas zusammengestellt. Ihre Beiträge werden durch den in Berlin arbeitenden Teil des Kollektivs ediert und gedruckt. Die Zeitschrift wird durch Distributoren in verschiedensten Regionen der Welt verbreitet und kostenlos an Infoläden in Osteuropa, ebenso wie an Gefangene weltweit verschickt. AbolishingBB arbeitet auf no profit Basis. Die Intention der Zeitschrift ist, eine bessere Kommunikation und Vernetzung zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen in Europa und der Welt zu ermöglichen und anzuregen.

Über die Zeitschrift hinaus organisiert das Kollektiv eine Radiosendung, eine hauptsächlich Osteuropa bezogene anarchistische Bibliothek, verschiedene Solidaritätsaktionen, Informationsveranstaltungen und kulturelle Events. Wir kooperieren in unserer Arbeit mit anderen anarchistischen Gruppen, Projekten und Kampagnen überwiegend [aber nicht nur] in Osteuropa, und unterstützen lokale und globale Kämpfe gegen jede Art von Unterdrückung und für eine freie Gesellschaft. (Projektvorstellung und Diskussion)

7. April 2006

20:00 - 22:00
Barbara Görres Agnoli: Johannes Agnoli. Eine biografische Skizze

Johannes Agnoli

Vorstellung einer Neuerscheinung

Die Assoziation der Freien und Gleichen gehörte zu Johannes Agnolis [1925-2003] »Blütenträumen« [wie Goethe zu sagen pflegte]. Sein Leben, sein politisches und gesellschaftliches Engagement galt sowohl der Analyse der Wirklichkeit, als auch perspektivisch oder sogar utopisch eine andere gesellschaftliche Formation anzustreben. Keiner Doktrin vielmehr dem Satz »De omnibus est dubitandum« [an allem ist zu zweifeln] vertrauend, hielt er den bloßen Zweifel an den Positionen der anderen [der Gegner] für substanzlos. Denn es ginge darum, die eigenen »Hauptquartiere« – und sei es ironisch-selbstkritisch – zu bombardieren. Der kritische Stachel war für ihn Ursprung und Gegenstand des Nachdenkens, ob dies oder jenes überhaupt zutreffend sei. Wenn er auch all dies ganz mit Hilfe seiner Munition, seiner fast legendären Zettelwirtschaft bestritt, so soll er nicht zur Legende werden.

(Buchvorstellung durch die Autorin)

9. Mai 2006

Ganztägig
Aktionstage 2006

9. Mai 2006
Die Kommune als libertärer Baustein

Die kommunale Demokratie in der Geschichte von der Antike bis heute – Politik von unten, föderativ, freiheitlich-sozialistisch contra Staats- und Kapitalinteressen – Lokalismus und Interdependenzen. Die Kommunalisierung der Wirtschaft – Von der dualen Macht, ein langer, mühsamer Weg zur sozialen Ökologie. (Vortrag und Diskussion)

12. Mai 2006
Individualanarchismus

Der Ausdruck individualistischer Anarchismus bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen Gesellschaft, in der die Freiheit jedes Individuums [von äußerem Zwang] den höchsten Wert darstellt und soweit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Maße eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen gleichermaßen über diese Freiheit verfügen. (Vortrag und Diskussion)

16. Mai 2006
Krise der Demokratie – libertäre Auswege

Die Politikverdrossenheit geht um. Sie verbreitet sich noch durch die Bemühungen der »politischen Klasse«, staatliche Aufgaben zu reduzieren, womit sie den wachsenden sozialen Herausforderungen immer weniger gerecht wird. Gleichzeitig meinen immer mehr Bürgerinnen und Bürger, dass sie ihre gemeinsamen Angelegenheiten selbst besser regeln können. Diese Selbstorganisation von Interessen findet ihr theoretisches Konzept in der Theorie der Herrschaftslosigkeit, der Sozialphilosophie des Anarchismus. (Vortrag und Diskussion)

18. Mai 2006
Beschwerden mit der parlamentarischen Demokratie

Nicht schlecht, aber auch nicht gut: das notorische Urteil über die parlamentarische Demokratie. Verbesserungen sind jedoch möglich, allerdings nur jenseits der üblichen Ideen von direkter Demokratie. Der Vortrag stellt zwei Ansätze vor: Demarchie, ein weitgefasstes Projekt einer Demokratie ohne Staat, und Bürgergutachten, ein bereits bewährtes Verfahren der demokratischen Willensbildung. (Vortrag und Diskussion)

23. Mai 2006
»Sozialismus ist eine Kulturbewegung« Gustav Landauers »Aufruf zum Sozialismus«

Der deutsch-jüdische Sozialphilosoph und Kulturkritiker Gustav Landauer [1870-1919] zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschsprachigen Anarchismus. Sein politisches Hauptwerk »Aufruf zum Sozialismus« basiert auf einem Vortrag aus dem Jahre 1908, der drei Jahre später erstmals in erweiterter Form publiziert wurde und bis heute zahlreiche Neuauflagen erlebte. (Lesung und Diskussion)

26. Mai 2006

20:00 - 22:00
Thorsten Hinz: Verlorene Kunst, wieder entdeckte Freiheit

Verlorene Kunst nach Jacques-Louis David: »Lepeletier« [1793], zerstört um 1827, 200x150, Öl auf Asche, Franz Schuck, 2005

– oder von der Suche nach Anarchie wo sie niemand vermutet. Zur Ausstellung von Franz Schuck

Die Kunst, die Franz Schuck [*1966] malt und zeigt, ist weniger »verloren« als vielmehr wiedergefunden. Schuck hat Bilder neu gemalt, die durch Kriege oder andere Ereignisse zerstört wurden. Anhand von alten Katalogen oder Photographien versucht Schuck die Bilder nahezu authentisch wieder zu erschaffen. Die Öl auf Asche Technik, die er dabei verwendet, zeigt das Moment der Vergänglichkeit, das allem Anfang innewohnt.

In der Ausstellung wird unter anderem die Rekonstruktion des Bildes »Die Ermoderung Lepelletiers« des Malers Jacques-Louis David [1748-1825] gezeigt, der als der berühmteste Maler der Französischen Revolution gilt. Ausgehend von diesem Bild wird Thorsten Hinz bei seiner Eröffnungsrede der Frage nachgehen, weshalb die Anarchie weitaus mehr Freiheitspotentiale in sich trägt als es in dem berühmten Zitat von Michael Bakunin »die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust« allgemein assoziiert wird. Kunst, Anarchie, Zerstörung und Freiheit sind Begriffe, die in der Kunst von Schuck einen Ausdruck suchen, sie sind aber auch Begriffe, die für alle Libertären konstitutiv sind. (Einführungsvortrag zur Ausstellung)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

16. Juni 2006

20:00 - 22:00
»Eine Gesellschaft nach menschlichem Maß«

»Eine Gesellschaft nach menschlichem Maß«

Lesung aus »Ökotopia« von Ernest Callenbach [*1928]

In seinem 1975 veröffentlichten Zukunftsroman »Ökotopia« setzt der US-Amerikaner Ernest Callenbach dem heutigen Szenario beschädigter zwischenmenschlicher Beziehungen und der zunehmenden Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen das libertäre Ideal einer Versöhnung der Bedürfnisse von Mensch und Natur entgegen. Für eine ernsthafte Suche nach gesellschaftlichen Alternativen hat das utopische Gemeinwesen der Ökotopianer mit seinen dezentralen politischen Strukturen, einer weitgehenden Selbstverwaltung aller Lebensbereiche, der Abkehr vom ökonomischen Effizienzdenken und protestantischer Arbeitsethik, der konsequenten Eingliederung von Techologie und Architektur in natürliche Kreisläufe auch nach 30 Jahren nichts von seiner Ausstrahlung verloren. »Das Schöne an diesem Buch besteht darin, daß man auf jeder Seite weiß: Es handelt sich um eine Utopie, ein Märchen. Aber eben um eine mögliche Utopie, wie sie, hier und heute, Wirklichkeit werden könnte.« [Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt]. (Lesung und Diskussion)

7. Juli 2006

20:00 - 22:00
Anarchie und Geologie: Auf Kropotkins Spuren

Sand, Kies und Ton aus Berlin und Brandenburg. Zement von Rüdersdorf und Marmor aus Carrara. Braunkohle-Abbau in Cottbus. Bio, Wind und Solar statt Atom, Öl und Kohle. Visionen einer öko-libertären Geologie und freiheitlichen Gesellschaft. (Vortrag und Diskussion)

1. September 2006

20:00 - 22:00
Holger Marcks: »Geschichte wird gemacht«

Über die emanzipatorische Aneignung von Geschichte

Die Verfügungsgewalt über die Geschichte und die Hegemonie ihrer Lesarten stellen wesentliche Instrumente zur Aufrechterhaltung politischer Systeme dar. Ob nun durch bewusste Manipulation geschichtlicher Fakten zur besseren Machtlegitimation oder durch normative Festschreibungen des herrschenden Konsens – es werden Traditionslinien erfunden, die den status quo historisch sanktionieren und soziale Befriedung garantieren.

Die Durchbrechung des konventionellen Geschichtsbildes und die Verwerfung der »Geschichte von Mächtigen« bedeutet die Aneignung emanzipatorischer Lektionen aus der Geschichte – eine notwendige Bedingung, um Lethargie zu überwinden und Geschichte als »machbar« zu begreifen. Der Vortrag setzt anhand von Beispielen auseinander, welche Mechanismen dem Zweck geschichtsmäßiger Herrschaftslegitimation dienen und weshalb einer »Geschichte von unten« wichtige subversive Potentiale innewohnen. (Vortrag und Diskussion)

10. November 2006

20:00 - 22:00
Von der Kritik der Arbeitswelt zur Revolution in Spanien. Simone Weil und der Anarchismus

Von der Kritik der Arbeitswelt zur Revolution in Spanien. Simone Weil und der Anarchismus

Vorstellung einer Neuerscheinung.

Mit einer Mischung aus wissenschaftlichen und zeitgenössisch-politischen Texten erinnert dieses Buch an die anarchistische Lebens- und Schaffensphase Simone Weils [1909-1943], jener praxisnahen Philosophin, die lange Zeit nur als Christin rezipiert und gewürdigt wurde. Sie stellte sich den schlimmsten Tragödien des 20. Jahrhunderts [Faschismus, Nationalsozialismus, Stalinismus, Revolution und Bürgerkrieg in Spanien] als gewaltkritische Anarchistin in einzigartiger Weise und entwickelte aus ihren Lebenserfahrungen einen heute noch aktuellen, utopischen Entwurf dessen, was Freiheit im politisch-gesellschaftlichen Bereich sowie in der Arbeitswelt bedeutet. Buchvorstellung vom Übersetzer Lou Marin.

Charles Jacquier [Hg.]: Lebenserfahrung und Geistesarbeit. Simone Weil und der Anarchismus. Mit Texten von Domenico Canciani, Robert Chenavier, Charles Jacquier, Géraldi Leroy, Adriano Marchetti, Louis Mercier-Vega, Anne Roche, Patrice Rolland, Boris Souvarine, Simone Weil. Aus dem Französischen von Lou Marin, Beate Seeger, Silke Makowski. Verlag Graswurzelrevolution, 2006, 384 S., 24,80 Euro, ISBN 3-939045-04-7

1. Dezember 2006

21:00 - 23:00
Thomas Wagner: Die Renaissance der Irokesen in der Politischen Theorie

Thomas Wagner: Die Renaissance der Irokesen in der Politischen TheorieLibertäre Perspektiven auf indigene Selbstverwaltung im 21. Jahrhundert

Im Anschluss an den viel Aufsehen erregenden US-Historikerstreit um den Anteil der Irokesen an der Entstehung und Entwicklung der US-Verfassung versuchen immer mehr AutorInnen den Innovationsbedarf der Politischen Theorie durch Anleihen bei den Irokesen zu stillen. Innovativ sind diese Arbeiten vor allem dann, wenn sie mit Hilfe des indianischen Beispiels die eurozentristische Fabel von der griechischen Urstiftung der Demokratie und der zivilisatorischen überlegenheit der westlichen Welt zu widerlegen verstehen und durch das Studium indianischer Institutionen Ideen für die friedliche Gestaltung einer von indigenen Gemeinschaften und Nationalstaaten gemeinsam bewohnten Welt gewinnen. Zur gleichen Zeit entwickelt eine neue Generation irokesischer Intellektueller und politischer Aktivisten [Warriors] männlichen wie weiblichen Geschlechts aus ihrem kulturellen Erbe eigene Theorien politischer Emanzipation, mit deren Hilfe die Irokesen, allen voran die traditionellen Clan-Mütter und Konföderationshäuptlinge, nach zweihundert Jahren kolonialer Bevormundung offensiver denn je für ihr Recht auf Land und politische Selbstbestimmung kämpfen. Buchvorstellung durch den Autor.

Thomas Wagner: Irokesen und Demokratie. Ein Beitrag zur Soziologie interkultureller Kommunikation. LIT Verlag, 2004, 400 S., 21.90 EUR, ISBN 3-8258-6845-1


Veranstaltungen 2005

Datum/Zeit Veranstaltung
21/01/2005
21:00 - 23:00
René Talbot (Irren-Offensive): Der Staat - Beispiel Psychiatrie.
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
18/02/2005
21:00 - 23:00
Bernd Kramer: Gefundene Fragmente über Haschrebellen und Anarchos (1967-1980)
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
18/03/2005
21:00 - 23:00
Jacques Prévert: »Ich bin nur einer, der nicht gehorcht«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/05/2005
20:00 - 22:00
Individualanarchismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
17/06/2005
20:00 - 22:00
Hartmut Rübner: Eine Analyse des revolutionären Syndikalismus in Deutschland
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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21. Januar 2005

21:00 - 23:00
René Talbot (Irren-Offensive): Der Staat – Beispiel Psychiatrie.

Psychiatrische Grausamkeiten werden im allgemeinen mit der Fürsorgepflicht des Staates legitimiert. Strafmaßnahmen – heißt es – seien nur zum Besten des Bestraften, weil er ja selbst nicht mehr entscheiden könne, was gut für ihn ist. Damit werden Personen mit abweichendem Verhalten, ungewöhnlichen Gedanken- und Gefühlsäußerungen willkürlich internierbar und, einmal eingesperrt, Zwangsbehandlungen unterzogen. (Vortrag und Diskussion)

18. Februar 2005

21:00 - 23:00
Bernd Kramer: Gefundene Fragmente über Haschrebellen und Anarchos (1967-1980)

Gefundene Fragmente über Haschrebellen und Anarchos

Neben der sogenannten Studentenrevolte entstand in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre jenseits der Universitäten eine Jugendbewegung, deren Buntheit, Lautheit und Vielfältigkeit in Westberlin bald nicht mehr zu übersehen war. In dem von Bernd Kramer herausgegebenen Buch werden charakteristische Dokumente, Flugblätter und Pamphlete dieser kulturrevolutionären Jugendbewegung veröffentlicht, aus der sich der Anarchismus neu entwickelte. (Buchvorstellung durch den Herausgeber)

18. März 2005

21:00 - 23:00
Jacques Prévert: »Ich bin nur einer, der nicht gehorcht«

Jacques Prévert

Ein Surrealist der ersten Stunde. Vorgestellt von Joachim Rist

Prévert (1900-1977), Chansondichter, Drehbuchautor, Dramatiker und Collage-Künstler, gehörte zu den populärsten französischen Dichtern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinem vielschichtigen Werk, beständig durchsetzt mit subversivem Humor, hat er eine fundamentale Revolte gegen die Finsternis der spätbürgerlichen Welt zum Ausdruck gebracht. Sein poetisches Werk ist ein humorvoll-sarkastischer Rundumschlag auf alle den Machterhalt der repressiven bürgerlich-kapitalistischen Ordnung dienenden »Werte« wie Religion, Patriotismus, lustfeindliche Arbeitsmoral und sonstige Auswüchse der herrschenden Sklavenmoral. Dieser von ihm als Todeskultur denunzierten Zivilisation stellte er seinen »Skandal des Glücks« entgegen, ein Bekenntnis zu einem befreiten, lustvollen Leben allen gesellschaftlichen Widrigkeiten zum Trotz. (Vortrag und Diskussion)

20. Mai 2005

20:00 - 22:00
Individualanarchismus

Der Ausdruck individualistischer Anarchismus bezeichnet ein im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts entstandenes Konzept einer zukünftigen Gesellschaft, in der die Freiheit jedes Individuums [von äußerem Zwang] den höchsten Wert darstellt und soweit wie möglich gewährleistet sein soll, d.h. nur in dem Maße eingeschränkt ist, das sich daraus ergibt, dass alle Individuen gleichermaßen über diese Freiheit verfügen. (Vortrag und Diskussion)

17. Juni 2005

20:00 - 22:00
Hartmut Rübner: Eine Analyse des revolutionären Syndikalismus in Deutschland

Der Syndikalist

Der Vortrag geht den historischen Wurzeln des Anarchosyndikalismus in Deutschland nach und skizziert den aktuellen Forschungsstand. Thematisiert werden außerdem die Beziehungen der syndikalistischen Bewegung zum Anarchismus, die sozialen Strukturen der Freien Arbeiter-Union Deutschlands [Anarcho-Syndikalisten], die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die zu ihren Organisationserfolgen beitrugen, sowie die Gründe, die für den Niedergang des Anarchosyndikalismus in Deutschland verantwortlich sind. (Vortrag und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde Referat im Wortlaut veröffentlicht.

15. Juli 2005

20:00 - 22:00
»Warum wir den Staat los werden sollten«

John Burnheim: Is Democracy possible ?Eine Gesellschaft ohne Staat, wie geht denn das konkret? Der australische Philosoph John Burnheim hatte hierzu einen Vorschlag: In seinem Werk »Is Democracy possible?« von 1985 [dt. »Über Demokratie«, 1987] zeigte er detailliert, wie »ein Gemeinwesen ohne jede staatliche Zentralverwaltung auskommt«; er begründete aber auch, wozu das gut sein soll. Sein pragmatischer und experimenteller Ansatz fand im Spätsozialismus der 80er Jahre wenig Beachtung, dennoch lohnt es sich, Burnheims ungewöhnlich originelle Ideen neu zu würdigen und in einen anarchistischen Kontext zu stellen. (Vortrag und Diskussion)

23. September 2005

20:00 - 22:00
Uschi Otten: »den Tagen, die kommen, gewachsen zu sein«

Zenzl Mühsam

Die Lebensgeschichte Zenzl Mühsams in Briefen und Dokumenten

Der Lebensweg von Zenzl Mühsam, Frau des Anarchisten und Schriftstellers Erich Mühsam, gleicht einer Odyssee: von der Flucht aus Deutschland nach dem Tod ihres Mannes, über das Leben im Russischen Gulag, bis zu ihrer politischen Verfolgung durch DDR-Funktionäre. An den Editionen aus Mühsams Nachlass war sie entscheidend beteiligt. Uschi Otten ist Historikerin, Regisseurin und freischaffende Autorin und hat sich auf die Erforschung des Lebens von Zenzl Mühsam spezialisiert. Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Frauengruppe »Las Loccas«. Im Anschluss Livemusik mit »Fromage Diatonique«.

7. Oktober 2005

20:00 - 22:00
„Wir wollen nicht!“ Lesung aus dem »Planet des Ungehorsams« von Eric Frank Russell [1905-1978].

»Freie Bürger fragen doch nicht, ob es erwollt ist, was ihnen zusteht – oder? Wozu haben wir denn unsere Freiheit!« Ein anarchistisches Credo, das selbst intergalaktische Versuche einer herrschaftlichen Inanspruchnahme ins Leere laufen läßt. »Der Klassiker unter den libertären Science-Fiction-Büchern. Und eines der amüsantesten Romane zum Thema Gewaltfreiheit« [espero]. (Lesung und Diskussion)

4. November 2005

21:00 - 23:00
Föderalisierung statt Globalisierung?

Können regionale Struktureinheiten wie Nationalstaaten oder Staatenbünde Schutz bieten vor der Globalisierung? Oder welche alternativen Handlungsmöglichkeiten hat die Gesellschaft, der kapitalistischen Fremdbestimmung entgegenzutreten? (Vortrag und Diskussion)

2. Dezember 2005

21:00 - 23:00
Liebe kennt kein Gebot. Vier unkontrollierte Stellungnahmen zu Anarchie und Liebe

Liebe ist der Einbruch des Wunderbaren, des Unvorhergesehenen in das Regelwerk des Alltags, gespeist aus einem Funken der Begierde zwischen zwei Menschen, die nur ein Ziel kennen, ihrer Lust zu folgen und ihr Dauer zu verschaffen. In dieser Unbedingtheit der Liebe, die alles zu überwinden sucht, was sich ihr in den Weg stellt, liegt ihr subversives Potential. Die unbedingt freie Liebe schafft sich Freiräume, die die gesellschaftlich sanktionierten Zwangsmechanismen der Herrschaft des Menschen über den Menschen auflösen. Die unbewußten Bestrebungen der freien Liebe verbindet ein untergründiges Band mit den bewußten Denk- und Handlungsweisen der Anarchie und der von ihr angestrebten herrschaftslosen Gesellschaft. (Stellungnahmen und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.


Veranstaltungen 2004

Datum/Zeit Veranstaltung
23/01/2004
21:00 - 23:00
Argentinien 2003
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/02/2004
21:00 - 23:00
Elisabeth Voß: Selbstverwaltung und Alternative Ökonomie
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
19/03/2004
21:00 - 23:00
Holger Marcks und Maurice Schuhmann: Perspektiven des Anarchosyndikalismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
16/04/2004
20:00 - 22:00
Fritz Mierau: Das Verschwinden von Franz Jung.
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
14/05/2004
20:00 - 22:00
Wie alles anfing. Vier unkontrollierte Stellungnahmen zu Frühsozialismus und Vormärz
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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23. Januar 2004

21:00 - 23:00
Argentinien 2003

Colectivo Situaciones: Que se vayan todos. Krise und Widerstand in Argentinien. Assoziation A, Berlin 2003

Vor hundert Jahren hatte die anarchosyndikalistische Bewegung der FORA die Mehrheit der ArbeiterInnen hinter sich. Heute nach dem sozialökonomischen Absturz, verursacht durch den neoliberalen Kurs des Peronisten Menem, entwickelt die argentinische Bevölkerung erneut Praktiken der Selbstorganisation, wie z.B. Tauschbörsen, kommunale Dienste wie Bäckerei, Gesundheit, Schulung und Kultur. Und es werden Betriebe nicht nur besetzt, sondern teils auch in Selbstverwaltung betrieben. Die Widersprüche und Perspektiven werden ausgehend von der Neuerscheinung »Que se vayan todos! Krise und Widerstand in Argentinien« vorgestellt. (Vortrag und Diskussion)

20. Februar 2004

21:00 - 23:00
Elisabeth Voß: Selbstverwaltung und Alternative Ökonomie

Perspektive oder Fessel in Zeiten des Sozialabbaus?

Ist die selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens mit all seinen Facetten (Wohnen, Arbeiten, Kultur, Soziales … ), gemeinsam mit anderen, besser und gerechter als nach kapitalistischen Mustern von Herrschaft und Ausbeutung, eine Perspektive, gar ein Weg zu einer klassenlosen Gesellschaft? Oder eher eine Falle, in der uns unsere Widerständigkeit in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Chaos, Gruppendynamik und den Härten der Marktwirtschaft ausgetrieben wird? Diskussionsveranstaltung mit Elisabeth Voß (NETZ für Selbstverwaltung und Selbstorganisation, Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie, Contraste – Monatszeitung für Selbstorganisation, Umbruch Bildarchiv …).

19. März 2004

21:00 - 23:00
Holger Marcks und Maurice Schuhmann: Perspektiven des Anarchosyndikalismus

Seit dem Niedergang der revolutionären syndikalistischen Bewegungen in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg – von Ausnahmen wie z.B. Spanien oder Schweden abgesehen – ist der Syndikalismus weltweit nur noch eine äußerst marginalisierte Erscheinung. Ausgehend davon, dass es den syndikalistischen Bewegungen in Folge ökonomischer Strukturveränderungen und sozialstaatlicher Entwicklungen nicht gelang, die ArbeiterInnenschaft von ihrer Existenznotwendigkeit zu überzeugen, sollen am Beispiel des Anarchosyndikalismus in Vortrag und Diskussion Aspekte der Revision und einer möglichen »Modernisierung« seines Konzeptes thematisiert werden. Zur Klärung der Frage, ob der Syndikalismus überhaupt als adäquates Mittel revolutionärer Veränderung zu betrachten ist, werden Fragmente anarchistischer Syndikalismuskritik diskutiert. Die Referenten sind in der Freien ArbeiterInnen Union / Berlin organisiert.

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

16. April 2004

20:00 - 22:00
Fritz Mierau: Das Verschwinden von Franz Jung.

Fritz Mierau

Stationen einer Biographie

Niemand kennt die Regeln. Man weiß lediglich: Der Typus, der hier tätig ist, vereitelt nicht nur seinen Erfolg, er vereitelt auch seinen Ruhm. Keine Nachfolge. Keine Schule. Keine Wiederkehr. Die Übereinkünfte gebrochen, die Erwartungen enttäuscht, die Beweggründe im Dunkeln. Ein Leben im Verschwinden. (Buchvorstellung durch den Autor)

14. Mai 2004

20:00 - 22:00
Wie alles anfing. Vier unkontrollierte Stellungnahmen zu Frühsozialismus und Vormärz

Frühsozialismus und VormärzDie Anfänge der anarchistischen Bewegung finden sich in der Zeit zwischen der Großen Französischen Revolution [1789] und den europäischen Revolutionen von 1848. Wir wollen diese sehr lebendige und produktive Ära aus verschiedenen Perspektiven beleuchten (mit Diskussion).

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

18. Juni 2004

20:00 - 22:00
Totalaufstand gegen die bestehende Ordnung.

Pose und emanzipatorische Tendenzen der Klassischen Moderne. Teil I

In den Jahrzehnten von 1890 bis 1920 verlief die Entwicklung der modernen Kunst parallel zu den sich herauskristallisierenden anarchistischen Bewegungen und libertären Geisteshaltungen. Es soll herausgearbeitet werden, in wieweit anarchistisches Gedankengut die Ideologie der damaligen modernen Kunstströmungen [vom Impressionismus bis zum Dadaismus] beeinflußte. (Vortrag und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

16. Juli 2004

20:00 - 22:00
»Kommunismus als Emanzipation, nicht als Übermacht des Staates«

Johannes AgnoliJohannes Agnoli [1925-2003] und seine libertäre Staatskritik

Agnoli wurde mit seinem Buch »Transformation der Demokratie« [1968] zu einem der wichtigsten Theoretiker der Außerparlamentarischen Opposition. Vehement beklagte er die Entwicklung der 68er Oppostionsbewegung, die bereits »zu wenig libertär« war, bis zu den Grünen, die »etliche dissidente Gruppen der Gesellschaft wieder heim ins Verfassungssystem« geholt haben. Im Gegensatz zu diesen neuen »Stützen der Ordnung« trat Agnoli für die Vision eines emanzipatorischen Sozialismus ein, der sich weder in orthodoxen Parteitheorien noch in der »Klebrigkeit« staatlicher Institutionen verfängt. Statt Teilhabe an der Macht empfahl er die Kritik der Politik und die Überwindung des Staates durch selbstbestimmte Formen der Vergesellschaftung. »Man hört immer wieder, daß die Abschaffung des Staates eine Utopie sei. Meiner Einschätzung nach ist es aber der einzig realistische Weg für eine humane Zukunft.« (Lesung und Diskussion)

17. September 2004

0:00
Bernd Kast: Stirner im Kreis der Berliner »Freien« und im Umfeld der Junghegelianer

Nach wie vor gehört Max Stirner zu den umstrittensten Philosophen aus dem Kreise der sogenannten Freien und Junghegelianer. Der Versuch, ihn in diesen Milieus ideengeschichtlich zu »verorten«, stößt jedoch rasch an seine Grenzen: Er verkehrte zwar in diesen Kreisen, hatte sich jedoch mit seinem Überlegungen schon weit von deren Diskussionsfeld entfernt. (Vortrag und Diskussion)

15. Oktober 2004

20:00 - 22:00
Totalaufstand gegen die bestehende Ordnung

Pose und emanzipatorische Tendenzen der Klassischen Moderne. Teil II

Da die vielschichtigen und ereignisreichen Jahrzehnte von 1890 bis 1920 den Rahmen eines einzigen Vortragsabend sprengen, erstreckt sich das Referat auf zwei Abende. Nach einer kurzen Zusammenfassung der am 18. Juni 2004 dargestellten Zusammenhänge von Kunst und Anarchie befaßt sich nunmehr Teil II des Referats mit dem Futurismus und Dada. (Vortrag und Diskussion)

19. November 2004

21:00 - 23:00
Tilgung von Herrschaft als Alternative

Thomas Heinrichs Freiheit und Gerechtigkeit

Das Modell einer neuen Gesellschaft in dem Buch »Freiheit und Gerechtigkeit. Philosophieren für eine neue linke Politik« von Thomas Heinrichs. Zweckentfremdung oder Weiterentwicklung von anarchistischen Ideen? (Vortrag und Diskussion)

10. Dezember 2004

21:00 - 23:00
Marx gegen Bakunin. Der Konflikt um politisch-parlamentarischen oder sozialrevolutionären Sozialismus in der Ersten Internationale.

Michael Bakunin Konflikt mit MarxVorstellung einer Neuerscheinung

Der Konflikt zwischen Marx und Bakunin markiert ein entscheidendes Ereignis in der politischen Ideengeschichte: Die Parteipolitik trennt sich von emanzipatorischen Basisbewegungen. In der Ersten Internationale (1864-1877) wurde dieser Konflikt erstmals ausgetragen: Die föderalistisch und pluralistisch orientierten Landesföderationen der Internationale wurden sich der Differenz zu jenen Strömungen bewußt, die auf die Gründung nationaler Arbeiterparteien setzten. Die unterschiedlichen Richtungen fanden in Bakunin und Marx ihre stärksten Exponenten – ihre Ideendifferenz wirkt bis heute fort. In dem neuerschienenen Band 5 der Reihe Michael Bakunin – Ausgewählte Schriften finden sich unter anderem aufgrund von unbekanntem Archivmaterial verschiedene Neubewertungen, die den Konflikt zwischen Marx und Bakunin in der Ersten Internationale in einem neuen Licht erscheinen lassen. (Buchvorstellung durch den Herausgeber Wolfgang Eckhardt)


Veranstaltungen 2003

Datum/Zeit Veranstaltung
17/01/2003
21:00 - 23:00
Andre Fischer: Aus den lasterhaften Balladen des Francois Villon. Frei nachgedichtet von Paul Zech
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
21/02/2003
21:00 - 23:00
Die Kommune als libertärer Baustein
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/03/2003
21:00 - 23:00
Thorsten Hinz: Gustav Landauer und Martin Buber
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
11/04/2003
20:00 - 22:00
Michael Halfbrodt und Ralf Burnicki [Edition Blackbox, Bielefeld]: »Entscheiden und Tun«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
16/05/2003
20:00 - 22:00
Redaktion Espero: »Erwartet nichts von denen, die euch regieren.«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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17. Januar 2003

21:00 - 23:00
Andre Fischer: Aus den lasterhaften Balladen des Francois Villon. Frei nachgedichtet von Paul Zech

Villon [15. Jahrhundert] hat eine geharnischte Zeitkritik angebracht sowie saftige, deftige Poesie verströmt. Paul Zech hat dies durch expressionistische Stilmittel verstärkt. (Lesung mit gelegentlichen Erläuterungen)

21. Februar 2003

21:00 - 23:00
Die Kommune als libertärer Baustein

Janet Biehl, Historikerin und Lebensgefährtin von Murray Bookchin, befasst sich in ihrem Buch »Der libertäre Kommunalismus« mit den Themen: Die kommunale Demokratie in der Geschichte von der Antike bis heute – Politik von unten, föderativ, freiheitlich-sozialistisch contra Staats- und Kapitalinteressen – Lokalismus und Interdependenzen. Die Kommunalisierung der Wirtschaft – Von der dualen Macht, ein langer, mühsamer Weg zur sozialen Ökologie. (Referat mit Schaubildern und Diskussion)

28. März 2003

21:00 - 23:00
Thorsten Hinz: Gustav Landauer und Martin Buber

Gustav Landauer

Anarchismus zwischen Politik, Ketzertum und Philosophie

Die Beziehungen zwischen Gustav Landauer [1870-1919] und Martin Buber [1878-1965] werden meist aus religiöser oder philosophischer Sicht behandelt – während ihr gemeinsames Bemühen um einen kommunitären Anarchismus und libertär inspirierte Gemeinschaftsformen oft in Vergessenheit gerät. Die lebenslange Freundschaft von Landauer und Buber nahm ihren Anfang als beide in der Zeit von der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert auf der Suche nach neuen freiheitlichen und gemeinschaftlichen Konzepten waren. Im Vortrag von Thorsten Hinz wird die Frage diskutiert, welche Rolle dabei die anarchische Utopie spielte und wie diese von beiden Denkern verstanden wurde. Buber »Sozialismus kann nie etwas Absolutes sein … Allem Verwirklichtem droht die Erstarrung, das heute glühend Lebendige kann morgen verkrusten …« (Vortrag und Diskussion)

11. April 2003

20:00 - 22:00
Michael Halfbrodt und Ralf Burnicki [Edition Blackbox, Bielefeld]: »Entscheiden und Tun«

Ralf Burnicki: Anarchismus und Konsens [Verlag Edition AV]

Libertäre Poesie trifft libertäre Selbstorganisationstheorie

Hierarchien machen das Leben [scheinbar] einfach. Man weiß, was zu tun ist, also immer das, was andere entscheiden. Das runduminformierte Ich wird des eigenen Tuns enthoben, wird von Entwicklungen abgehängt, holt sich über Abendnachrichten die Botschaft, die andere gestalten, verlautbaren, diktieren. Was getan werden soll, bestimmen Regierungen, UnternehmerInnen, Vereinsvorsitzende, die alltäglichen Hartz-Kommissionen. Daß Hierarchien, auch wenn sie im Zeichen der Repräsentativen Demokratie fernsehgerecht – also nahezu geruchlos – funktionieren, unmenschlich und antidemokratisch sind, davon ist in den neuen Publikationen der beiden Blackbox-Autoren Halfbrodt und Burnicki die Rede. In ihrer Lesung begegnen sich – nur auf den ersten Blick ungewöhnlich – politische Lyrik und politische Wissenschaft. Gemeinsames Thema ist die Suche nach Möglichkeiten, eine herrschaftslose Gesellschaft zu begründen. (Lesung und Diskussion)

16. Mai 2003

20:00 - 22:00
Redaktion Espero: »Erwartet nichts von denen, die euch regieren.«

John Henry Mackay zum 70. Todestag

Mackay wurde Dichter, Schriftsteller, Anarchist und Sänger der Anarchie genannt. Er war Biograph von Max Stirner, stammte aus Schottland, lebte aber in Berlin, wo er am 16. Mai 1933 verstarb. Anläßlich seines 70. Todestages wollen wir an ihn erinnern und sein Leben und Werk würdigen. Nicht nur aufgrund seiner vertonten Lieder wie »Auf hebe die funkelnde Schale« und seines künstlerischen Werks, sondern auch aufgrund seiner politischen Bücher gehört er zu jenen Denkern, die für unsere Zeit eine bleibende Bedeutung besitzen. (Vortrag und Diskussion)

20. Juni 2003

20:00 - 22:00
Die Eroberung des Glücks. Sechs unkontrollierte Stellungnahmen zu Anarchie und Alltag

Alltag ist zuviel, Anarchie zu wenig – oder umgekehrt? Fünf Kurzbeiträge [mit Diskussion] sollen Licht und Schatten auf ein Thema werfen, das alle betrifft: die Vereinbarung von Ideal und Wirklichkeit.

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

18. Juli 2003

20:00 - 22:00
Weniger Bürokratie, mehr Gesellschaft: Planungszellen und Bürgergutachten

»Planungszellen« sind Gruppen zufällig ausgewählter Bürger und Bürgerinnen, die einige Tage lang ein öffentliches Problem bearbeiten und ihre Ergebnisse in einem »Bürgergutachten« mitteilen. Obwohl in den letzten 25 Jahren Dutzende von solchen Gutachten zu allen möglichen Themen [wie Stadtplanung, Wohnungswesen, Verkehr, Umwelt-, Medien-, Gesundheitspolitik u.a.], erstellt worden sind, ist diese Idee weitgehend unbekannt geblieben. Der Vortrag [mit Diskussion] stellt das Konzept vor, auch im Vergleich mit anderen ähnlichen Projekten, und versucht, sein libertäres Potential auszuloten.

19. September 2003

20:00 - 22:00
Klaus Hugler: Der Anarchismus Bruno Willes [1860-1928]

Bruno Wille [1860-1928]

mit Liedern von Tom Waits, gesungen von Isabel Neuenfeldt

Bruno Wille [1860-1928] war Sprecher der »Jungen« – des anarchistischen Flügels der Sozialdemokratie vor 1900. Nach einer Konfrontation mit August Bebel, der die Unterordnung des Individuums unter den historischen Auftrag der Arbeiterklasse verlangte, schloss man ihn aus der Partei aus. Er wurde einer der wichtigsten Vertreter der Berliner Boheme – des Friedrichshagener Dichterkreises – und war Mitbegründer der Volksbühne Berlin. Er setzte sich auseinander mit der psychischen, pädagogischen und religiösen Autorität, der absoluten Gewaltlosigkeit, wirtschaftlicher Ausbeutung und Staatsgewalt, Moral, Knechtschaft und der Parteienherrschaft. (Vortrag mit Diskussion)

17. Oktober 2003

20:00 - 22:00
Michael Kubina: Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg.

Michael Kubina: Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg.

Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland [1906-1978]. Vorstellung einer Neuerscheinung

Am Morgen des 11. November 1950 wird der Berliner Journalist Alfred Weiland von Agenten der sowjetischen Staatssicherheit aus den Westsektoren in den sowjetischen Sektor verschleppt. Das Buch schildert die politische Biographie dieses Journalisten, ist aber zugleich ein Beitrag zur Besatzungsgeschichte Berlins. Im Mittelpunkt stehen dabei die Jahre 1945 bis 1950, als Weiland versuchte, eine Sammlungsbewegung freiheitlicher Sozialisten zu schaffen und mit den »Gruppen Internationaler Sozialisten« eine der ersten antibolschewistischen Widerstandsorganisationen in Berlin und der SBZ aufbaute. Im Visier von SED-Abwehr und sowjetischer Staatssicherheit war ein Verharren zwischen den Fronten nicht möglich. Weiland entschied sich für den Westen und nahm mit den Amerikanern Kontakt auf. (Buchvorstellung durch den Autor)

21. November 2003

21:00 - 23:00
Redaktion »Gegner«: Ernst Fuhrmann

Ernst Fuhrmann [19.11.1896 – 28.11.1956], Dichter, Schöpfer einer komplexen Öko-Philosophie, die er Biosophie nannte. Er gab vier Zeitschriften heraus, derer einziger Autor er selbst war. 1931 schrieb er für die von Franz Jung herausgegebene linksradikale Zeitschrift »Gegner«. Sein Roman »Der Geächtete« beschreibt einen ›Aussteiger‹, der, um ein letztes großes Zeichen zu setzen, beschließt, den Papst im Vatikan in die Luft zu sprengen [Karin Kramer Verlag 1983]. (Lesung und Diskussion)

12. Dezember 2003

21:00 - 23:00
Augustin Souchy: Reise nach Rußland [1920]

Augustin Souchy

Souchy [1892-1984], neben Rudolf Rocker einer der bekanntesten Vertreter der FAUD [Freie Arbeiter Union Deutschlands], begab sich von April bis Oktober 1920 auf eine Studienreise ins revolutionäre Rußland. Er reiste nach Petrograd, Moskau und Kiew, besuchte Kropotkin und traf die Parteiführer Kamenjew, Sinowjew und den späteren Kritiker der Bolschwewiki Victor Serge. Im Januar 1921 erschien im Verlag »Der Syndikalist« sein Buch »Wie lebt der Arbeiter und Bauer in Rußland und in der Ukraine«, in dem er ahnungsvoll die Zukunft der Sowjetunion beschreibt. (Buchvorstellung mit Diskussion)


Veranstaltungen 2002

Datum/Zeit Veranstaltung
18/01/2002
21:00 - 23:00
Vier unkontrollierte Stellungnahmen zu Peter Kropotkin und der Aktualität seiner Ideen
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
15/02/2002
21:00 - 23:00
Kurt Wafner: Ausgeschert aus Reih' und Glied. Mein Leben als Bücherfreund und Anarchist
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
15/03/2002
21:00 - 23:00
»Wo der Staat beginnt, endet die Freiheit des Individuums.«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
19/04/2002
20:00 - 22:00
Kostproben eines libertären Provokateurs: Julien Offray de La Mettrie [1709-1751]
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
17/05/2002
20:00 - 22:00
Jan Bruening: Senya Fleshin und Mollie Steimer - Fotografie und Anarchie
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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18. Januar 2002

21:00 - 23:00
Vier unkontrollierte Stellungnahmen zu Peter Kropotkin und der Aktualität seiner Ideen

»Freiheiten werden nicht geschenkt, man muß sie sich nehmen.« Die Ideen Kropotkins – des Denkers der Gegenseitigen Hilfe, libertärer Gemeinschaftsformen und der Dezentralisierung von Landwirtschaft und Industrie – in heutiger Perspektive

Zwischenzeitlich wurde Referat im Wortlaut veröffentlicht.

15. Februar 2002

21:00 - 23:00
Kurt Wafner: Ausgeschert aus Reih‘ und Glied. Mein Leben als Bücherfreund und Anarchist

Kurt Wafner

Kurt Wafner, geboren am 29. November 1918, hat vier Staatsformen erlebt: die »Goldenen Zwanziger«, den braunen Terror, die rote Diktatur und die heutige »real existierende« Demokratie – aber keine hat ihn zum Jubeln gebracht. Geriet er unter Zwang, drängte es ihn auszuscheren aus Reih‘ und Glied. Durch seinen Onkel Bernard Mitglied der »Anarchistischen Vereinigung Weißensee« las er bereits mit 13 Jahren anarchistische Klassiker. Später lernte er den bekanntesten libertären Schriftsteller seiner Zeit, Theodor Plivier, kennen und wurde mit Erich Mühsam, Ernst Friedrich [Begründer des Anti-Kriegsmuseums] und dem Anarcho-Syndikalisten Rudolf Michaelis bekannt. Als Soldat erreichte er, nicht direkt an der Front kämpfen zu müssen. Die DDR-Zeit ist der beruflich vielfältigste Abschnitt seiner Biographie: Er arbeitete als Verlagslektor, Chef der »Roman-Zeitung«, Hörspielautor sowie Journalist. Im Jahre 2000 erschien seine Autobiographie im Verlag AV ’88 – ein aufrechter Gang mit vielen Mühen und spannender Geschichte. (Buchvorstellung durch den Autor)

15. März 2002

21:00 - 23:00
»Wo der Staat beginnt, endet die Freiheit des Individuums.«

Michael Bakunin Die revolutionäre Frage

Bakunins »Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus«. Vorstellung einer Neuerscheinung

Bakunins Beiträge zur freiheitlichen Ideengeschichte Europas sind lange Zeit unterschätzt worden und stellen vielfach noch heute einen Geheimtip für subversives Philosophieren dar. Die Schrift »Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus« gehört zu Bakunins Hauptwerken und erschien kürzlich erstmals vollständig in deutscher Sprache. »Der Staat, sagt man, sei der Repräsentant des öffentlichen Wohls oder des Allgemeininteresses und beschneide nur einen Teil der Freiheit des Individuums, um ihm den Rest zu sichern. Aber dieser Rest, das ist – wenn Sie so wollen – die Sicherheit, niemals die Freiheit. Die Freiheit ist unteilbar: Man kann nicht einen Teil von ihr abschneiden, ohne sie ganz zu vernichten.« (Buchvorstellung durch den Herausgeber)

19. April 2002

20:00 - 22:00
Kostproben eines libertären Provokateurs: Julien Offray de La Mettrie [1709-1751]

Es war einmal ein kleiner bretonischer Arzt. Der konnte seine philosophischen Betrachtungen nicht für sich behalten und mußte deswegen von Frankreich nach Holland. Weil auch die Holländer nicht mochten, was er sprach und schrieb, mußte er nach Preussen zum großen König und wurde dessen Leibatheist. Er vertrieb dem König mit seiner guten Laune die Langeweile und den Philosophen, mit denen sich der König umgab, dieselbe. Freunde hatte er nicht viele, denn Freund eines solchen Mannes zu sein, ist unbequem. Als er am 11. November 1751 starb, starb auch sein Geist – wie das bei Materialisten so sein muß. Dennoch: Wenn er nicht gestorben ist – lacht er noch heute über die Welt und sich selbst. (Lesung und Diskussion

17. Mai 2002

20:00 - 22:00
Jan Bruening: Senya Fleshin und Mollie Steimer – Fotografie und Anarchie

Engagierte politische Arbeit und Selbsterhaltung zwecks Erwerbstätigkeit miteinander zu verbinden, ist immer eine Gratwanderung. Die Gratwanderung von Senya Fleshin und Mollie Steimer stellt sich als eine aufregende Reise dar: nicht nur als transatlantische Fluchten, sondern auch als Navigation zwischen notwendiger Anpassung an die oft repressive Umwelt und der Pflege ihrer anarchistischen Lebensentwürfe. Mit Hilfe der Fotografie war beides möglich. (DIA-Vortrag und Diskussion)

7. Juni 2002

20:00 - 22:00
David Schuster: Die Rückkehr des Krieges.

Gibt es eine anarchistisch-antimilitaristische Antwort auf die neuen Kriege?

Als sich die Bündnissysteme NATO und Warschauer Pakt mit gegenseitiger gesicherter Vernichtung bedrohten, entstanden Oppositionsbewegungen, die Abschreckungspolitik und Krieg prinzipiell ablehnten: Entweder wir schaffen den Krieg ab, oder er schafft uns ab. Die Hoffnung auf eine »Friedens-Dividende« nach dem Zusammenbruch der bipolaren Konfrontation war nur von kurzer Dauer. Der Krieg, in der »Dritten Welt« ohnehin nie bloße Drohung, kehrte auch in die Metropolen zurück, als politisches Mittel, um neue Staaten oder eine »Neue Weltordnung« auch militärisch durchzusetzen. Die Auflösung Jugoslawiens in Kriegen, Massakern, Vertreibungen stellte die pazifistischen Positionen ebenso in Frage wie der Krieg gegen den Irak. Interventionen der dominanten Staaten des Weltsystems gegen »Schurkenstaaten«, warlords und terroristische Bedrohungen lassen ein neues Kriegsbild entstehen. Kriege werden als permanente Feldzüge mit wechselnden Bündnispartnern, unterschiedlichen Bedrohungsszenarien und neuen Waffensystemen geradezu alltäglich. Die Armeen werden von Territorialverteidigung auf weltweite Intervention umgerüstet; statt der früheren Massenheere werden spezialisierte Truppen ausgebildet; technische und psychologische Dimensionen des Krieges, besonders die Beeinflussung der zivilen Bevölkerungen durch Massenmedien, werden wichtiger als die Gehorsamsbereitschaft der Wehrpflichtigen. Welche Antworten kann der prinzipielle anarchistische Anti-Militarismus auf die neuen Legitimationen des Krieges geben? (Vortrag und Diskussion)

19. Juli 2002

20:00 - 22:00
Surrealismus und Anarchie

Cadavre exquis [köstlicher Leichnam] von: Yves Tanguy, Man Ray, Max Morise, Joan Miró, ca 1926.
  Das berühmteste surrealistische Spiel verdankt seinen Namen dem ersten Satz,
  der mit seiner Hilfe geschaffen wurde: Der köstliche Leichnam trinkt den neuen Wein

Seit Bakunin hat es in Europa keinen radikalen Begriff von Freiheit mehr gegeben. Die Surrealisten haben ihn. [Walter Benjamin]

Das grösste revolutionäre und poetisch-künstlerische Experiment des 20. Jahrhunderts gegen die kapitalistische Herrschaft war unanfechtbar das surrealistische Experiment. Seit 1924, dem Erscheinungsjahr des ersten surrealistischen Manifestes, organisierte sich der Surrealismus. In der ganzen Welt bildeten sich surrealistische Gruppen, die von libertärem Geist und absolutem gesellschaftlichem Nonkonformismus durchdrungen waren. Allein die Revolte war ihnen schöpferisch. Politik bedeutete für sie Subversion. Subersiv wie L´amour fou – die wahnartige Liebe, die die rationalen und sozialen Zwänge zertrümmert. Sie beabsichtigten nichts weniger als die Auslösung einer Bewußtseins-Krise. Wie die Anarchisten stellten sie die grenzenlose Freiheit in den Mittelpunkt ihres Denkens. 1947 erschien in Frankreich die »Ode an Charles Fourier« [dt. Karin Kramer Verlag 1987], ein Gedicht Andre Bretons auf den grossen Sozialutopisten, »den Leuchtturm des Geistes«. Erst spät, zwischen 1951 und 1953, kommt es dann zu einer kurzen direkten Zusammenarbeit zwischen der anarchistischen Bewegung [Fédération Anarchiste] und dem organisierten Surrealismus. Den libertären Spuren des Surrealismus, der sich im »schwarzen Spiegel der Anarchie selbst erkannte«, wie A. Breton 1952 schrieb, soll hier gefolgt werden. (Vortrag und Diskussion)

20. September 2002

20:00 - 22:00
Heleno Saña: Die Anarchisten im Spanischen Bürgerkrieg

Heleno Saña: Die Anarchisten im Spanischen Bürgerkrieg

In Spanien fand zwischen 1936 und 1939 nicht nur ein Bürgerkrieg, sondern auch eine soziale Revolution statt. Gegen die franquistischen Putschgenerale wurde zum letzten Mal um Freiheit und soziale Gerechtigkeit gekämpft, bevor der Zweite Weltkrieg und der Faschismus Europa in Finsternis stürzten. (Buchvorstellung durch den Autor)

18. Oktober 2002

20:00 - 22:00
Andre Fischer: Raoul Vaneigem und seine poetische Kritik

Handbuch der Lebenskunst, Buch der Lüste, An die Lebenden

– es handelt sich weder um Titel der Bestsellerliste der Alltagsratgeber mit einer Prise Philosophie noch um ein alternatives Kamasutra. Hans Martin Lohmann [Die Zeit] über die Schrift An die Lebenden: »Der Witz von Vaneigems Pamphlet liegt weniger in der analytischen Durchdringung der kapitalistisch »klimatisierten Vorhalle des Todes« als vielmehr in dem authentischen Pathos, mit welchem es an die Kraft des Lebendigen appelliert.« (Vortrag und Diskussion)

15. November 2002

21:00 - 23:00
Gerhard Bauer: Rücksichtslosigkeit und Menschenliebe. Zwei anarchistische Spießgesellen: Franz Jung und Oskar Maria Graf

Was bietet das Leben und Schreiben von zwei höchst ungleichen, aber befreundeten Feuerköpfen und Störenfrieden? Was können wir von ihnen lernen, wenn sie die entscheidenden Wendungen der deutschen Geschichte sechs Jahrzehnte hindurch erlebt haben, und zwar aktiv und passiv inklusive Exil? Das soll in Besinnung auf ihre Lebensschritte und ihre literarischen Werke untersucht werden. Einschlägige Stellen ihrer Auseinandersetzung mit den Ursachen des Anarchismus sollen vorgetragen werden. (Vortrag und Diskussion)

6. Dezember 2002

21:00 - 23:00
Alexandra Schwell: Anarchismus und Alternativkultur – Alltag und Lebensrealität polnischer AnarchistInnen

Bist Du hungrig? Iß den Bischof!Die wechselhafte Geschichte über die Jahrhunderte hinweg übte einen beträchtlichen Einfluß auf das kollektive Gedächtnis Polens aus und prägte im Angesicht der jeweiligen Besatzungsmächte nachhaltig die Vorstellung von einer freien Gesellschaft. Wohl am radikalsten formulierte dies um die Jahrhundertwende der Sozialist Edward Abramowski, der den Staat als solchen für gänzlich entbehrlich hielt und ihn durch autonom selbstverwaltete gesellschaftliche Organisationen ersetzt sehen wollte. Auf ihn beziehen sich polnischer Anarchismus und Alternativkultur in erster Linie, wenn sie sich über ein Jahrzehnt nach der Wende in Osteuropa mit den Auswirkungen der Transformation auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß polnische Alternativkultur nicht purer Rezipient und Nachahmer westlicher alternativkultureller Stile ist, sondern sich aus einer eigenen Erfahrungswelt speist, die sich in vielen Punkten von Westeuropa unterscheidet. (Vortrag und Diskussion)

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.


Veranstaltungen 2001

Datum/Zeit Veranstaltung
19/01/2001
21:00 - 23:00
Gesellschaften ohne Staat
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
16/02/2001
21:00 - 23:00
Rudolf Rockers anarchistisches Grundlagenwerk "Nationalismus und Kultur"
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
16/03/2001
21:00 - 23:00
»Sozialismus ist Anarchie und Föderation«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
20/04/2001
20:00 - 22:00
Oskar Maria Graf. Ein bayerischer Anarchist mit Herz
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
18/05/2001
20:00 - 22:00
Bertrand Russell. Wege zum Anarchismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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19. Januar 2001

21:00 - 23:00
Gesellschaften ohne Staat

Anarchische Regeln des Zusammenlebens bei den !Kung San in der namibischen Kalahari.

DIA-Vortrag von Thorsten Hinz [Afrikahaus Sebnitz]

In der Geschichte der Ethnologie spielt die Faszination über »Gesellschaften ohne Staat« bzw. »Völker ohne Herrscher« eine große Rolle. Immer wieder machten sich Forscher in die »unberührten Wildnisse« auf, um Menschen zu finden, die nicht nur in Harmonie mit der Natur, sondern auch in Harmonie mit sich selbst und ihresgleichen lebten. In der Regel übertrugen sie dabei eigene Paradies-Vorstellungen auf die von ihnen »Entdeckten«.

In dem DIA-Vortrag von Thorsten Hinz über die anarchischen Strukturen bei den !Kung San wird es weniger um solche idealistischen Träume gehen, als vielmehr um den Versuch, europäische Egalitätskonzepte mit beeindruckenden afrikanischen Überlebensstrategien zu konfrontieren. Die !Kung San konnten sich in der kargen Kalahari nur behaupten, wenn sie als Gemeinschaft einig waren. Egalität war ein Muß, Egoismus ein Fluch. Über die inhaltliche Debatte hinaus wird in dem Vortrag auch über die schwierige Situation der !Kung San im heutigen Namibia informiert.

Namibia war bis 1917 unter dem Namen »Deutsch-Südwest-Afrika« eine deutsche Kolonie. Bis 1990 stand Namibia unter der Kontrolle der südafrikanischen Apartheidspolitik. Seit 1990 wird das Land von der SWAPO regiert.

16. Februar 2001

21:00 - 23:00
Rudolf Rockers anarchistisches Grundlagenwerk „Nationalismus und Kultur“

Eine 1933 verhinderte Veröffentlichung

Noam Chomsky nannte ihn den »letzten ernsthaften politischen Denker«. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg machte sich Rocker im Londoner Exil erstmals Gedanken über ›Nationalismus und Kultur‹. Dort redigierte er zwei Jahrzehnte lang die jüdische Arbeiterzeitung Arbeiterfreund’. Während seiner Lagerinternierung in London [1915-1918] hielt er Vorträge u.a. über den Nationalismus. In den 20er Jahren intensivierte er seine Studien und verfaßte darüber Artikel für die Wochenzeitschrift ›Der Syndikalist‹; Anfang der 30er Jahre konnte er sein Hauptwerk abschließen. Mit einem der letzten Züge nach dem Reichstagsbrand in Richtung Basel geflüchtet, kann er das Manuskript ins Exil retten: Das voluminöse Werk mit 27 Kapiteln erscheint 1937 in den USA.

16. März 2001

21:00 - 23:00
»Sozialismus ist Anarchie und Föderation«

Gustav Landauer

Gustav Landauers Aufruf zum Sozialismus’

Der deutsch-jüdische Sozialphilosoph Gustav Landauer [1870-1919] zählt zu den bedeutendsten Theoretikern des Anarchismus. Sein politisches Hauptwerk ›Aufruf zum Sozialismus‹ basiert auf einem Vortrag aus dem Jahre 1908, der drei Jahre später erstmals in erweiterter Form publiziert wurde und bis heute zahlreiche Neuauflagen erlebte.

In ihm entwickelte Landauer seine Vision der Anarchie als herrschaftslosem Gemeinschafts-Sozialismus: »Anarchie ist nur ein anderer, in seiner Negativität und besonders starken Mißverständlichkeit weniger guter Name für Sozialismus. Wahrer Sozialismus ist der Gegensatz zu Staat und kapitalistischer Wirtschaft; er ist ein Bestreben, mit Hilfe eines Ideals eine neue Wirklichkeit zu schaffen.“

20. April 2001

20:00 - 22:00
Oskar Maria Graf. Ein bayerischer Anarchist mit Herz

Im Jahre 1911 flüchtet der 17jährige Bäckerlehrling Oskar Maria Graf vor den unmenschlichen Arbeitsbedingungen seiner dörflichen Heimat in die Kulturmetropole München. Bittere Not und verzweifelter Überlebenskampf, literarischer Expressionismus, anarchistische Bohème, antimilitaristische Verweigerung im Ersten Weltkrieg, Revolution und Räte-Republik in Bayern – diesen existentiellen Erfahrungen verschafft Graf in seinem umfangreichen Werk schrifstellerischen Ausdruck und liefert damit einen der bedeutendsten Beiträge zur deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts:

»Ich war nie Parteisozialist und habe mir nicht erst von marxistischen Schriftgelehrten sagen lassen müssen, was Sozialismus ist. Mir ist – um mit Gorki zu reden – mein Sozialismus von Kind an auf den Rücken geprügelt worden’. Das hat mich – nicht etwa aus einem inneren Wagnis, sondern gleichsam instinktiv und zwangsläufig – zum Rebellen gemacht … «

18. Mai 2001

20:00 - 22:00
Bertrand Russell. Wege zum Anarchismus

»Ich mag den Geist des Sozialismus nicht – ich glaube, die Freiheit ist die Grundlage von allem«, behauptete 1916 der britische Logiker, Philosoph und Sozialist Bertrand Russell [1872-1970] in einem Liebesbrief an die Pazifistin Colette O’Niel. Sehr bekannt wurde in den 50er und 60er Jahren Russells Engagement für nukleare Abrüstung und für die Aufklärung des Kriegsgeschehens in Vietnam. Schwerpunkt der Veranstaltung soll jedoch sein Eintreten für anarchistische und andere Ideen des freiheitlichen Sozialismus sein, im Rahmen einer biografischen Übersicht aus Selbstzeugnissen und allerlei Zitaten aus seinen populären Schriften.

25. Mai 2001

20:00 - 22:00
p.m.: Subcoma

Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft. p.m.s hilfreiches Haushaltsbuch. Der Autor des Bestsellers »bolo’bolo« stellt sein neuestes Buch vor.

15. Juni 2001

20:00 - 22:00
Uwe Timm [Hamburg]: Zum Glück besitzt die Anarchie eine Zukunft.

Uwe Timm

Eine libertäre Bilanz, Rückblick und Ausblick von einem Menschen, der seine Kindheit im Dritten Reich erlebte, sich in der frühen Nachkriegszeit in die Ideen des Anarchismus vertiefte und seine Überzeugungen publizistisch zunächst in den Zeitschriften Information und Befreiung vertrat; daneben aktive Beteiligung bei den Kriegsdienstgegnern, Anti-Atombewegung und im Ostermarsch.

Mit Kurt Zube, Hermann Fournes, Günter Ehret gehörte Timm zu den Gründern der Mackay-Gesellschaft [1974], für deren Verlag er bis 1984 mitverantwortlich war. Er arbeitete mit Peter Bernhardi im Arbeitskreis Karl Liebknecht zusammen, der von Karl Retzlaw und Augustin Souchy 1979 begründet worden war. 1987 erhielt Uwe Timm vom Arbeitskreis Karl Liebknecht für sein politisches Engagement den Friedenspreis, der von dem Schriftsteller Johannes Mario Simmel gestiftet worden war. Von 1981 bis 1992 leistete Timm aktive Betriebsratsarbeit in einem Industriekonzern, daran anschließend wirkte er für weitere 6 Jahre als Berater des Betriebsrats in personellen Fragen. Er verfaßte Beiträge in zahlreichen Zeitschriften [Zur Sache, Zeitschrift für Sozialökonomie, Trotz Alledem, Sklaven, Dritter Weg, Eigentümlich frei usw.] Buchbeiträge, darunter »Max Stirner – ein Ärgernis« in »Ich hab’ mein Sach’ auf Nichts gestellt« [Karin Kramer Verlag]. Gespräch mit dem Journalisten Peter Peterson in »Anarchie ist Gesetz und Freiheit ohne Gewalt – Uwe Timm zum 60. Geburtstag.« Seit 7 Jahren gibt er zusammen mit Jochen Knoblauch die Zeitschrift Espero heraus, ein Forum für libertäre Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. (Vortrag und Diskussion)

1. Juli 2001

20:00 - 22:00
»Die beste Verfassung ist die Abschaffung des Staates«

Michail Bakunin – russischer Revolutionär, anarchistischer Theoretiker, Mitbegründer und erster Organisator des libertären Sozialismus – zum 125. Todestag

Nach der Teilnahme an der Revolution von 1848/49 zwei mal zum Tode verurteilt, in Rußland eingekerkert, über Japan und Amerika nach Europa geflüchtet, nahm Bakunin bis zu seinem Tod an allen möglichen revolutionären Bewegungen und Aufstandsversuchen teil.

Von ihm stammt der Satz: »Wir protestieren nicht gegen die Bezeichnung Anarchisten, denn wir sind in der Tat Feinde jeglicher Macht – weil wir wissen, daß Macht ebenso zersetzend auf den wirkt, der sie hat, wie auf den, der ihr gehorchen muß.« Wolfgang Eckhardt, Herausgeber der »Ausgewählten Schriften« Bakunins, stellt die Ideen des ersten anarchistischen Revolutionärs vor. (Vortrag und Diskussion)

28. September 2001

20:00 - 22:00
Krise der Demokratie – Anarchische Auswege: Von der Hierarchie zur Herrschaftslosigkeit

Längst hat sich in der Gesellschaft die Vorstellung verbreitet, dass es unter der »Normal«-Bevölkerung mindestens zehn mal so viele Leute gibt, die die Aufgaben der »politischen Klasse« ebensogut erfüllen könnten wie diese, wenn nicht gar besser. Dieser Eindruck verstärkt sich noch angesichts der Bemühungen der Politiker, staatliche Aufgaben zu reduzieren, womit sie den wachsenden sozialen Herausforderungen und Problemen der Gesellschaft immer weniger gerecht werden.

Gleichzeitig genießen Formen freiwilliger Zusammenarbeit ohne Bevormundung durch irgendeine Obrigkeit heute mehr Ansehen als je zuvor; zur Unterwerfung unter überlieferte Hierarchien bekennt sich kaum noch jemand. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger meinen stattdessen, dass sie ihre gemeinsamen Angelegenheiten selbst besser regeln können – besser jedenfalls als diejenigen, denen sie dies bislang weitgehend überlassen haben. (Vortrag und Diskussion)

19. Oktober 2001

20:00 - 22:00
Antje Schrupp: Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin.

Antje Schrupp Nicht Marxistin und auch nicht Anarchistin

Frauen in der Ersten Internationale

Die Erste Internationale [1864-1872] war ein Versuch, die vielfältigen Facetten der internationalen sozialrevolutionären Bewegung zusammenzuschließen. Entgegen dem gängigen Geschichtsbild waren Frauen daran aktiv und höchst streitsam beteiligt.

Antje Schrupp deckt mit ihrem Buch diesen verschütteten Strang unserer Geschichte engagiert und spannend auf. Sie geht davon aus, daß nur durch die Annäherung an Diskussionsprozesse die Komplexität von politischen Bewegungen zu begreifen ist. So wählt sie die Biografien von vier sehr verschiedenen Frauen, die sich im Umfeld der Ersten Internationale engagiert und umfassende polititsche und soziale Utopien entworfen haben: Virginie Barbet, Elisabeth Dmitrieff, Andre Leo und Victoria Woodhull.

»Ob aus dem Versuch, eine feministisch-sozialrevolutionäre Theorietradition aufzudecken, auch heute noch Vorbilder und Leitmotive für feministisch-sozialrevolutionäres Handeln entstehen könnten, muß jede Leserin und jeder Leser selbst entscheiden …« (Buchvorstellung durch die Autorin)

16. November 2001

20:00 - 22:00
Die Wüste lebt.

Von der linken Misere zu kreativen Utopien: Die

Die Wüste lebt.

Neuentdeckung des Anarchismus im praktischen Leben. Lesung aus dem neuen Buch von Helmut Thielen

»Die Wüste lebt« – so der Titel einer Neuerscheinung des Verlags Graswurzelrevolution vom Frühjahr 2001. Der Autor und Sozialphilosoph Helmut Thielen beschäftigt sich darin u.a. mit praktischen politischen Ansätzen wie der Landlosenbewegung in Brasilien, die er unterstützt und kritisch begleitet. Ebenso wie etwa Gustav Landauer tritt er für ein Neues Beginnen ein: Jenseits von neoliberalem Kapitalismus und Staatssozialismus sieht er Möglichkeiten, der Utopie »eine Bresche zu schlagen«, und zwar trotz oder gerade wegen der Utopielosigkeit der Linken heute (Lesung und Diskussion)

14. Dezember 2001

21:00 - 23:00
Thorsten Hinz: Anarchie, Mystik und »Lebenswende«.

Mystik und Anarchie

Gustav Landauers Wege zur Freiheit

Gustav Landauer [1870-1919] gilt als einer der wichtigsten Ideengeber des Anarchismus. In Wort und Tat setzte er sich für Wege zu Frieden, Freiheit und Solidarität ein. Landauer war eine der wenigen, der den Ersten Weltkrieg vorausgesehen hatte und davor warnte. In der Münchner Räterepublik von 1919 warb er an der Seite von Kurt Eisner, Erich Mühsam, Ernst Toller und anderen für einen freiheitlichen Sozialismus. Landauers libertäres Denken hatte viele Wurzeln und Bezüge. Spinoza, Bakunin, Nietzsche und Stirner sind einige wenige Beispiele von Denkern, die er für seine Ideen nutzte. Im Vortrag von Thorsten Hinz [Sebnitz], Autor des Buches »Mystik und Anarchie. Meister Eckhart und seine Bedeutung im Denken von Gustav Landauer« [Berlin 2000], wird Landauers spannende Rezeption des Philosophen Meister Eckhart [1260-1328] vorgestellt. Der Anarchist Landauer war der erste, der eine Auswahl von Eckhart-Texten ins Neuhochdeutsche übersetzt hatte. Landauers »Lebenswende« zum Ende des 19. Jahrhunderts ist ohne seine Eckhart-Lektüre kaum zu verstehen. (Buchvorstellung durch den Autor)


Veranstaltungen 2000

Datum/Zeit Veranstaltung
18/02/2000
21:00 - 23:00
Der versteckte libertäre Geist in Theodor Pliviers Romantrilogie Moskau-Stalingrad-Berlin
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
17/03/2000
21:00 - 23:00
»Ich werde der unmögliche Mensch bleiben, solange die jetzt möglichen Menschen so bleiben, wie sie sind.«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
28/04/2000
20:00 - 22:00
Emanzipatorische Perspektiven am Ende der Arbeitsgesellschaft.
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
05/05/2000
20:00 - 22:00
Bernd Kramer: »O nein, Bruder! Der Deutsche ist ein zivilisierter Mensch ...«
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
16/06/2000
20:00 - 22:00
Was ist Anarchismus
Bibliothek der Freien im Haus der Demokratie, Berlin
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18. Februar 2000

21:00 - 23:00
Der versteckte libertäre Geist in Theodor Pliviers Romantrilogie Moskau-Stalingrad-Berlin

17. März 2000

21:00 - 23:00
»Ich werde der unmögliche Mensch bleiben, solange die jetzt möglichen Menschen so bleiben, wie sie sind.«

Bakunins Briefe an Alexander Herzen

28. April 2000

20:00 - 22:00
Emanzipatorische Perspektiven am Ende der Arbeitsgesellschaft.

Lesung aus dem neuen Buch von André Gorz: »Arbeit zwischen Misere und Utopie«.

5. Mai 2000

20:00 - 22:00
Bernd Kramer: »O nein, Bruder! Der Deutsche ist ein zivilisierter Mensch …«

Lesung und Diavorführung zum 151. Jahrestag der Dresdner Mai-Revolution 1849

Bernd Kramer liest aus seinem Gesellenstück: »Laßt uns die Schwerter ziehen, damit die Kette bricht …« Michael Bakunin, Richard Wagner und andere während der Dresdner Mai-Revolution 1849 [Karin Kramer Verlag 1999]

16. Juni 2000

20:00 - 22:00
Was ist Anarchismus

Eine klassische Antwort aus Lateinamerika

22. September 2000

20:00 - 22:00
»Gott sei dank – die Zeit der Theorie ist vorüber«

Der junge Bakunin: Von Hegel zur Revolution

Bakunins Beiträge zur emanzipatorischen Ideengeschichte Europas sind lange Zeit unterschätzt worden und stellen zum Teil noch heute einen Geheimtip für Querdenker/-innen dar. Besonders seine frühen Jahre [vor 1848] gilt es noch zu entdecken: Sie werden meist weniger wahrgenommen als die späten [erklärt anarchistischen] Jahre – wenn auch zu Unrecht: In seiner Überwindung der hegelianischen Philosophie zugunsten der Vision eines herrschaftslosen Sozialismus bezieht er bereits früh anarchische Positionen:

»Ich bin kein Theoretiker mehr«, schrieb er im März 1845, »ich habe Metaphysik und Philosophie in mir besiegt und mich mit Leib und Seele in die praktische Welt gestürzt. Den Menschen befreien, das ist die einzig legitime Einflußnahme.«

20. Oktober 2000

20:00 - 22:00
Was ist eigentlich Anarchie?

Vier unkontrollierte Stellungnahmen

»Der Anarchismus ist, wie ich gern sage, erfreulicherweise ein sehr umfangreicher Gegenstand, ein Gebiet, auf dem, wie wenig auch die grosse Allgemeinheit noch darüber unterrichtet ist, nicht Armut und Dürftigkeit, sondern reiche Fülle vorhanden ist; Leben der vielfachsten Art, wie es die Natur bringt, nicht die dogmatische Dürre der Pedanten und Gesetzgeber, die sich einbilden, das Leben in Formeln und Paragraphen fassen und einsperren zu können.« [Max Nettlau]

Zwischenzeitlich wurde das Referat im Wortlaut veröffentlicht.

17. November 2000

21:00 - 23:00
Theodor Plivier: Der Kaiser ging, die Generäle blieben.

Ein libertärer Blick auf die Novemberrevolution 1918

Der Blick zurück – der Zukunft zugewandt. Der Weddinger Maurerlehrling, Matrose und Schriftsteller T. Plivier beschrieb in diesem Roman den Auf- und Niedergang der Novemberrevolution, den Untergang des Kaiserreiches und die enstehende neue Republik. Fatal der nationale Taumel der Arbeiter zum Kriegsbeginn trotz aller Solidaritätsbekundungen.

Mühsam der Schritt vom Verbluten im Schützengraben bis zur Rebellion. Und kaum gewonnen – so zerronnen. Eine sozialkritische Belletristik, deren »Entdeckung« noch heute anregt zum Nachdenken und zur Diskussion.

15. Dezember 2000

21:00 - 23:00
William Godwin – Der erste Anarchist über das Eigentum

William Godwin

William Godwins Untersuchung über die politische Gerechtigkeit’ von 1793 gilt als erstes Werk des philosophischen Anarchismus. Doch auch wenn seine Ablehnung staatlicher Gewaltmethoden und sein Eintreten für wirtschaftliche Gleichheit spätere anarchistische Positionen vorwegzunehmen scheint, steht sein Denken doch quer zu jeder Form des sozialen Denkens in der Folgezeit. Die »politische Gerechtigkeit« ist zugleich antikollektivistisch, antiparlamentarisch, antipluralistisch, antirevolutionär und gegen jedes organisierte Vorgehen, ein letztes Werk der Aufklärung, ebenso rational wie bizarr, ein Text ohne Vorgänger und Nachfolger. Die Lesung stellt Auszüge aus dem abschließenden Kapitel über das Eigentum in einer neubearbeiteten Übersetzung vor.