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Rückblick auf die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien im Jahr 2019

Der Bibliotheksraum
Freitag, 18. Januar 2019, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

Freitag, 25. Januar 2019, 19 Uhr

Lothar Binger: 68 – selbstorganisiert & antiautoritär

Der 68er-Aufbruch: Neue Vorstellungen von Erziehung, Sexualität, Beziehungen von Frauen und Männern und Versuche eines anderen Zusammenlebens in Kommunen und Wohngemeinschaften. Darüber berichtet Lothar Binger, Autor des Buches „68 selbstorganisiert & antiautoritär“.
Er wirkte in Westberlin in etlichen Initiativen mit, die es so zum ersten Mal gab. 1968 der erste Berliner Kinderladen, 1969 das Kinderladen INFO, 1968 die erste deutsche Undergroundzeitung Linkeck, 1970 die ersten linken Kinderbücher, 1970 Beginn der Stadtteilarbeit in Kreuzberg, Gründung des Lehrlingstheaters Rote Steine, Produktion der ersten „Ton Steine Scherben“-Single, 1971 die ersten erfolgreichen Berliner Hausbesetzungen des Jugendzentrums Kreuzberg und des Rauch-Hauses als Ergebnis der Jugendarbeit. 1972 startete mit der Gründung der GUM, dem GUM-INFO und 1974 mit dem Positionspapier der erste Versuch, die Undogmatische Linke auf ein theoretisches Fundament zu stellen und im Frühjahr 1974 entstand mit dem INFO BUG (Berliner Undogmatischer Gruppen) ein wöchentliches Kommunikationsorgan für die Sponti-Linke in Westberlin, das über vier Jahre Bestand hatte. Das alles unter der Devise: Selbstorganisiert, undogmatisch, antiautoritär und selbstverständlich antikapitalistisch.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Sonntag, 10. Februar 2019, 14 Uhr

Die Geschichte einer jungen Rebellin

Die Bibliothek öffnet an diesem Sonntag die Türen speziell für Kinder und wir möchten euch gerne die Geschichte einer jungen Rebellin erzählen, die sich mutig gegen eine Großmacht stellt. Es ist eine zeitlose Geschichte, die in diesen Zeiten voranschreitender Beschleunigung zum Innehalten anregt. Die Lesung wird musikalisch begleitet, und wir laden euch herzlich ein, Kekse, Tee oder Punsch mitzubringen. Bringt außerdem Decken und Kissen mit, damit ihr es euch gemütlich machen könnt. Bei Anmeldung gibt es weitere Infos. Wir freuen uns auf euer Kommen!
(Lesung für Kinder)

Anmeldung: diefreien@bibliothekderfreien.de

Freitag, 15. Februar 2019, 19 Uhr

Das Kiezhaus Agnes Reinhold stellt sich vor

Die Idee, einen Raum als Teil der kommunalen Struktur in der Nachbarschaft aufzubauen und gemeinsam zu verwalten, hat mit dem Bezug der Räumlichkeiten in der Afrikanischen Straße 74 im Berliner Stadtteil Wedding ein große Verwandlung in Richtung Wirklichkeit erfahren. Das Kiezhaus Agnes Reinhold soll einen Ort ermöglichen, um zusammenzutreffen und sich jenseits von kapitalistischer Verwertungspolitik und dem Joch von Nationalstaaten und Grenzen auszutauschen. Hiermit ist in Berlin ein neuer Freiraum geschaffen worden, während so viele andere schwinden.
An dem Abend stellen wir das Projekt vor, anschließend wird die Gustav-Landauer-Initiative vom Leben und Schaffen der Namenspatronin Agnes Reinhold, einer Kämpferin der frühen anarchistischen Bewegung in Berlin, erzählen. Zu ihrer Zeit war sie hochgeehrt als „anarchistische Louise Michel“ – heute ist sie ganz zu Unrecht vergessen. Unter hohem persönlichen Einsatz organisierte sie mit ihrer Gruppe „Autonomie“ den Schmuggel und die Verteilung von anarchistischen Zeitungen und Flugblättern in Berlin, baute ein Kontaktnetz der ersten Gruppen in Deutschland und den angrenzenden Ländern auf und rief gerade die Frauen zum politische Engagement. Als ihre Gruppe 1890 verhaftet wurde, nahm sie alle Schuld auf sich und erreichte Freisprüche für alle anderen Angeklagten – zu einem hohen Preis: 6 Jahre Zuchthaus in Einzelhaft. Nach der Entlassung machte sie ihre erschütternden Hafterfahrungen öffentlich und trat unerschrocken gegen ihre Peiniger auf.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

kiezhaus.org

Der Bibliotheksraum
Freitag, 1. März 2019, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

Freitag, 15. März 2019, 19 Uhr

1919–2019: 100 Jahre Revolution & die Münchener Räterepublik

Im Dezember 1919 wurde im Räte-Kongress mehrheitlich für die verfassungsgebende Nationalversammlung gestimmt. Dies war eine bittere Enttäuschung für die revolutionäre Linke und die Linksradikalen, eine Entscheidung für den Parlamentarismus statt einer freiheitlich-sozialistischen Räte-Republik. Zugleich war damit der Kapitalismus „gerettet“. Dies geschah aus der Not und dem sozialen Elend heraus. Gleichzeitig gab es neue Revolutionserwartungen. Es folgten Massen-Streiks, z.B. in Berlin und dem Ruhrgebiet. Im April 1919 wurde die Bairische Räterepublik ausgerufen. Mitten drin „Träumer“ und libertäre Denker, wie Landauer, Mühsam und Toller. Zur gleichen Zeit wuchs die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAUD massiv an. Eine Kommission mit Augustin Souchy wurde einberufen, sie wollte ein realistisches Selbstverwaltungsmodell kreieren – jenseits aller „Träumereien“. Die Veranstaltung soll ein libertärer Erinnerungsschub für die Zukunft sein, jenseits des Bildes eines kohleverschmierten Bergarbeiter-Kumpels.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Montag, 25. März 2019, 19 Uhr

Lou Marin: Pazifismus oder gewaltfreier Anarchismus?

Achtung: Die Veranstaltung findet im BAIZ statt!

Pazifismus und gewaltfreier Anarchismus werden in der „Linken“ oftmals und fälschlicherweise als synonym verstanden. Manchmal wird der gewaltfreie Anarchismus auch gar nicht als solcher benannt, sondern es wird der Pazifismus (angeblich immer gegen Gewalt: falsch!) dem Anarchismus (angeblich immer für Gegengewalt: falsch!) gegenübergesetzt.
Doch im deutschsprachigen Raum existiert durch die lange Tradition und Praxis der Graswurzelrevolution (seit 1972) und ihr nahe stehender Aktionskampagnen (von Bauplatzbesetzungen in der Anti-AKW-Bewegung über antimilitaristische Manöverstörungen in den 80er-Jahren, über Blockaden der Castor-Transporte bis zu den jüngsten Kampagnen zivilen Ungehorsams der Klimabewegung) der gewaltfreie Anarchismus als eine – von vielen – Strömungen des Anarchismus. International ist diese Strömung in der antimilitaristischen Internationale der „War Resisters’ International“ (seit 1921) organisiert.
Der Pazifismus dagegen, als bürgerlicher und sozialdemokratischer Pazifismus, hat eine andere Geschichte. Sie ist zwar auch mit individueller Kriegsdienstverweigerung, aber vorwiegend mit parlamentarischen Friedenskonferenzen, internationalen Schiedsgerichten, der historischen Forderung nach einem Volksheer anstatt einem stehenden Heer, Appellen an die und Verhandlungen unter den Regierenden verknüpft. Der Pazifismus ist befriedend, der gewaltfreie Anarchismus revolutionär und befreiend.
Im Vortrag wird besonders auf die Darstellung der Unterschiede Wert gelegt, um die verbreitete Ineinssetzung von Pazifismus und gewaltfreiem Anarchismus zurückzuweisen.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 29. März 2019, 19 Uhr

Maurice Schuhmann: Spuren der Stirner- und Nietzsche-Rezeption im Werk von Ret Marut/B. Traven

„Wenn das Werk spricht, hat der Autor zu schweigen“ heißt es sinngemäß im Werk Friedrich Nietzsches. Wie kaum ein anderer Schriftsteller hat der Anarchist und Bestsellerautor B. Traven („Der Schatz der Sierra Madre“, „Das Totenschiff“), der am 26. März 1969 in Mexiko verstarb, versucht, das Postulat umzusetzen. Bei ihm trat der Autor hinter das Werk zurück – und damit machte er sich gleichzeitig so spannend für die literarische Öffentlichkeit, so dass es eine regelrechte Jagd auf das Phantom B. Traven gab. Besonders sein Frühwerk („Der Ziegelbrenner"), welches er unter dem Namen Ret Marut publizierte, ist geprägt von seiner Nietzsche- und Max Stirner-Rezeption, wie sie in der Epoche des I. Weltkrieges in libertären Kreisen häufig anzutreffen war.
Anlässlich seines 50. Todestages gilt es die Rezeption jener beiden Philosophen in seinem Gesamtwerk nachzugehen und die Besonderheiten jener Traven’schen Lesart im Kontext des zeitgenössischen anarchistischen Diskurses herauszuarbeiten.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 5. April 2019, 19 Uhr

DISRUPT! Autonomie und transformierte Herrschaft in Zeiten digitalisierter Fremdbestimmung

Mit „DISRUPT!“ beschreibt das Autor*innen-Kollektiv Capulcu die Versuche, das menschliche Dasein den Anforderungen einer reduktionistischen künstlichen Intelligenz zu unterwerfen. Der Anpassungsdruck des Menschen an die Maschine wirkt bereits jetzt – weit vor einer vollständigen Vernetzung aller mit allem. Capulcu dechiffriert diese „Entwicklung“ als Angriff auf unsere Autonomie und analysiert seine entsolidarisierende Wirkung. Denn Technologie ist nie neutral, sondern immanent politisch.
DELETE untersucht, wie sich Machtverhältnisse durch diesen technologischen Angriff verändern. Die klassischen politischen Institutionen erleiden einen Bedeutungsverlust während der Einfluss der Tech-Giganten über die Ökonomisierung der entlegensten Lebensbereiche weiter steigt. Soziale Punktesysteme verlängern mit ihrem permanenten „Rating“ und „Scoring“ die Reichweite der Disziplinierung weit über die direkte Ausbeutung im Arbeitsverhältnis hinaus. Wie verändert sich die Bedingungen für Autonomie und soziale Revolte in dieser zunehmenden Fremdbestimmung?
Capulcu hält einen Gegenangriff auf die Praxis und die Ideologie der totalen Erfassung, Bewertung und Lenkung für zwingend notwendig. Die Autor*innen plädieren für die Wiederbelebung einer praktischen Technologiekritik.
(Vortrag mit Diskussion)

capulcu.blackblogs.org

Samstag, 13. April 2019, 13:30 Uhr

Räte: Modell und Praxis

Zunächst stellen wir ein einfaches Modell einer Gesellschaft der Räte vor. Auch die CNT/FAI propagierte immer das Prinzip „vom Einfachen zum Komplexen“. Murray Bookchins Idee des libertären Kommunalismus folgt danach. Weiter geht es mit der Schweizer Anarchistin Clara Thalmann, die 1937 in einem Provinzdorf zur Praxis überging. Und ein weiteres praktisches Beispiel wird erläutert: Der katalanische Zugverkehr. Die beiden größten spanischen Gewerkschaften, die CNT und die sozialistische Gewerkschaft, machten sich vereint an die revolutionäre Umwälzung. Ein Workshop mit Raum fürs Nachdenken und die Diskussion. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erhalten ein zusammenfassendes Paper.
(Workshop und Referat mit Bildern und Videos)

Anmeldung: diefreien@bibliothekderfreien.de

Donnerstag, 2. Mai 2019, 19 Uhr im Robert-Havemann-Saal

Gustav Landauer zum 100. Todestag

Bis in den Mai hinein, über sechs Wochen hinweg, wird im Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg die umfassende Ausstellung „Anarchie ist das Leben der Menschen, die dem Joche entronnen sind. Gustav Landauer in Berlin (1889-1917)“ gezeigt. Geboren in Karlsruhe und ermordet in München schlägt die Ausstellung den Bogen und fokussiert dabei die Aktivitäten des freiheitlichen Sozialisten in Berlin. Anlässlich des 100. Todestages Landauers findet am 2. Mai die zentrale Veranstaltung im Rahmenprogramm der Ausstellung im Havemann-Saal statt. Der Abend wird eingeleitet mit einer szenischen Lesung. Danach wird es in kurzen Stellungnahmen und einer moderierten Podiumsdiskussion um das Unabgegoltene in Landauers Denken gehen, um heute noch – oder wieder – dringende Fragen von allgemeinem Interesse, aber auch um Gespräch, Anekdote und Unterhaltung.

„Gustav Landauer in Berlin“

Rahmenprogramm zur Ausstellung

weitere Infos: https://gustav-landauer.org/ausstellung

  • Gustav Landauer in seinen Briefen aus Krieg und Revolution
    Do., 11. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei
  • Gustav Landauer und die Anfänge der Reformpädagogik
    Do., 18. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei
  • Gustav Landauer und die Münchner Räterepublik
    Do., 25. April 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei
  • Gustav Landauer zum 100. Todestag
    Do., 2. Mai 2019, 20 Uhr: Robert-Havemann-Saal im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
  • „Sehr wertvoll sind darum die Vorschläge, die Silvio Gesell gemacht hat“. Die Freigeldtheorie damals und heute
    Fr., 3. Mai 2019, 19 Uhr: Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Adalbertstr. 95A, 10999 Berlin, barrierefrei
  • Siedlung, Landbau und Genossenschaft. Transformationspotenziale solidarischer Ökonomie
    Mo., 6. Mai 2019, 19 Uhr: Ex-Ableger, Oranienstraße 45, 10969 Berlin, barrierefrei
  • Zwischen Antisemitismus und Zionismus. Gustav Landauer und das Jüdische Volksheim
    Di., 7. Mai 2019, 19 Uhr: Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien, Sophienstr. 22a, 10178 Berlin, barrierefrei
Der Bibliotheksraum
Freitag, 10. Mai 2019, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

Mittwoch, 15. Mai 2019, 19 Uhr (Havemann-Saal)

Wiedereröffnung der Ausstellung „Gustav Landauer in Berlin“

  • 19 Uhr Führung
  • 20 Uhr Vortrag mit Diskussion

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr mit einer Führung durch die Ausstellung. Auf 24 Tafeln wird über Leben und Werk des anarchistischen Sozialisten Gustav Landauer (1870-1919) informiert, wobei der Fokus auf seinem langjährigen Wirken in Berlin liegt. Sein Engagement für die Volksbühnenbewegung, Genossenschaften, freie Schulen, Siedlungsprojekte und vieles mehr wird ebenso thematisiert wie Nachwirkung und Aktualität seines Denkens. Eben diese Aktualität soll dann im zweiten Teil der Veranstaltung beginnend um 20 Uhr diskutiert werden. Hierzu werden Referenten der Gustav-Landauer-Denkmal-Initiative zu Gast sein.

Freitag, 31. Mai 2019, 19 Uhr

Lothar Binger: Verstockte Welt – Stock-Geschichte im Patriarchat

Der Stock begleitete und prägte wie kein anderer Gegenstand die Menschheitsgeschichte als Werkzeug, Grabstock, Spindel, Waffe und für die Feuererzeugung. Als Trägermaterial von Werkzeugen wurde er unentbehrlich, so dass man die Steinzeit ebenso gut auch Stockzeit nennen könnte. Die ersten Bauwerke waren der schräg gestellte, aus Stöcken gefertigte, Windschutz und aus Zweigen gebaute Hütten. Der den Frauen zugeordnete Stock war, neben dem Grabstock, vor allem die Spindel, die der Herstellung der Kleidung diente. Seit der Prähistorie sicherten Männer mit dem Stock als Waffe die Gruppe. Als Herrscherstab verkörpert der Stock die Würde und als Prügelinstrument die Entwürdigung. Mit dem Stock verbinden sich Macht und Unterdrückung, Erziehung und Sexualität.
Warum greifen Jungen anders als Mädchen seit dem Kleinkindalter zum Stock? Warum werden in männlichen Händen Stöcke zu Waffen, zu Herrschaftsstäben und zu phallischen Symbolen des Patriarchats? Diesen Fragen geht das Buch ebenso nach wie den zahlreichen Anwendungen und Bedeutungen des Stockes im Handwerk, im religiösen und weltlichen Brauchtum, in der Mythologie, in der Musik, in der Vieh- und Landwirtschaft, im Haushalt sowie in Spiel und Sport. Als Pilger- und Wanderstock war der Stock ein wichtiges Hilfsmittel bei Reisen zu Fuß und in der Gegenwart hat sich der Walking stick als Sportinstrument hinzugesellt.

Der Bibliotheksraum
Freitag, 7. Juni 2019, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

Freitag, 14. Juni 2019, 18:30 Uhr

Maurice Schumann: Anarchistische Perspektiven auf die frühe Kibbuzim-Bewegung

Unter den sozialistischen Siedlungsprojekten des langen 19. Jahrhunderts nimmt die frühe Kibbuzim-Bewegung eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu den meisten anderen Projekten, die nach wenigen Jahren wieder eingingen und weitestgehend in Vergessenheit geraten sind, kann die Kibbuzim-Bewegung auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken – wenn auch mit einigen Brüchen und Modifikationen der Ursprungskonzepte. Als Ursprünge werden allgemein der (politische) Zionismus und sozialistisches Gedankengut, d.h. konkret eine spezifisch jüdisch-nationale Spielart des Sozialismus (z.B. die Ideen von David Aaron Gordon), benannt. Die erste Generation jener Bewegung war aber z.T. auch noch stark von (libertär-)sozialistischem Gedankengut inspiriert – u.a. durch Kropotkin, dessen Abhandlung über die Landwirtschaft recht früh in jenen Kreisen auch ins Hebräische übersetzt wurde, und durch die Siedlungsideen von Gustav Landauer, die vor allem durch seinen engen Freund Martin Buber Eingang in den Diskursen fand. Der deutsche Anarcho-Syndikalist Augustin Souchy widmete der Kibbuzim-Bewegung nach dem 2. Weltkrieg eine enthusiastisch anmutende Broschüre – und übersah einige kritische Aspekte sowie Fehlentwicklungen, aber ihm ist hoch anzurechnen, dass er das – in jenen Kreisen bislang viel zu wenig rezipierte – Projekt wieder ins Blickfeld rückte.
Der Politikwissenschaftler Dr. Maurice Schumann beleuchtet die Ursprünge und ersten Jahrzehnte der Kibbuzim-Bewegung mit ihren sozialen bzw. politischen Experimenten und stellt die Lehren daraus zur gemeinsamen Diskussion.
(Vortrag mit Diskussion)

Freitag, 28. Juni, 19 Uhr

Günter Gempp: „Gesellschaften ohne Staat und Modelle für Radikaldemokratie“

Anarchie wird häufig verstanden als Chaos und Unordnung, wir können diesen Begriff aber auch vielleicht besser verstehen: als eine Ordnung der Freiheitlichen in Freiheit. Der Staat ist schon im Grundsatz Verhinderung der Freiheit und Ursache von Kriegen. Kriege sind die extremen Formen der Unfreiheit.
Aber ein Großteil der Zeit, in der es Menschen gibt, lebten Menschen ohne Staat in Gemeinschaften und Verbindungen. Sie waren das dominierende Modell des Zusammenlebens. Die Regulierung von Konflikten erfolgte meist über Gespräch und Konsens. Die Alltagsgestaltung wurde reguliert über Bräuche und Regeln.
In diesem hier vorgestellten Vortrag (Workshop) wollen wir primär am Leben von Völkern im Goldenen Dreieck zeigen, dass es heute noch Formen des Zusammenlebens in akephalen, segmentären Gesellschaften gibt. Andere solche Modelle können wir in Afrika studieren oder aus Berichten geschichtlicher Herkunft entnehmen.
Wir wollen aber auch theoretisch die Merkmale solcher Modelle herausarbeiten und die Zusammenhänge auch aus dem Blickwinkel des Rechts im Spannungsfeld zwischen Gewohnheiten, Regeln und geschriebenem, kodifizierten Recht darstellen.
(Vortrag mit Diskussion)

Der Bibliotheksraum
Freitag, 5. Juli 2019, 18:30 Uhr

Bibliothek der Freien

Vorstellung des Projekts

Für alle Interessierten: Ein Einblick in das Bibliotheksprojekt und eine Orientierung über unsere Bestände an Büchern, Zeitschriften, Archivalien und anderem.

Freitag, 12. Juli 2019, 19 Uhr

Solidarische Landwirtschaft, SoLaWi

Die solidarische Landwirtschaft, SoLaWi, strebt eine ökologische und gemeinschaftliche Produktion von Lebensmitteln an. Leider ist bei vielen Initiativen das Politische in den Hintergrund geraten, es geht vielen nur noch um gutes, gesundes Bio-Essen. Aber wie können Betriebe der solidarischen Landwirtschaft die Potenziale, die in dieser guten Idee stecken, zur antikapitalistischen Gesellschaftsveränderung und Aufklärung nutzen?
(Filmvorführung mit Diskussion)

Freitag, 27. September 2019, 19 Uhr

Elisabeth Voß: Hierarchiefrei leben, ohne Chef und Staat?

Das Buch des anarchistischen Autors Horst Stowasser (1951 bis 2009): „Projekt A“, Erstauflage 1984, ist soeben neu erschienen. Darin wird eine Vision entwickelt von einer Welt, in der die Lebensbereiche Arbeit, Wohnen, politisches Engagement und Freizeit nicht mehr voneinander getrennt sind. Ausgehend von einer westdeutschen Kleinstadt soll dieser alternative Lebensentwurf eines Projektanarchismus so attraktiv werden, dass er sich nach und nach auf die ganze Welt ausdehnt.
In Neustadt/Weinstraße wurde ab 1989 versucht, dies umzusetzen: Die WESPE; weit mehr als 100 Leute waren an dem Projekt beteiligt. Die Idee und Erfahrungen werden – aus subjektiver Sicht der Vortragenden – dargestellt. Elisabeth Voß schreibt, spricht und berät zu Selbstverwaltung und solidarischem Wirtschaften. Von 1993 bis 1996 hat sie im Projekt A in Neustadt/Weinstraße gelebt und in einem Kollektiv gearbeitet.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

www.elisabeth-voss.de

Hinweis: Die Veranstaltung hat nichts mit dem Film „Projekt A“ zu tun.

Dienstag, 1. Oktober 2019, 19:00 Uhr

Die Frauen der Solidarność -- Solidarność według kobiet

Film im Rahmen der Themen-Woche 30 Jahre 89 – Keine Revolution ist auch keine Lösung!

Dokumentarfilm von Marta Dzido und Piotr Śliwowski. OmdU

„Die Geschichte dieser Frauen ist überwachsen mit Unkraut und Moos“

In den 1980ern hatte die unabhängige und selbstverwaltete polnische Gewerkschaft Solidarność über 10 Millionen Mitglieder – die Hälfte davon Frauen!
Aber ihr Beitrag, ihre jahrelange aktive Oppositionsarbeit, die maßgeblich zum Ende der Sowjetunion und einer neu gestalteten Welt beigetragen hat, wird in der aktuellen Geschichtspolitik fast vollständig ausgeblendet. Dabei waren diese Frauen in allen Bereichen vertreten: Sie waren in den Gremien aktiv, brachten Zeitungen heraus, arbeiteten konspirativ und übernahmen die Aufgaben der inhaftierten Genoss*innen -- und das alles unter dem jahrelangen Verbot der Solidarność, der Kriminalisierung ihrer Arbeit und der Verhängung des Kriegsrechts über ihre Gewerkschaftstätigkeit.
Sie selbst und ihre Familien wurden als staatsfeindlich betrachtet und hatten unter Repressalien zu leiden. Und dennoch bewiesen sie den längeren Atem, teilweise auch länger als der ihrer männlichen Genossen:
„Als an einem Samstag im August 1980 die mit den Lohnerhöhungen zufriedenen Arbeiter ihren Streik beendeten und die Danziger Werft verlassen wollten, schlossen die Frauen die Werkstore und begannen einen Solidaritätsstreik. Ohne die Initiative dieser Handvoll entschlossener Frauen hätte es den gesellschaftlichen Umbruch in Polen womöglich nicht gegeben.“
Bei den Verhandlungen am Runden Tisch aber, waren sie nicht vertreten, bei der Übernahme wichtiger zukunftsweisender Posten spielten Frauen kaum eine Rolle.

Die notwendige feministische Perspektive auf die polnische Unabhängigkeitsbewegung

Wie konnten die Verdienste dieser Kämpferinnen für ein unabhängiges Polen so dermaßen in Vergessenheit geraten? Hier betreibt der Dokumentarfilm aktive Erinnerungs- und Verständnispolitik, zeichnet Wege und Entscheidungen nach, lässt Protagonist*innen zu Wort kommen und macht Entwicklungen nachvollziehbar. Dadurch arbeitet der Film auch die Vielschichtigkeit dieser politischen Frauen heraus. Ihre unterschiedlichen Beweggründe für ihr jeweiliges und gemeinsames politisches Engagement werden so deutlich. Dadurch erhält der Film eine ganz andere Form von Lebendigkeit und Relevanz -- auch für unsere heutigen Kämpfe. Der Film ist im besten Sinne ein selbstreflektiertes Gegenstück zum oft ikonenhaft zitierten Mythos der Solidarność als Bewegung bärtiger Männer aus längst vergangenen Zeiten.
Denn die Frauen der Solidarność und ihr erfolgreicher Kampf müssen auf jeden Fall einen ganz neuen Platz im kulturellen Gedächtnis Europas erhalten – schließlich war es ihr Kampf, ihr Glaube an eine andere Welt, der unsere heutige Realität erst ermöglich hat!

Trailer: Die Frauen der Solidarność

Freitag, 4. Oktober 2019, 19 Uhr

Auf den Spuren von Kropotkin. Vor-Veranstaltung zur Exkursion nach Rüdersdorf

Kropotkins Werdegang über die Eiszeitforschung zum Anarchokommunismus. Sein damaliges Pendant aus dem höheren Adelsstand war hier in Berlin: Ferdinand von Richthofen. Als Geologe erforschte er im Fach Geomorphologie den Löß. Und war zugleich führendes Mitglied in der deutschen Kolonialgesellschaft. Was hat all dies mit der „imperialen Lebensweise“ zu tun? Der innovative „Öko“-Kapitalismus „fährt weiter“, das heißt, Elektromobilität ist jetzt angesagt.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Samstag, den 5. Oktober 2019, 13 Uhr, S-Bahnhof Friedrichshagen

Exkursion nach Rüdersdorf: Kalkstein-Abbau, Zement und Alternativen

Was ist geologisch pikant am Rüdersdorfer Tagebau? Wie wäre es mit alternativen Natur-Baustoffen? Was bedeutet der Begriff: Extraktivismus? Was wäre die Alternative zum E-Mobil? Was lief in Rüdersdorf während des Nazi-Faschismus? Wie wäre es mit einer „glokalen“ Dezentralisierung? Sowohl für die Industrie und Energie, was seinerzeit schon Kropotkin beschrieb. Für einen libertären Kommunalismus!

Ab 13 Uhr S-Bahnhof Friedrichshagen dann mit der Tram 88 weiter bis zur Heinitz-Strasse, weiter zu Fuß zum Museum.
Auch bei Regen dann im Torell-Haus eventuell mit Regenschirm auf Schuster`s Rappen – ab in die ›Pampa‹.

Wichtig: Wir bitten um rechtzeitige Anmeldung unter workshop[at]bibliothekderfreien.de

Freitag, 11. Oktober 2019, 19:00 Uhr, Robert-Havemann-Saal

30 Jahre telegraph – 30 Jahre linker Journalismus

Das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition wird 30 Jahre alt

Vor 30 Jahren, im Herbst 1989, bedurfte es schnellerer Reaktionen auf täglich neue Ereignisse. Zur Erinnerung: Bis 1989/90 wurde in der DDR laut ihrer Verfassung „Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens… gewährleistet“ (Artikel 27), tatsächlich wurden die Massenmedien durch die SED und die Blockparteien kontrolliert. Als Gegenöffentlichkeit gab es lediglich einige Samisdat-Veröffentlichungen und eine Reihe von „illegalen“ politischen und künstlerischen Publikationen, die Verbreitung war durch technische Möglichkeiten und staatliche Repression be-grenzt.
Als sich die Ereignisse im Herbst 1989 überschlugen, musste ein schnelleres Informations- und Diskussionsmedium her. In Berlin wurden Redakteure verschiedener Oppositionszeitschriften eingeladen, an der neu gegründeten und als Nachfolgezeitschrift der Umweltblätter geltende Zeitschrift telegraph mitzuarbeiten. Die erste Nummer erschien am 10. Oktober 1989. Seitdem sind über 130 Nummern und mehrere Sonderausgaben erschienen. Das wollen wir feiern und wir laden Dich / Euch dazu ein.
Wir sind das letzte existierende Samisdat der DDR-Opposition – und wir werden 30 Jahre alt. Das wollen wir gemeinsam feiern und wir laden Dich / Euch herzlich dazu ein.

Der Veranstalter ist der telegraph.
Das Programm und weiter Infos beim telegraph und im HdDM.

Freitag, den 18. Oktober 2019, 19 Uhr

Gerhard Bauer: Zum Thema Glück

„Freiheit und Glück!“ so grüßten sich Libertäre und Anarchisten früher, einige tun es heute noch. Was zur Freiheit gehört, haben wir uns schon in mehreren Veranstaltungen vergegenwärtigt, bei Marx und Bakunin, bei Moses Hess, bei Landauer und noch bei heutigen Vorkämpfern der Anarchie. Aber das Glück, lässt sich das ebenso einfach fassen? Lässt es sich definieren? Was gehört dazu, dass wir uns von Glück erfüllt nennen können? Was richtet das Glück mit uns und in uns an?
Wir müssen das Glück nicht zerfasern, aber sichtlich gibt es ein geistliches Glück: „Halleluja“ in den höchsten Tönen, und gibt ein bourgeoises Glück: gelungene Geschäfte und Gemütlichkeit, dazu schon seit Aristoteles (und noch verschärft seit der Stoa) „Selbstgenügsamkeit“. Worin aber bestünde das Glück der vielen heutigen Bewohner dieses Landes und anderer Länder? Gab es Zeiten, in denen es das schon mal gegeben hat? Wie sähe es heute aus, und zwar besonders das kollektive und soziale Glücklichsein? „Glück ist eine Art Mut“, wird einer Schriftstellerin namens Johnson zugeschrieben.
Da ich Philologe bin, liegt es mir nahe, in den Tresoren der schönen Literatur, sagen wir der letzten zwei Jahrhunderte, nachzusehen, wie noch nicht befreite, doch um ihre Befreiung kämpfende Menschen, Publizisten, Poeten sich eine glückliche Menschheit in einer glücklichen Welt vorgestellt haben. Von Büchner und Heine über die ausdauernden „Könige der Landstraßen“ der vorigen Jahrhundertwende, über Erich Mühsam, Oskar Maria Graf, Else Lasker-Schüler bis zu Jurek Becker und Fred Wander haben Literaten selbst in finsteren Zeiten ausgeschaut nach Zuständen haltbaren Glücks. Und haben sich, ihr Denken, ihre Künste eingesetzt, einen solchen Zustand herbeizuführen. Der befreiten Menschheit soll das Glück nicht einfach in den Schoß fallen – erst wenn sie sich definitiv dafür bereit macht, wenn sie ihre Gedanken, ihre Kunst und ihre Künste, ihre Alltagsbemühungen jeden Tag darauf richtet, kann sie hoffen, zusammen mit der Freiheit auch das Glück zu erringen. Intensiv bei sich sein kann Glück bedeuten, aber das haltbarste, das beglückteste Glück stellt sich erst ein, wenn wir es schaffen, es mit anderen zu teilen. „Ausgeteilet erfreut solch Gut, und getauschet, mit Fremden, / Wird’s ein Jubel“ (Hölderlin). Achten wir hier darauf, dass Hölderlin die „Fremden“ als die eigentlichen Adressaten und Tauschpartner des Glücks ansetzt. Seine Meinung ist, dass glückliche Zeiten die Differenz zwischen eigen und „fremd“ überhaupt zum Verschwinden bringen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, den 25. Oktober 2019, 19 Uhr

Dietmar Wolf: Antifa-Gruppen in der DDR

Vor nunmehr drei Jahrzehnten gründeten sich die ersten unabhängigen Antifa-Gruppen in der DDR. Nach dem Angriff von Neonazis auf ein Punk-Konzert in der Berliner Zionskirche und angesichts eines zunehmenden Rassismus war ihr erklärtes Ziel, die Gesellschaft wachzurütteln und Selbstverteidigung zu organisieren.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

 

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