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Veranstaltungs-Vorschau

Win Goodbody
Freitag, 28. Februar 2020, 19 Uhr

Hommage an Ursula K. Le Guin

“Resistance and change often begin in art. Very often in our art, the art of words.” (“Widerstand und Veränderung beginnen oft in der Kunst. Sehr oft in unserer Kunst, der Kunst der Wörter.“)

Am 22.01.2018 verstarb mit Ursula K. Le Guin eine Grande Dame der fantastischen und Science-Fiction Literatur. Ihr Credo lässt sich umschreiben mit ihrem Zitat: “I too have crossed some genre barriers, in fact about as many as I could" (“Ich habe auch einige Genre-Grenzen überschritten, tatsächlich so viele wie ich konnte.“). Nach heutigen Maßstäben ist sie eine Autorin und Feministin, die aktuelle Queertheorien mit ihrem Roman "The left Hand of Darkness" („Die linke Hand der Dunkelheit“) 1969 vorwegnehmend imaginierte. Auch die anarchistische Utopie "The Dispossessed" („Die Enteigneten“, auch: „Planet der Habenichtse“) (1974) überzeugte die männlich dominierte Science Fiction Szene, so dass sie, wie noch keine Frau vor ihr, den Hugo Award zweimal hintereinander gewann. Diese Veranstaltung soll als Ehrung und Hommage verstanden werden, Textstellen aus oben genannten Romanen werden in Form einer Lesung vorgetragen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

ADN-ZB/Archiv
Freitag, 13. März 2020, 19 Uhr

Gustav Landauer Initiative: 100 Jahre Kapp-Putsch

Der Generalstreik und der Kampf gegen den Kapp-Lüttwitz Putsch in Berlin 1920 geriet die junge Weimarer Republik in höchste Gefahr! Putschende Rechte versuchten mit militärischer Gewalt den Umsturz und besetzten das Berliner Regierungsviertel. Bis dahin hatten sich Ebert und Noske auf rechte Freikorpsverbände gestützt, um eine weitergehende Demokratisierung und Sozialisierung zu verhindern. Nun flüchteten sie in die deutsche Provinz und riefen die Arbeiterschaft zum Generalstreik auf, der die Putschisten zur Aufgabe zwang. Aber zuletzt zahlten wohl über zweitausend Arbeiter*innen ihr Eintreten für die Republik oder für eine weitergehende Demokratisierung mit ihrem Leben. Doch dem Geschehen ging eine langjährige erbitterte Debatte um den Generalstreik voraus, der als anarcho-syndikalistische Praxis von der SPD stets abgelehnt wurde.

Wir versuchen neben einem kurzen Abriss der Ereignisse eine Einordnung in die Abläufe der Deutschen Revolutionen zwischen 1918 und 1923 zu geben und lassen die damaligen Anarchist*innen und Anarcho-Syndikalist*innen zu Wort kommen. Zuletzt werfen wir einen Blick auf den Zustand der Gräber der Opfer in Berlin, die bis heute kaum gewürdigt werden.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Donnerstag, 19. März 2020, 19 Uhr

P. M.: „Warum haben wir eigentlich immer noch Kapitalismus?“

Die Frage müssen wir uns stellen, denn dessen Überwindung ist einfacher als gedacht! Ihr könnt aufhören zu diskutieren, P.M. hat den definitiven Vorschlag, wie wir aus der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung (von einigen Scherzkeksen Kapitalismus genannt) herauskommen, weltweit, ökologisch und gemäss den neusten Rezepten der Glücksforschung. Wer jetzt nicht zugreift, verpasst sein Leben.

In seinem aktuellen Buch setzt der Schweizer Autor Hans Widmer aka P. M. fort, was ihn in den letzten 30 Jahren in seinem Werk mal in den intergalaktischen Raum, mal ins Mittelalter und mal in die Schweiz führte: der Weg des radikalen Umdenkens: „Alle reden von der nächsten Krise des gegenwärtigen Wirtschaftssystems… Wieder einmal stockt das Wachstum. Die Blase wird erneut gefüttert mit billigem Geld, Staatsschulden, Steuersenkungen. Was passiert, wenn sie platzt? Was, wenn Kapitalismus und Krise Synonyme sind? Der ewige Krisenparcours des Kapitalismus ist zerstörerisch, weil er nicht nachhaltig sein kann. Landschaften, Menschen, gesellschaftlicher Zusammenhalt, das Klima, die Artenvielfalt werden beschädigt, um das Wachstum aufrechtzuerhalten, das notwendig ist, um 200 Billionen Dollar Schulden wenigstens theoretisch als bedienbar erscheinen zu lassen. Der Kapitalismus ist eine intrinsisch lebensfeindliche Maschinerie. Wir sind ein Teil davon. Aber wir können es ändern.“ Hier gibt es einen Vorschlag, der den Kapitalismus beenden kann!

Wie schon in dem 2019 erschienen Roman von P.M. „Das Gesicht des Hasen“ wird aufgezeigt, dass der Kapitalismus kein unüberwindbares Hindernis ist. Wir schmieden einfach eine „neue Allianz“.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 20. März 2020, 19 Uhr

Anarchistische Geographen? Reclus und Kropotkin und die Sache mit der Nation

Élisée Reclus und Pjotr Kropotkin waren beides: Anarchisten und Geographen. Vor allem Reclus' „Nouvelle géographie universelle“ (erschienen 1876-1894) wird als methodischer Vorläufer der heutigen Humangeographie angesehen. In ihrer Rolle als anerkannte Geographen und Wissenschaftler unterstützten und beeinflussten beide die Unabhängigkeit mancher Nationen und wirkten so auch an der Bildung neuer nationalstaatlicher Grenzen mit. Weder Kropotkin noch Reclus bezeichneten sich dabei als anarchistische Geographen. Anarchistische Geographie, in eben dieser Selbstbezeichnung, ist ein noch junges wissenschaftliches Feld – so gibt es beispielsweise erst seit 2017 die 'International Conference of Anarchist Geographies and Geographers'. Eine aktuelle Frage, die sich womöglich bereits Kropotkin und Reclus stellen mussten, lautet hier: Wie kann Raum möglichst ohne Staat gedacht und erforscht werden, wo doch gerade WissenschaftlerInnen auf staatliche oder institutionelle Anerkennung und Unterstützung angewiesen sind?

Der Vortrag von Anna möchte einen Überblick geben über frühe geographische Arbeiten, in denen anarchistische Ansätze erkennbar sind, aktuelle Konzepte vorstellen, sowie nationale Bestrebungen Reclus' und Kropotkins in den historischen Kontext des 19. Jahrhunderts stellen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 27. März 2020, 19 Uhr

Ruhraufstand

Nachdem im März 1920 Kapp putschte, riefen alle linken Arbeiterorganisationen den Generalstreik aus und der rechte Putsch konnte abgewendet werden. Im Ruhrgebiet behalten die Arbeiter*innen unter anderem in der anarchosyndikalistischen FAUD ihre Waffen und bildeten sogenannte Arbweiterwehren. Letztlich wurde der Ruhraufstand mit Hilfe von Freikorps zerschlagen. Hinter der Front passierte aber noch viel mehr. Sind die Forderungen seiner Zeit heute noch aktuell?
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 3. April 2020, 19 Uhr

Andreas Müller: Anarchisten in Dortmund, von 1919 – 1933

In der Weimarer Republik sind im Raum Dortmund bis zu 20000 registrierte Mitglieder in anarchistischen Vereinen aktiv gewesen. Inspiriert von den Reformbewegungen, gab es vielfältige Kulturvereine wie z.B. die freien Sängerbünde, Frauengruppen, die sich mit Sexualaufklärung, Verhütung aber auch freier Liebe beschäftigten, Kinder- und Jugendgruppen, freie Schulen, Individualanarchisten, bis hin zur erstarkten und in vielen Betrieben dominierenden FAUD, die noch bis 1926 oft die Mehrheit in den Betriebsräten stellte. Andreas Müller von der Geschichtswerkstatt Dortmund stellt die Hintergründe und die Breite der Bewegung dar, ihre Spaltungen, ausgelöst durch die Frage, was denn nun der "wahre" Anarchismus sei, bis zur Auflösung durch den Faschismus.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 24. April 2020, 19 Uhr

Jonathan Eibisch: Soziale Revolution als entscheidender Fluchtpunkt anarchistischen Denkens

Wovon reden Anarchist*innen eigentlich, wenn sie von „sozialer Revolution“ sprechen? Und ergibt es unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen denn überhaupt Sinn, noch solche großartigen Worte in den Mund zu nehmen? Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass sich im Anarchismus sozial-revolutionäre Vorstellungen in Abgrenzung zu „sozialer Evolution“, „politischer Revolution“ und politischen Reformen“ herausgebildet haben. Mit „sozialer Revolution“ wird einerseits ein ziemlich umfangreicher und vielschichtiger Prozess radikalen gesellschaftlichen Wandels beschrieben. Andererseits werden mit diesem anarchistischen Konzept recht konkrete Überlegungen zur Umstrukturierung der Gesellschaft verbunden. Um den Begriff zu aktualisieren, ist seine Entstehung und sein Gehalt zu rekonstruieren. Damit wird auch deutlich, dass sich neue linke Transformationstheorien nachweisbar auf anarchistische Vorstellungen beziehen.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 8. Mai 2020, 19 Uhr

Lukrative Bodenschätz in der Tiefsee.

Es ist wie mit dem Wald. Im 18. Jh. wird in England der „unterirdische Wald“ mit seiner Kohle entdeckt. Die Industrialisierung beginnt. Mit dem Fortschritt der Technik werden zurzeit die Claims in der Tiefsee abgesteckt. Auf deren Oberfläche liegen „kartoffelgroße“ Mineralien, die die Profitbegierde von Konzernen wecken. Außerdem wurden vor etwa 20 Jahren die „Schwarzen Raucher“ entdeckt, Formationen, in deren Umfeld wertvolle Bodenschätze sind. Darunter befinden sich auch seltene Erden. Diese sind bedeutsam für Digitaltechnik und Rüstungsindustrie. Doch rätselt heute schon die Wissenschaft über die ökologischen Folgen eines umfangreichen Abbaus. Es droht sozusagen „Tiefsee-Extraktionismus“ pur. Erneut beginnt ein Wettrennen um Profit, Macht, Konsum, mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt. Welche Fragen stellen sich, aus libertärer, öko-sozialer Sicht?
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Am Nachfolgetag besuchen wir zum Thema das Berliner Naturkundemuseum (Eintritt kostenpflichtig). Hierzu bitten wir um Anmeldung unter: diefreien@bibliothekderfreien.de

Freitag, 29. Mai 2020, 19 Uhr

Hanna Poddig: „From Democracy to Freedom“ – Der Unterschied zwischen Regierung und Selbstbestimmung (CrimethInc.)

Demokratie ist das allgemeingültigste politische Ideal unserer Zeit. George Bush hat sich darauf berufen, um die Invasion in den Irak zu rechtfertigen; Barak Obama gratulierte den Rebell*innen vom Tahrir-Platz, weil sie Demokratie nach Ägypten gebracht hätten und „Occupy Wall Street“ war davon überzeugt, ihre reinste Form herausdestilliert zu haben. Von der Demokratischen Volksrepublik Nordkorea bis zur autonomen Region Rojava nennt sich praktisch jede Regierung und jede Bewegung demokratisch. Aber was ist das Heilmittel für die Probleme der Demokratie? Alle sind sich einig: mehr Demokratie. Seit der Jahrtausendwende ist eine Vielzahl neuer Bewegungen entstanden, die versprachen, diesmal die echte Demokratie zu verwirklichen – im Gegensatz zu den nur scheinbar demokratischen Institutionen, die sich als ausschließend, einschränkend und entfremdend herausgestellt hätten. Gibt es einen roten Faden, der all diese verschiedenen Formen von Demokratie verbindet? Welche von ihnen ist die „wahre“ Demokratie? Kann eine von ihnen tatsächlich die Inklusivität und Freiheit bringen, die wir mit dem Wort verbinden? Das Buch von CrimethInc widmet sich diesen Fragen zunächst theoretisch anhand einer grundsätzlichen Kritik an Demokratie, um sich sodann anhand konkreter Erfahrungen aus Slowenien, Bosnien, Griechenland, Spanien und den USA der Frage zu stellen, was diese Kritik für unsere Organisierung bedeutet.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 12. Juni 2020, 19 Uhr

Maurice Schuhmann: 50 Jahre Ton Steine Scherben

Rio Reiser, Kopf von der Agit-Prop-Band „Ton Steine Scherben“ (TSS), ist einer der einflussreichsten deutschen Musiker gewesen – und zudem auch Anarchist. Im Jahr 1970 erschien mit „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ ein Soundtrack für die Revolte der 70er und 80er Jahre; zwei Jahre später erschien das Doppelalbum „Keine Macht für Niemand!“, dessen Titel eine Anleihe an eine Überschrift aus einer Anarchopostille war. TSS war aber keine „reine“ Anarchoband, sondern erfreute sich auch in anderen linken Kreisen hoher Beliebtheit – außer bei den moskautreuen Kommunisten, die ihnen ihren Anarchismus vorwarfen. In einem Vortrag soll das Wirken jener Band, die zwischen 1970 und 1985 existierte, gewürdigt werden.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

Freitag, 10. Juli 2020, 19 Uhr

Maurice Schuhmann Anarchistische Perspektiven auf die franz. Revolution

Die Französische Revolution von 1789 dient vielen Sozialist*innen als Paradebeispiel für eine Revolution – und als ein Lehrstück. Auch im anarchistischen Diskurs und Geschichtsschreibung nimmt sie eine wichtige Stellung ein – u.a. in Bezug auf die Suche nach Vorläufer_innen der eigenen Bewegung. Neben der grundlegenden Studie von Kropotkin („Die Große Französische Revolution“) erschienen zwei wichtige Dokumentensammlungen – sowohl Landauers „Briefe der französischen Revolution“ als auch Stirners „Geschichte der Reaction“ – und eine Vielzahl von Untersuchungen, wie der von Bookchin über „The third Revolution“.
(Vortrag mit anschließender Diskussion)

 

 

Eintritt zu allen Veranstaltungen frei

 

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