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Rückblick auf die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien im Jahr 2010

10. Dezember 2010

Libertäre Bücherstunde

Mitarbeiter der Bibliothek der Freien präsentieren ihre libertäre Lieblingslektüre aus 2010

Das nahende Jahresende nehmen Mitarbeiter der Bibliothek der Freien zum Anlass, eigene libertäre Lieblingstexte vorzustellen, mit denen sie sich im Jahr 2010 auseinandergesetzt haben. Sie präsentieren zentrale Textpassagen und laden zur gemeinsamen Diskussion ein. Im einzelnen stehen folgende Bücher auf dem Programm:

»Gründungskongreß der Ersten Internationale in Spanien« (1870): Schon auf ihrem ersten Landeskongreß in Barcelona brachten die spanischen Internationalisten ihr sozialrevolutionäres und anarchistisches Sozialismusverständnis zum Ausdruck. Durch das Kongreßprotokoll sind die intensiven Diskussionen anschaulich und lebendig überliefert.

»Das Gedächtnis der Besiegten«: Ein historischer Roman des Autors Michel Ragon, der die wichtigsten Phasen und Etappen des 20. Jahrhundert erzählerisch miteinander verknüpft und aus anarchistischer Sicht nacherzählt.

»Der kommunitäre Sozialismus« (aus: »Wege aus einer kranken Gesellschaft«): Der Sozialphilosoph Erich Fromm (1900-1980) legte im Rahmen dieser im Jahr 1955 erschienenen Publikation eine nach wie vor aktuelle Gesellschaftskritik und -analyse vor und entwickelte gleichzeitig einen konsequent emanzipatorischen Gegenentwurf in Gestalt eines "Kommunitären Sozialismus", der hier in seinen Grundzügen vorgestellt werden soll.

(Buchvorstellungen und Diskussion)

26. November 2010

Alternative Lebensgemeinschaften: Strukturen, Vernetzung, Perspektiven

Der Rückzug aus der kapitalistischen Gesellschaft und das Ausprobieren alternativer Lebensweisen, die Suche nach einem richtigen Leben im Falschen, gehören spätestens seit den 70er Jahren zu den oft propagierten Lösungsansätzen zur Schaffung einer freieren Gesellschaft. Oft wird solchen Gemeinschaften vorgeworfen, sie stellten einen Rückzug ins Private dar, verlören den Zugang zum Rest der Gesellschaft. Andere behaupten, sich den Zwängen des Kapitalismus zu entziehen sei unmöglich, jeder Versuch auszubrechen führe zum Scheitern.

Aber wieviel steckt hinter den Vorwürfen, wieviel hinter dem Lob? Wie sehen alternative Lebensgemeinschaften heute überhaupt aus? Sind sie nur private Rückzugsorte oder Orte der Zusammenkunft? Isolierte Enklaven, der Gnade des Kapitalismus ausgeliefert oder ein erstarkendes Netzwerk mit Zukunft? Fehlgeleitete Öko-Spinner oder die einzig wahren Revolutionäre?

Ein Mitglied der Bibliothek der Freien, konfrontiert mit viel Theoretischem, aber wenig Material zu den existierenden Gemeinschaften, präsentiert und debattiert die Resultate einer kritischen Forschungsreise durch alternative Lebensgemeinschaften in Berlin und Umland. (Vortrag und Diskussion)

29. Oktober 2010

»Die Freiheit, die ich meine …« — Der Freiheitsbegriff aus libertärer Sicht

»Freiheit« — welch ein hehres Wort. Ein jeder führt es im Munde und fordert Freiheit, spielt sich gar als ihr Förderer auf. So ist es nicht verwunderlich, dass dieses in den letzten 200 Jahren meist ge- und missbrauchte Wort seinen eigentlichen Sinn immer mehr verloren hat und weithin nur noch als bloße Worthülse gebraucht wird. Heutzutage ist »Freiheit« ein Synonym für alles Mögliche, nur eben nicht für das, was seine ursprüngliche Bedeutung ausmachte, nämlich ohne jede Bevormundung, in jeder Beziehung uneingeschränkt und eigenverantwortlich leben und handeln zu können. Alle hierarchischen Gesellschaftssysteme von rechts bis links oder der Mitte benutzen daher den Begriff Freiheit immer nur in Teilaspekten wie z.B. als »nationale Freiheit«, »Freiheit von Ausbeutung«, »Freiheit des Westens« oder »freie Marktwirtschaft«. Dabei wird die Unteilbarkeit des Begriffs Freiheit stets ausgeklammert. Auf diese Weise ist Freiheit oft dort am wenigsten vorhanden, wo sie am lautesten beschworen wird. In mehreren Kurzbeiträgen versuchen einige Mitarbeiter der Bibliothek der Freien, ihren persönlichen Freiheitsbegriff zum Ausdruck zu bringen, um aufzuzeigen, dass es wirkliche Freiheit nur in einem herrschaftsfreien Umfeld geben kann. (Kurzvorträge und Diskussion)

24. September 2010

Johann Bauer: Ein weltweiter Aufbruch!

Über den gewaltfreien Anarchismus der 70er Jahre, Kritik an der RAF und die »Mescalero-Affäre« Vorstellung einer Neuerscheinung

Die Bewegungen der 70er Jahre werden in Darstellungen der Massenmedien meist auf einen einzigen Konflikt reduziert: RAF contra Staat. So wird die Geschichte emanzipatorischer und alternativer sozialer Bewegungen marginalisiert. In dem Buch »Ein weltweiter Aufbruch!« wird aus der Geschichte der Graswurzel-Bewegung nach ’68 erzählt, die eine Programmatik gewaltloser Revolution entwickelte. Dabei wandte sie sich gegen den bestehenden Herrschaftsapparat, aber auch gegen leninistische Parteimodelle und eine Militarisierung revolutionärer Bewegungen. Durch die tatsächliche Massenaktionsbewegung gegen Atomenergie wurden neue Formen der Selbstorganisation hervorgebracht, was zum Zerfall autoritärer Konzepte, aber auch zur Bildung neuer Partei-Illusionen geführt hat. So sind viele der emanzipatorischen Ideen, die seit den 60er Jahren entwickelt wurden, bis heute aktuell geblieben und sollten angesichts der ökonomischen und gesellschaftlichen Umbrüche neu diskutiert werden. (Buchvorstellung durch den Autor)

25. Juni 2010

Die Hog Farm Kommune

Eine hierzulande fast vergessene Keimzelle der Hippie-Subkultur in den USA der 60er Jahre
Hog Farm Bus

Nachdem 2009 mit dem vierzigsten Jubiläum von Woodstock dem Ende der Hippie-Ära auch offiziell mit allergrößter Aufmerksamkeit gedacht wurde, wollen wir uns im Jahr 2010 mit einem ihrer Ursprünge beschäftigen.

Die Hog Farm (mit ihrem Spiritus Rector, dem Clown Wavy Gravy), die damals eine der bekanntesten Großkommunen in den USA war, gilt auch als eine der Keimzellen der Hippie-Bewegung. In ihrem Konvoi bunt bemalter, ausrangierter alter Linienbusse fuhren ihre Mitglieder kreuz und quer durchs Land. Dabei verstanden sie diese Touren nicht nur als »Werbekampagne« für ihren alternativen Lebensstil, sondern sahen gleichzeitig darin auch einen spirituell-psychedelischen Trip, bei dem man nicht nur Land und Leute kennenlernte, sondern sich auch selbst fand.

Der Vortrag versucht, diese ausgeflippte Zeit der späten 60er Jahre, in denen der Traum eines von allen Zwängen befreiten Lebens geradezu greifbar nahe erschien, nochmals Revue passieren zu lassen. (Vortrag und Diskussion)

28. Mai 2010

K.R.Ä.T.Z.Ä.: Demokratische Schulen

Schulkonferenz

Das Thema »Bildung« hat anarchistisch inspirierte DenkerInnen und AktivistInnen seit jeher stark beschäftigt, man denke nur an Franciso Ferrers »Moderne Schule«, Leo Tolstois »Jasnaja Poliana« oder A. S. Neills »Summerhill«. Erfreulicherweise sind diese ersten libertären Bildungsprojekte nicht ohne Folgen geblieben. So gibt es gegenwärtig eine insgesamt zwar deutlich minoritäre, jedoch durchaus lebendige und vielversprechende Landschaft libertär orientierter Schulprojekte, insbesondere auch in Gestalt der sogenannten »Demokratischen Schulen«.

Im Rahmen dieser Veranstaltung zeigt die Berliner Kinderrechtsgruppe KinderRÄchTsZÄnker (K.R.Ä.T.Z.Ä.) ihren 33minütigen Dokumentarfilm »Demokratische Schulen«, der in das Konzept dieses Schultyps einführt: SchülerInnen jeden Alters entscheiden selbst, was, wann und wie sie lernen. Entscheidungen, die die ganze Schulgemeinschaft betreffen, werden durch eine basisdemokratische Schulversammlung beschlossen, in der jede/r SchülerIn und jede/r MitarbeiterIn eine gleichwertige Stimme hat. Nach dem Film ist Zeit für Fragen und Diskussion.

30. April 2010

»Escape from Freedom« Revisited

Erich Fromms Buch »Die Furcht vor der Freiheit« und seine Relevanz aus heutiger libertärer Sicht
Furcht Vor Der Freiheit

In seinem 1941 vor dem Hintergrund von Faschismus und Stalinismus veröffentlichten Werk befasst sich der Psychologe und Sozialphilosoph Erich Fromm (1900-1980) mit den psychologischen Aspekten der Freiheit des modernen Menschen. Seiner Meinung nach hat die Freiheit dem modernen Menschen zwar einerseits Unabhängigkeit und Rationalität ermöglicht, ihn in psychologischer Hinsicht aber andererseits auch isoliert und dabei ängstlich und ohnmächtig gemacht. In dieser Situation sieht Fromm den Menschen vor die Alternative gestellt, entweder der Last seiner Freiheit zu entfliehen und sich aufs neue in Abhängigkeit und Unterwerfung zu begeben oder voranzuschreiten zur vollen Verwirklichung jener positiven Freiheit, die sich auf die Einzigartigkeit und Individualität des Menschen gründet.

In der Veranstaltung wird versucht, einige der zentralen Gedankengänge Fromms zu diesem Thema nachzuzeichnen. Gleichzeitig soll ein Eindruck von seiner methodischen Vorgehensweise vermittelt werden, die gekennzeichnet ist durch die Nutzbarmachung tiefenpsychologischer Überlegungen für die Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen.
(Vortrag mit Leseproben und anschließender Diskussion)

26. März 2010

Was ist Anarchismus?

Emanzipation

»Der Anarchismus ist veraltet und unterkomplex«, behaupten Staatsfreunde gerne. Wir versuchen, die Bandbreite und Aktualität anarchistischer Ideen anhand folgender Themen aufzuzeigen: Medienkritik, Ökologie und libertäre Philosophie. (Kurzreferate und Diskussion)

26. Februar 2010

Mitarbeiter der Tempest Library: Insurrektionaler Anarchismus
Members of the Tempest Library: Insurrectionary Anarchism

Insurrection

Der Insurrektionale Anarchismus als eigenständige anarchistische Strömung wurde in den 1970er und 80er Jahren auf dem Höhepunkt der sozialen Spannungen in Italien theoretisch konzipiert und entwickelt. Insurrektionaler Anarchismus ist gekennzeichnet durch eine Kritik dauerhafter Massenorganisationen (Gewerkschaften, plattformistischer Vereinigungen usw.) sowie geheimer Gruppen des bewaffneten Kampfes (RAF, Rote Brigaden) und betont die nicht-dauerhafte oder informelle Organisation und den »unmittelbaren Angriff«. Der Vortrag wird sich auf die Geschichte sowie die informellen Organisationsformen des Insurrektionalen Anarchismus konzentrieren. Wir werden uns außerdem die subjektiveren Elemente des Anarchismus anschauen im Sinne einer bestimmten Logik, mit der zu experimentieren und die gelebt zu werden gilt. (Vortrag und Diskussion in Englisch mit deutscher Übersetzung)

Insurrectionary Anarchism as a distinct anarchist tendency was theorized and developed in the 1970s and 80s during the height of social tensions in Italy. Insurrectionary anarchism is characterized by a critique of permanent and quantitative organizations (unions, platformist federations, etc.) as well as clandestine armed struggle groups (RAF, Red Brigades) and emphasizes non-permanent or informal organization and »immediate attack«. The presentation will focus on the history as well as the informal organizational forms of Insurrectionary Anarchism. We will also look at the more subjective elements of anarchism as a certain logic to be experimented with and lived. (Presentation and discussion in English with translation into German)

29. Januar 2010

Anarchismus und Technologie — ein Widerspruch?

Unkontrollierte Stellungnahmen zum Thema Technik in einer freien Gesellschaft

Der technologische Wandel vollzieht sich in einer immer schnelleren Geschwindigkeit. Dem anscheinend ungebrochenen Versprechen der Moderne gemäß, das Leben aller zu verbessern, bietet die technische Entwicklung tatsächlich viele Möglichkeiten der Kommunikation, Partizipation und Emanzipation, die es zuvor nicht gegeben hat. Während hierdurch viele Sachzwänge in Frage gestellt werden und überlieferte Herrschaftsverhältnisse an Boden verlieren, haben moderne Technologien zugleich zu nie dagewesenen Abhängigkeiten geführt, die einer freien Gesellschaft eher abträglich sind.

Von Libertären gibt es eine Vielzahl von Positionsbestimmungen zu diesem Thema: Von den Anarcho-Primitivisten in den USA, die jedwede Technik ablehnen, über Kritiker einer Technologisierung des Alltags bis hin zu Technikenthusiasten, die lediglich für eine pluralistische Entscheidungsfindung zum Einsatz von Technologie eintreten. In mehreren Kurzreferaten soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen ein emanzipatorischer Gebrauch von Technologien vorstellbar ist oder ob sie eine autoritäre Eigendynamik aufweisen, die Herrschaft stets reproduziert hat. (Kurzreferate und Diskussion)

Wer per E-Mail über die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien informiert werden will, sende bitte eine Mail an: Subscribemail@BibliothekderFreien.de

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