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Rückblick auf die Veranstaltungen der Bibliothek der Freien im Jahr 2009

Freitag, 11. Dezember 2009

»Ich brauche Deine Nähe ... dadurch werde ich stärker«

Bakunin und seine Frau Antonija Kwiatkowska
Bakunin Und Antonija Kwiatkowska

Die bisweilen Aufsehen erregenden Details von Bakunins Leben haben die Phantasie mancher Autorinnen und Autoren derart angeregt, daß ihre Schilderungen Bakunins mitunter ins Spekulative abgleiten. Zu diesen oft recht mutwillig kommentierten Aspekten gehört auch Bakunins Beziehung zu seiner jungen Ehefrau Antonija, die mal als einfältige Marionette, mal als Provinzschönheit geschildert wird. Statt als Projektionsfläche für die Mutmaßungen von Zeitgenossen und Historikern sollte Antonija als eigenständige Person und wichtiger Faktor in Bakunins Leben wahrgenommen werden. In dem 2007 erschienenen »Bakunin-Almanach« wurde eine Studie über Bakunin und seine Frau publiziert, mit der Antonija erstmals aus dem Dunkel geholt wird und in der zahlreiche Dokumente in deutscher Erstveröffentlichung publiziert worden sind, unter anderem mehrere Liebesbriefe der beiden. (Vortrag/Lesung und Diskussion)

Freitag, 27. November 2009

Jenseits von Kapitalismus und Staatssozialismus: Anarchistische Positionen zum Thema Wirtschaft

Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit den Zürcher AnarchistInnen
Strike Bike Team

Anarchisten benötigen in aller Regel keine aktuelle Wirtschaftskrise, um zu erkennen, dass die heute weltweit vorherrschende Form der Ökonomie unvernünftig ist. Sie lehnen jedoch den Staatssozialismus oder die zentralistische Planwirtschaft genauso ab wie den Kapitalismus, egal ob er nun eher neoliberal oder sozialstaatlich daherkommt. Stattdessen setzen sie auf eine selbstbestimmte »dezentrale Bedürfnisproduktion« (Horst Stowasser). Da die anarchistische Wirtschaft ohne Staat, Partei(en) und Privateigentum auskommen will, stellen sich besondere Anforderungen an sie, denen Rechnung zu tragen ist in Gestalt von geeigneten Strukturen und Abläufen, aber auch in Form einer entsprechenden Kultur. Im Rahmen der Veranstaltung werden verschiedene Strukturierungsmöglichkeiten und Organisationsformen vorgestellt, die geeignet sind, diese Anforderungen an ein funktionierendes, herrschaftsfreies Wirtschaften zu erfüllen. Dabei werden sowohl praktische Erfahrungen (z.B. während der Spanischen Revolution) als auch theoretische Überlegungen aus der anarchistischen Literatur berücksichtigt. Außerdem soll die Gelegenheit genutzt werden, um darüber nachzudenken, welche Schritte bereits heute ergriffen werden können, um den Übergang zu einer herrschaftsfreien und solidarischen Wirtschaftsweise einzuleiten. (Vortrag und Diskussion)

30. Oktober 2009

Anarchismus 2.0 — Bestandsaufnahmen. Perspektiven.

Anarchismus 2.0
Buchvorstellung mit dem Herausgeber Jochen Knoblauch sowie den AutorInnen Wolfram Beyer, Ralf Landmesser, Maurice Schuhmann und Elisabeth Voß

Der Band »Anarchismus. Eine Einführung« von Hans Jürgen Degen und Jochen Knoblauch in der Reihe »theorie.org« arbeitete die Grundlagen libertärer Weltsicht (Stirner, Bakunin, Landauer etc.) auf. Von Rudolf Rocker einmal abgesehen, hat allerdings keiner dieser Klassiker in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg gewirkt. Dies und die Tatsache, daß spätestens nach 1945 die anarchistische Bewegung gezwungen war, sich von Grunde auf organisatorisch und inhaltlich neu zu positionieren, unterstreicht die Notwendigkeit der Anthologie »Anarchismus 2.0« zu aktuellen Tendenzen des Anarchismus. Da nun neben ausgewiesenen Experten auch AktivistInnen selbst zu Wort kommen sollen, wurde die Form einer Anthologie gewählt, um den berücksichtigten Themen ein Höchstmaß an Authentizität zu verleihen. (Lesung und Diskussion)

  • Aus dem Inhalt:
    • »Freiheit ohne Gewalt - für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft« von Wolfram Beyer
    • »Neue Soziale Bewegungen: Von der Alternativszene bis Attac« von Ralf Landmesser
    • »Anarchismus als Kulturbewegung« von Maurice Schuhmann
    • »Gemeinsam wohnen und arbeiten. Kommunen und andere selbstorganisierte Lebensgemeinschaften« von Elisabeth Voß
11. September 2009

Qual der Wahl

Wahlbetrug
Warum uns keine Bundestagswahl einer Freien Gesellschaft näher bringen wird

Auf der hektischen Suche nach dem kleineren Übel bleibt die Idee häufig unberücksichtigt, gar nicht erst am Spektakel der Wahlen teilzunehmen. Vorgestellt wird der reiche Fundus an wahl- und parlamentarismuskritischen Analysen und Praktiken, die aus der anarchistischen Ideengeschichte hervorgegangen sind. Ferner sollen unter anderem die Themen Antiparlamentarismus, Wahlboykott und Ungültig wählen auf ihre Tauglichkeit für emanzipatorische Aktions- und Verhaltensmöglichkeiten überprüft werden. (Kurzreferate und Diskussion)

26. Juni 2009

»Müsste man, um zu siegen, auf öffentlichen Plätzen Galgen errichten, so will ich lieber untergehen.«

Errico Malatesta
Lesung von Malatesta Texten

Getrieben von dem Wunsch nach Freiheit und sozialer Gerechtigkeit für alle, kämpfte Errico Malatesta (1853 - 1932) fast sein Leben lang für eine soziale Revolution. Er gilt als Mitbegründer der anarchistischen Bewegung in Italien. In seinen Texten wandte er sich oftmals ganz unterschiedlichen Fragen rund um den Anarchismus zu, dabei überzeugen seine Texte vor allem durch die Klarheit seiner Worte und Gedanken. An diesen Abend sollen, neben einem kleinen Überblick über Malatestas Leben und Wirken, einige seiner zahlreichen Texte von Mitgliedern der Bibliothek vorgetragen werden. Anschließend soll noch Möglichkeit zur Diskussion rund um diese Texte gegeben werden.

29. Mai 2009
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Christoph Grüner: Anarchismus und Internet

Das Internet spielt im Zuge der technologischen Revolution eine immer wichtigere Rolle für anarchistische Vernetzung, sei es zur Diskussion, Organisation oder zur Verbreitung libertärer Ideen. Verschiedentlich wird sogar behauptet, das Internet sei an sich eine libertäre Einrichtung, ein herrschaftsfreies Netzwerk, das alle Hierarchien untergräbt. Spektakuläre Aktionen der Zensurumgehung, Online-Demos usw. haben zu diesem Ruf beigetragen, obwohl solche direkten Aktionen nicht immer dauerhafte Auswirkungen haben. Dennoch sind selbstbestimmte Online-Gemeinschaften mit eigenen Regeln entstanden, die libertär funktionieren, ohne ein anarchistisches Etikett für sich zu beanspruchen. Das Medium Internet ist darüber hinaus zunehmend ein Werkzeug zur Wissensakkumulation, aus dem sich Potenziale hinsichtlich einer Partizipation und Emanzipation für den Einzelnen ergeben können — so wäre die Online-Enzyklopädie Wikipedia als kollaborative Plattform ohne das Internet nicht vorstellbar. Anhand von Onlineprojekten soll erörtert werden, in wie weit sich das Medium eignet, libertäre Konzepte zu vermitteln und was für Möglichkeiten der Beteiligung existieren. (Vortrag und Diskussion)

24. April 2009

Magnus Klaue: Wie sich Völker bilden

Not und Gemeinschaft in der anarchistischen Theorie des 20. Jahrhunderts
Attila

Die Nationen- und Staatskritik anarchistischer Theoretiker geht fast stets einher mit einem emphatischen Verständnis von »Gemeinschaft«, die wahlweise als »Volk«, »Kameradschaft« oder »Brüderlichkeit« vorgestellt wird. Anhand der Schriften Erich Mühsams und deren Kropotkin-Rezeption soll nachvollzogen werden, wie der anarchistische Gemeinschaftsbegriff mit seiner undialektischen Kritik der Abstraktionen des Staats und der Warenform, denen ein »gerechter« Tausch sowie »anschauliche« Lebens- und Produktionsformen entgegengehalten werden, nicht nur nolens volens regionalistische Vorstellungen von Gemeinschaft reproduziert, sondern »Gemeinschaft« nur als Notgemeinschaft zu fassen vermag, die sich unter dem Druck des Überlebenszwangs gegen den perhorreszierten Überfluß der Marktgesellschaft konstituiert. Demgegenüber entwickeln die Schriften Gustav Landauers einen Begriff des Anarchismus, der die Verallgemeinerung von Luxus und Genuß gegenüber der Reduktion von Gesellschaft zur Bedarfsgemeinschaft einklagt und nicht auf Liquidation, sondern auf Einlösung des bürgerlichen Autonomiegedankens zielt. Daß nicht Landauers, sondern Mühsams Gemeinschaftsmodell mittlerweile den Sieg davon getragen und sich unter dem Label des Poststrukturalismus als konsensfähiges Ideologieangebot verallgemeinert hat, soll abschließend an Deleuzes / Guattaris »Tausend Plateaus« gezeigt werden, die sich bis in die Metaphorik hinein als postmodernes Revival anarchistischer Theoriebildung lesen lassen. (Vortrag und Diskussion)

27. März 2009

Jo*Peace: Anarchie und Spiritualität

In ihrem Erstlingswerk »Anarchie — selbstbestimmtes Leben als Therapieform« versucht Jo*Peace Perspektiven zu erarbeiten, die fernab von politischen Kämpfen das Individuum in den Fokus rücken. Denn genau hier fängt Anarchie an: als Selbstbestimmung der einzelnen Person. Als Einstieg werden Teile aus dem Buch vorgelesen, in denen inhaltliche Aspekte der Anarchie mit denen der Spiritualität verknüpft werden. Noch immer scheuen sich viele Menschen davor, eine Existenz jenseits des Materiellen anzuerkennen. Dass sie damit einen jahrhunderte alten Dualismus aufrechterhalten und unbewusst das gedankliche Erbe dieser zerstörerischen Zivilisation fortführen, steht dabei ebenso zur Diskussion, wie die daraus resultierende Blockierung der eigenen Selbstbestimmung. Spiritualität hat in diesem Sinne nichts mit Tarotkarten oder Räucherstäbchen zu tun, sondern bezeichnet das wieder erlangte Bewusstsein der Menschen über ihre energetische Existenz, als Teil eines unendlichen Kosmos. Dass die Logik politischen Handelns mit der Mystik des universalen Eins-Seins in keinem Widerspruch steht, sondern ganz im Gegenteil fruchtbare Anknüpfpunkte bietet, ist ein Hauptanliegen des Buches. Die jüngste Generation der Libertären hat sich Liebe, Luxus, Anarchie auf die Fahnen geschrieben. Ob sie diesen Ansprüchen gerecht werden (will) und welche Horizonte trotz alle dem noch immer im Verborgenen liegen, können wir gemeinsam klären. (Buchvorstellung durch die Autorin)

27. Februar 2009

Carl Einstein — ein verdammender Prophet der Moderne

Sinnsuche eines libertären Denkers
Carl Einstein

Carl Einsteins Ruhm als einer der profundesten Kenner und Kritiker der Kunst und Kultur der Moderne, den er in den 20er und 30er Jahren genoss, scheint heute weitestgehend verblasst zu sein. Bereits 1912 nahm er in seinem Anti-Roman »Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders« die Stilistiken von DADA und Surrealismus vorweg. Mit seiner Schrift über die »Negerplastik« (1915) war er einer der ersten, die den eigenständigen ästhetischen Wert dieser außereuropäischen Kunstwerke erkannten und würdigten. Die 1926 von ihm herausgebrachte »Kunst des 20. Jahrhunderts« kann bis heute als eine der fulminantesten Schriften über die Entwicklung der künstlerischen Tendenzen seiner Zeit angesehen werden. In den 20er Jahren einer der eigenwillig scharfzüngigen Publizisten und Kritiker der Republik von Weimar, ging Einstein 1928 nach Paris und gab dort zusammen mit Georges Bataille und Michel Leiris die einen neuen erweiterten Kulturbegriff vertretende Zeitschrift »Documents« heraus. Anfang der 30er Jahre vollzog Einstein dann mit seiner Schrift: »Fabrikation der Fiktionen« eine beispiellose Abrechnung mit der idealistischen Intellektuellenkultur, dieser radikale Bruch mit seinen früheren Versuchen, die Kunst der Moderne einer kollektiven Massenbasis zu vermitteln, schlug ihn nun auf die Seite des aktiven politischen Handelns. 1936 kämpfte Einstein auf Seiten der Anarcho-Syndikalisten in der Kolonne Durruti gegen die Faschisten. 1940 nahm er sich auf der Flucht vor den Nazi-Truppen das Leben. Der Vortrag versucht Einsteins Leben und Werk in seiner Vielschichtigkeit mit all seinen Brüchen neu zu beleuchten und so seine Existenz, die er selbst zum permanenten Experiment erhob, dem Vergessen zu entreißen. (Vortrag und Diskussion)

9. Januar 2009

Anarchistische Föderation Berlin

AFB
Anarchismus für das 21. Jahrhundert

Die Anarchistische Föderation Berlin (AFB) stellt ihren Organisierungsprozess unter Berücksichtigung von historischen Vorläufern vor. Der Schwerpunkt liegt auf Anarchismus im 21. Jahrhundert. Anarchismus organisieren?! (Vortrag und Diskussion)

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